The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Wir fuhren mit einhundertunddreißig Kilomentern in der Stunde gemächlich unserem Ziel entgegen. Die Sonne stand halbhoch und schleuderte wahllos ein wenig Licht durch die dichte Wolkendecke. Im Vorbeifahren gaffte mich ein kleiner Falke an. Er balancierte in der Krone eines dünnen Bäumchens vor sich und stieß sich zeitweilig von ihm ab, um mit den gegen den Wind gestellten Flügeln auf einer Stelle zu schweben. Es war eintönig, andauernd beschleunigt und abgebremst zu werden, sich mittels Runzeln der Stirn vor den umherschwirrenden Beschimpfungen, die der Dummheit aller anderen Fahrer galten, vom Hals zu halten.
Erst auf der Avus klatschen bunte Wellen tosenden Beifalls gegen die Fensterscheiben, als man unsere Einfahrt in Berlin gebührend feierte. Die verlassene Tribüne, an der außer des Lacks der zahllosen Graffiti, die an ihrer Rückwand gemalt worden waren, nichts mehr aus diesem Jahrhundert zu stammen schien. Ein paar verstorbene Rennfahrer rauchten, in die Schalensitze zurückgelehnt und grüßten mit kollegialem Gruß, als wir am Grunewald entlang kamen. Die Gebäude des Messegeländes hatten ihre Triebwerke gestartet und spiehen dicke Flammen auf die Straße. Mit einem Mal riss sie, in einem Täuschungsmanöver, nach links und rechts auseinander, wir trieben rechts entlang, und verwand beide Enden mehrmals miteinander. Zwischenzeitlich verhinderten einzig die überhöhte Geschwindigkeit und die unheimliche Enge, mit der man durch die geteerten Gänge, jeweils acht andere Wagen neben sich, geschoben wurde, eine Massenkarambolage. Soe verschachtelt zog eine dicke, verqualmte Karawane, die eine Suizidwelle unter allen Umweltschützern ausgelöst hätte, wenn sie nur dabei gewesen wären, weiter nach Charlottenburg.
Am unteren Ende des Sichtfeldes linsten Funkturm und all die komischen Sehenswürdigkeiten hervor, die jeder Besucher mit dem gleichen gequälten Interesse anzuschauen weiß. Auf fast jeder Brücke, die über die Straße gefallen war, lief siegreich ein Fußgänger entlang und grinste den Eingequetschten zu seinen Füßen entgegen. Weiter vorn lichtete sich das Teilnehmerfeld, ein paar Wagen gerieten ineinander und lernten zu spüren, was pro und contra des Zusammelhaltes waren. Sie waren schneller vorn, jedoch leider auch schneller in Flammen aufgegangen und drehten noch ein zwei Salti in der Luft, ehe sie, ihre Scheiben in alle Teilchen zerbersten, aus denen sie hergestellt worden waren, ein paar hundert Meter vor uns über den Asphalt schlitterten und einen orangenen Funkenschweif hinter sich her schleppten. Erst im Näherkommen rückte Stück um Stück der Ekel in das Bild. Die Sitze waren abgebrannt, in den leeren Zellen der ausgebauten Rückbänke hatten sich gesplitterte Knochen gesammelt, umringt vom Schwelen der Airbags, den Fahrer und Beisitzer vorzeitig das Genick gebrochen hatten.
Sonntägliche Idylle, und erst später verriet man mir, was all das hinweggerafft hätte, als ich mich im Schwärmen zu verlieren drohte. Ein Wort hätte genügt, und wir wären einfach nur Richtung Tegel unterwegs gewesen.
Ob Flugplätze immer an windigen Orten gebaut werden, oder ob Wind und Flughafen eine unerklärliche Symbiose verbindet, kann ich nicht sagen, aber es stimmt, dass meine sorgfältig gelegten Haare sich selbstständig und den Fluglotsen mit den hin- und herschwenkenden Kellen Konkurrenz machten. Jedes Jahr sind sie länger, und irgendwann werden sie sich mit Sicherheit in der Turbine eines Airbus’ verfangen und mich über das Rollfeld wetzen, mir die Kanten abschleifen, mich kugelrund und halbtot zurücklassen.
“I’ve never thought of visiting Germany.” erklärte ein mit mehreren Koffern bepackter Mann, offensichtlich türkischer Herkunft in weich klingendem Englisch seinem Verfolger, der in rosafarbenem Polohemd und schlecht sitzenden, grünen Schlaghosen ein schnoddriges “Really?” zur Antwort gab. Der Türke lachte, der Deutsche war zu deutsch, um zu verstehen, dass er nicht im Zentrum der Welt lebt.
