Monatsarchiv Mai
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Ich verabscheue Stillstand. Bei kaum einer Sache kann ich länger als ein paar Tage, manchmal Wochen, verweilen. Doch im Stillen versteckt sich die Bewunderung jener, die gefunden haben, wonach sie suchten, und damit existieren können. Aber mehr als meine Wochen hält auch das nicht an, bis erneut Abscheu mit diesen Gedanken schwingt und ich mich wieder meinen kranken Denkern zuwende, denen ich seit jeher treu geblieben bin.
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“Anbei ein Päckchen Feuer und ein Brief voller Flämmchen.” “Darf es sonst noch etwas sein?” “Einen Halt an alles.” “Ja, sehr wohl. Wünschen Sie ihn eingepackt? “Nein, ich werd’ ihn gleich benutzen.” “Ja, selbstredend.” Die Verachtung tropft aus seinen Augen auf den Thresen und läuft breit. Sie sammelt sich in den ins Holz geschliffenen Rillen und zerfließt in die kunstgedrehten Windungen an den Ecken. “Wie lang arbeiten Sie hier schon?” “Seit fünfundzwanzig Jahren. Seit dem vierzehnten Julei des Jahres Neunzehnhundertachzig stehe ich hinter dem Thresen.” Seine Verachtung war mittlerweile schwarz und zähflüssig geworden, sie glimmte orange und gelb in der Mittagssonne. Als hätte ihn jemand am Schopf gepackt und die hintere Kopfhaut weit abgezogen, so straffte sich unnatürlich sein Gesicht zu einem verlogenen Puppengesicht. Wir lehnten uns unauffällig gegen die Auslagen, um erspähen zu können, ob den alten Herren jemand rücklings, vielleicht aus einem HInterzimmer heraus, mechanisch bediente. Und in der Tat war sein Oberkörper von einer dunklen Lederschürze wie abgetrennt und schien hinter den schweren Glaskästen zu schweben. “Hatten Sie nie das Bedürfnis, ihr Leben anders zu gestalten? Wenigstens den Anflug einer bedingungslosen Kapitulationslust?” Er senkte die zerfransten Augenbraunen, die ihm das Aussehen eines weisen, und dennoch verlotterten Streuners gaben. “Wissen Sie, ich habe mein ganzes Leben lang eingeweckt gelebt. In der Schule war ich eingekocht, hier ließ man mich atmen. Ich unterhielt die Leute, die sich in den grauen Vormittagen, durch die Läden schleichend, ein wenig Abwechslung und Gesellschaft kaufen wollen. Jeden Tag fünfzehn Gramm Seife, die man abends mit Sicherheit wieder aufbrauchen würde und ein Schwatz.” “Sie lebten sorgloser?” “Das tat ich und tue ich bis heute. “Nur —”, er machte eine Bewegung mit seinem gealterten Schädel, dass wir seinem Blick hinter die Theke folgen sollten und offenbarte eine schwere Eisenkugel dort an seinem Bein, “Nur bin ich ein Gefanger, nichtsdestotrotz ein glücklicher Gefangener.”
Wir schlenderten mit dem Blick des Herren auf Rücken ruhend auf die Straße, blickten uns rührselig an und stimmten gemeinsam mit ein: “Ein glücklicher, wahrlich!”
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Vielleicht fehlt uns ja nur die Perspektive. Wir können nicht sehen, was Fortschritt ist und konzentrieren uns deshalb umso eifriger auf den Rückschritt. Es gibt keine Heiligen und Weisen mehr, wir haben uns alles genommen, auf der Basis, das sie allesamt Schwachköpfe waren. Dabei fielen natürlich auch die Lehrsätze durch das Sieb, die uns wirklich genützt hätten. Augen und Ohren auf! Vielleicht, vielleicht vielleicht. Vielleicht ist gerade falsch, sich darüber Gedanken zu machen und nicht einfach langhin zu vegetieren, fern ab von etwas, das man als Existenz bezeichnen könnte.
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Zigarette, Bett, Zigarette, Schlaf, Zigarette. Er zog sich langsam im Umdrehen die Schneedecke über den Kopf und ließ sich mit all seinem Gewicht in die halbhohen Haufen Moos sinken. “Glaubst du, dass man frei sein kann, wenn man es nur darauf anlegt?” fragte er im Dunkeln nach seiner rechten Seite hin. Tiefes Durchatmen begleitete ein leises Seufzen, das die Antwort sein sollte.Er fingerte nach dem Lichtschalter der kleinen Halogenlampe an der Wand und knipste das Licht an. Alles sah so steril aus, gebraucht und unvertraut. Wer sollte hier leben? Sofort schnippte er den Schalter wieder in seine Ausgangsposition und wog sich in der auferstandenen Ruhe. Wieder ein Seufzen. Er drehte sich schwerfällig und presste seinen Kopf an sie. Die Wärme, die er sich erhofft hatte, kam nicht auf, sie blieb fortwährend eingeklemmt zwischen zwei kalten Körpern. “Wenn ich bestimmen könnte, wie lang was zu dauern hat, ich würde diese Nacht nie enden lassen.” Sie gähnte und veströmte eine Note zwischen dem Rosenöl ihres Shampoos, der Minze ihrer Zahnpasta und dem leicht fauligen Geruch der Nacht, der zischelnd aus ihren Mund kroch. “Du hast Angst, wenn deine Sorgen in der Nacht einen Schatten werfen und dadurch noch bedrohlicher aussehen.” flüsterte sie ihm ins Ohr, indem sie ihren Kopf näher an seinen heran rückte und einschlief.
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Paranoia implizieren immer den Egozentrismus. So, und nur so, kommt es, dass sich ein Paranoider erst für Gott halten muss, ehe er seine Gotthaftigkeit bedroht sehen kann.
Landschaftsdenken: Gehe immer stur in eine Richtung und du kommst an ein Ziel. Allenfalls, was dir passieren könnte, ist, du liefest gegen eine Wand. Dann ist es Interpretationssache.











