Monatsarchiv Juni

  • Unter Zeitdruck zu denken entbindet gleichsam davon. Entweder man denkt, oder man nimmt sich keine Zeit dafür und tut einfach.

     

    Je mehr man sich mit einer Sache beschäftigt, desto mehr entrückt man sich selbst von ihr. Alles wird immer theoretischer. Irgendwann erreicht man schließlich einem Punkt, an dem man sein eigenes Thema nicht mehr wieder erkennt. Selbstheilung oder ~entfremdung, es ist doch beides ein und dasselbe.

  • Wo der Schmerz unmittelbar ist, da ist die Zeit im Weg.

  • Die Nacht habe ich wieder harrend verbracht. Ich wartete darauf, dass der Schlaf meinen Bewusstsein endlich den erlösenden Schlag geben würde und mich nicht mehr denken lassen möge. Abschalten, ein Abstraktum, dem ich noch nie einen Wert beimessen konnte. Ich kenne es einfach nicht, ständig knirschen die kleinen, grauen Rädchen zwischen den Schläfen, halten den matten Generator am Leben, der im Takt einer Kalashnikov die Impulse durch meine Glieder rasen lässt. Vielleicht hülfe das Licht, so jedenfalls wäre nicht alle Kraft auf das Vorgestellte gerichtet, sondern auch ein wenig an die Sinneseindrücke vergeben.

    Das kleine Mädchen Schlaflosigkeit ist auch wieder dabei, hockt wie eh und je dort unten am Bettrand und jauchzt gelegentlich, wenn wieder eine Stunde leise und gebückt aus dem Zimmer schleicht. Sie streichelt wie eine gütmütige alte ein Frau ihr noch verbliebenes Kätzchen, meine Beine und summt dazu ein Schlaflied, von dem sie immerzu wusste, dass es nicht mildern auf mich wirkt. Je schneller die Stunden gehen, umso aufmerksamer werde ich und horche auf, wenn sie ganz sacht die Fasern der dünnen Teppiche im Flur aufeinander drücken. Von irgendwoher krächzt parallel dazu ein Hund und treibt sie an.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Die grünen Gärten, voller Saft und den antiken Büsten, der bunte Himmel, den ein jeder so gestaltet, wie er mag, die Tiere, die verträumt im Schatten dort beim Rhododendron liegen —

    All das bleibt kein Traum. Du bist verrückt. Wie ich. Und es ist schön.

    Schliess’ die Augen, sag’ mir was du siehst…

    Ich sehe nichts.

    Wie kannst du nichts sehen und wissen, dass es ist?

    Ich sehe nichts, so wie ich nichts nicht einmal beschreiben kann.

  • Dass man als Deutscher so viel zu wettern hat, mag von der Langeweile her rühren, in der man lebt, oder besser noch, zu leben hat. Das Aufrührerische, das uns abhanden gekommen ist, hat sich im Laufe der Zeit gegen uns gerichtet und liegt jetzt als schwere Decke über unseren Köpfen. Wir blöken in der Gegend herum, ohne den Tönen eine Aussage, oder wenigstens einen Stil zu geben. Es ist komfortabel, so dahin zu vegetieren, aber es schmeckt nicht mehr so bittersüß wie in den Jahren, in denen wir noch verbal fochten, statt herum zu schreien und uns von einander abzuwenden.

  1 2 3 4 5 6 7 8

WILLKOMMEN!

Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling, Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und Teil des Team Totale Zerstörung, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute:
Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

Überall / Auftritte

letztens / neuste Einträge

damals / vor Jahren

begehrt / beliebteste Einträge

Ausgrabung / zufällige Einträge

Kondolenz / letzte Kommentare