Ich versuchte mich in bordeauxroten Pullover zwischen Fluglinienwerbung zu tarnen und wurde schon kurz nachdem ich mich hingesetzt hatte von den ersten euphorischen Damen belagert, zu deren Zeit Hyperaktivität noch nicht jedem zweiten angedichtet worden war, obwohl man ausgerechnet bei ihnen die Zufallsbestimmung der ‘Infizierten’ mit echter Genauigkeit hätte ablösen können. “Ach, was bin ich aufgeregt.” zitterte eine von ihnen. “Noch was Kaffee?” meinte die Andere. Ihre Haare hatten seit langem nur Wasserstoffperoxid und Haarspray gesehen, sodass ich überlegte, ob es ein Klirren geben würde, wenn sie irgendwann, im Hin- und Herrennen begriffen, gegen die Glasscheiben knallen und man außer zerbrochenen Haaren nichts Anderes auf dem Boden verstreut finden würde. Sie warf eine einsame Rose abwechselnd von der linken in die rechte Hand und umgekehrt. Der Rosenkopf hatte sich von gelb an einigen Stellen leicht rot gefärbt, als wenn die Zentrifugalkraft dem abgetrennten Geschöpf das Restblut in den Kopf drängte.
“Excuse me.” unterbrach eine von deutsche Sonne gebleichte Italienerin mich anzureden. “I would like to go —” begann sie. “— home?” schloss ich. Sie grinste, wobei sich ihre Oberlippe am unteren Knotenpunkt faltete und ein wenig die weissen Zähne bedeckt. “Of course, but I wanted to ask, where did you get these thoughts?” fragte sie. Ein paar Minuten war sie am Ausgang neben einer Schlange Wartender vorbei geschlendert, ich hatte sie ebenso bemerkt, wie ich alle hier Anwesenden in meinem Kopf katalogisiert hatte, bevor ich mich nieder ließ. “I’ve been watching you for a while now. And you seem to have strange ones, just like you’re fighting a constant war against yourself.” Ihr ’seem’ beruhigte mich schlagartig. Für einen Moment hatte ich ernsthaft in Erwägung gezogen, ihr begegnet zu sein. Jetzt schmeckte die Entwarnung nicht anders als das kleine Bonbon, welches mir eine Mitarbeiterin mit Dauergrinsen am Eingang in die Hand gedrückt hatte. Eine Enttäuschung war es längst nicht mehr, dazu ist es, wie alles, eine zu große Sache der Gewöhnung. Sie zog ihren Koffer langsam weiter und blickte mich an, da ich ihr lange nicht geanwortet hatte, sondern erst noch innerlich sortierte. “I do.” versuchte ich das kreischende, blondierte Etwas noch zu übertönen, als es aus vollem Halse “Sie kommen!” zu ihren Begleiterinnen bläkte. Alles stürmte zur Absperrung, das Sicherheitspersonal sah mit Gewohnheit und etwas Abwertung im Augenwinkel zu und tat nichts.
Der Satz, dass der Flughafen ein besonderer Ort ist, weil hier Gefühle noch wirklich gezeigt werden und aufeinander treffen, muss teilweise revidiert werden. Es stimmt, eine gebeutelte Masse steht, mit langstieligen Rosen und Photoapparaten in den Händen, vor einer massiven Glaswand und winkt hysterisch den Ankommenden zu, so als würden sie versuchen, ihre Grimasse ins Hirn eines Jungen zu brennen, der gerade in den krieg zieht und wahrscheinlich nicht widerkehren wird. Ich stellte mir mehrmals die Frage, ob es diese wild winkenden, kreischenden und mit Blumen winkenden Menschen sind, die man als erstes zu sehen wünscht, wenn man von sonstwoher kommt. Wahrscheinlich prangte dem jungen und hübschen Türken solch ein Bild vor Augen, als er erwähnte, nie daran gedacht zu haben, jemals Deutschland zu besichtigen. Denn die neben mir wartende, türkische Großfamilie saß still und begrüßte herzlich, nicht künstlich, seine wieder Eingekehrten.
Plötzlich wäre fast alles verloren und verschenkt gewesen, bis ich einen Mann mit grau melierten Haaren still in der Ecke stehen und auf sein Handy eintippen bemerkte. Ein zweiter näherte sich seitlich, tippte ihn höflich an und fragte männlich ein “Entschuldigen Sie?” Kurze Zeit blieb die Verwunderung in beider Augen, ehe sich unabänderliche Freundschaft in ihnen spiegelte und von einem herzhaften Lachen samt brüderliche Umarmung begleitet wurde. Nach etwa 3 Sekunden, ich hielt den Atem an und staunte, sagte der Zweite: “Gehen wir?” und schlug seinem Freund gemächlich auf den Rücken. Beide lachten zufrieden und gingen nebeneinander, echt, Richtung Ausgang.












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