Monatsarchiv Mai
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Mit dreitausend Kilometern in der Stunde rasten wir auf der Autobahn nach Süden. Nur weit entfernt von uns hielten ein paar Bäume mit,als wir durch abgebrannte Felder wetzten. Zweihundertundvierzig Schläge je Minute auf das Trommelfell. Nichts hielt uns, als wir in die falsche Richtung duhren. Und nicht dabei zu beten, wenn aus dem Unverhofften ein Auto in die eigene Spur herüber zieht, doch auch sich nicht davor zu fürchten, war das Resultat, als nichts mehr zu verlieren war. Eine eigenartige Kombination. Dort, wo sonst so tiefe Kerben eingeschlagen sind, ist hin und wieder eine glatte Oberfläche, die so hart ist, das kein Werkstück sie zerstören könnte. Drei Minuten später aber ist sie weich geworden, fließt durch meine Hände und zerreisst sich selbst. Jedes Gefühl, festgemacht auf einem Schaukelbrett, schwebt auf und nieder, bäumt sich und stirbt am tiefsten Punkt, immer zu und ohne Ende. Was ist das Resultat? Ein Selbstverrat, der beliebig zu konstruieren ist, gefangen in der Relativität.
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Nichts Besonderes gibt es hier, das ist wahrlich die einzige, beruhigende Besonderheit heute.
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Metaschreiben. Das beste aller Themen ist und bleibt das banalste. Allein der dreckige Kleinkrieg des Alltags macht aus, was die Menschen begeistert. Niemand kann sich ihm entziehen, insofern ist das Wort Alltag wunderbar passend. In der echten Literatur allein gibt es noch den Plot, der so gern zerrissen wird.
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Bin ich der Einzige, der es nicht versteht? Heute trällerte es überall durch Radio, Fernsehen und Printmedien. Der wohl größte Schlag gegen Raubkopierer ist gelungen. 130 Hausdurchsuchungen, um die 3500 Nutzer müssen sich mit Ermittlungen gegen sie plagen.
Im Fernsehen ist es am schönsten, dort wird von Vorzeigeaktionen gesprochen, und so weiter, und so fort. Das Urheberrecht in allen Ehren, kein Zweifel an der Illegalität solcher Aktivitäten, aber haben wir keine anderen Probleme? Natürlich muss irgendwo angesetzt werden, aber es kommt mir so wahnwitzig vor, wie dauerhaft sich das Raubkopiererthema seit Jahren in den Medien hält, während nur alle paar Wochen oder Monate die halbtot getretenen Ausländer, bzw. nicht Deutschstämmigen einen Platz auf den Titelseiten bekommen. Von den Bildungsproblemen oder unserer aufkeimenden Oligarchie einmal ganz zu schweigen. Muss einem Staat erst die Industrie im Nacken sitzen, ehe sie etwas bewegt? Irgendwie scheint es fast so. Warum läuft gerade dort ein Verfahren so erfolgreich ab?
Alles wird angepackt, kaum etwas zu Ende gebracht und noch weniger dabei erfolgreich durchgezogen. Dann liest man soetwas und bekommt eine Konsequenz der deutschen Justiz zu spüren, die man so nicht kennt. Woran liegt es? Liege ich falsch mit dieser Beobachtung, oder stimmt hier wirklich etwas nicht?
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In einem Punkt unterscheidet sich dieses Zeitalter nicht von den kulturellen Hochburgen. Wovon ich spreche, ist die endlose, gähnende Langeweile, die spätestens Abends in allen Häusern Einzug hält. Nur, ich würde zu gern auch von der Langeweile ohne Fernseher sprechen können. Dieses gräßliche Ding verblödet, verkauft alle Kraft an nichts und gaukelt einem eine Bedeutung der eigenen Existenz vor. Leider ist die einzige Bedeutung dabei die Kennnummer in den Einschaltquoten, die man hinterlässt.
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Nur, wenn man in eine Arbeit versunken ist, kann man verstehen, was es bedeutet, am Leben zu sein. Leider schließt die Versunkenheit gleichsam das Wissen um diesen Zustand aus. Es ist also unbedeutend, nicht hilfreich. Und dennoch ist die Klarheit danach einzigartig.
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Nur mit Entsetzen wach ich morgens auf,
Ich möchte bittre Tränen weinen,
Den Tag zu sehn, der mir in seinem Lauf
Nicht einen Wunsch erfüllen wird, nicht einen,
Der selbst die Ahnung jeder Lust
Mit eigensinnigem Krittel mindert,
Die Schöpfung meiner regen Brust
Mit tausend Lebensfratzen hindert.Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil
Wobei doch die Nacht Erholung bringen sollte, hieve ich mich in die Aufrechte und versuche zu realisieren, was mir bevor steht, was zu leugnen ist, was nicht. Doch unterbricht ein Stechen dieses alltägliche Ordnen, das sich halbminütig widerkehrend durch meine Brust hangelt. Es zieht umher, geistert mir durch jedes Körperfell, stößt manchmal an bei Herz, Rippenfell und schließlich Lunge, bis es irgendwann irgendwo dazwischen hängen bleibt und trotzig seine Glieder in mich austreckt. Wie lokalisiert man einen Schmerz? Man beginnt ihn zu fokussieren und erreicht genau das Gegenteil. In mir ist es kalt und öde, nur eine Stelle ist noch nicht von einer Eiswüste durchzogen. An ihr flackert in leichtem orange die kleine Flamme, die im Kampf mit der Kälte das Stechen und Brennen erzwingt.
Heil dir, Schlaflosigkeit! murmele ich mit einem Seitenblick auf den grauen Schleier vor meinen Augen, der am Bettrand hockt und die dünnen Beinchen gelassen durch die Luft schaukeln lässt. Kein bisschen betroffen sieht sie aus, als sie, die dunklen Locken gepflegt und ordentlich auf einander geschichtet, mir kühl und trocken in die Augen sieht. Jeder Tag beginnt erschöpfter als der letzte, bis das Schleier zu dichter Farbe wird und alles blockt, was vor mir liegt. Da geht alles ohne Zutun, nur wiegt alles schwerer noch als sonst. Das Blei auf den Augenlidern zieht stärker dem Erdboden entgegen, jeder Schritt und jeder Zug der Arme braucht mehr Kraft, die kleinen Kerben, die der Zahn der Zeit in meine Knochen genagt hat, werden endlich spürbar. Das Licht ist falsch und grell, es bricht kein Strahl sich mehr in den Pupillen, wenn alles im Dunst der Eintönigkeit verschwimmt.











