Monatsarchiv Juni
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Die Zeit vergeht von ganz allein und dann auch viel zu schnell. So schnell, wie man es wünscht. Das einzige, was man zu tun hat, ist, sich hinzusetzen, mit den Beinen zu schaukeln und würstchenessend das eigene Leben nebst tausend kleinen Katastrophen vorbeiziehen zu sehen. Man könnte grüßen, aber er lohnt nicht so recht. Irgendwann springt man auf, reitet auf einem Erlebnis, bis man abgeworfen wird und endlich bereit ist, sich tottrampeln zu lassen.
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Innerhalb einer Woche ist der zuvor noch grüne Rasen schon wieder verbrannt. Es knistert leicht, wenn man darüber läuft. Fast scheint es so, als hätte jeder so viel mit sich selbst zu tun, dass er gedankenverloren auf dem Bahnsteig von Zugtür zu Zugtür marschiert und nicht einmal weiß, wo er eigentlich ist. Einsteigen hier, aussteigen dort, und schimpfend auf die Bahn, was für ein Wetter sie doch zu dieser Fahrt gebucht hat.
Etwas entfernt lungern ein paar Bahnarbeiter und zeigen mit den Fingern auf junge Mädchen, die leicht bekleidet vom Gleis 7 zum Gleis 8 hinüber hüpfen. Den ganzen Nachmittag über werden sie noch von ihnen erzählen, sie mit den Händen nachahmen und erst resignieren, wenn die Alte wieder ihr Heim regiert. Bis dahin hocken sie schwitzend im Schatten, oder fahren mit ihrem Schienen-LKW, eine Zigarette locker rechts im Mundwinkel hängen, wie in kühleren Jugendtagen die Gleise auf und ab.
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Ich glaube fest daran, dass das Leben keinen Zusammenhang hat. Weit mehr noch ist es nur eine Aneinanderreihung von Momenten, die entweder gut oder schlecht sind, in Erinnerung oder Vergessenheit geraten oder für uns eine Bedeutung haben oder nicht. Eine Objektivität darin zu suchen wird nie verfangen. Und das ist das eigentliche, unser, Problem. Wir versuchen zu kitten, was nicht zusammen hält, versuchen dort etwas zu finden, wo die brüchigen Enden aneinander reiben. Das allein bricht uns das Genick.
Glück, so nennt man das abstractum, nicht auf die Lücken des eigenen Weges zu achten, blind zu sein und weiter zu laufen.
Diese und jene, solche und solche, hier und jetzt, da und dort, dazwischen gibt es nichts. Sich dies einzugestehen befreit, befreit in eine Wüste hinein.
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Die Fliegen hätten wie jetzt auf den bunten Tischdecken gespielt. Sie wären umher geflogen und hätten all ihre Bekannten zu diesem Spektakel gerufen. Und wir hätten dabei gesessen und in dicht gewebten Korbstühlen alledem zugesehen. Das Cafe hätte jeden Morgen seine Fenster aufgerissen, um die schwer gewordene Luft des letzten Abends auf die Strasse zu befördern. Gegen zehn Uhr wären wir irgendwo erwacht und hätten jeden unserer Knochen flehen gehört, nicht wieder sein tägliches Gewicht halten zu müssen. Nach einer kurzen Lesung, gegeben einem imaginären Publikum unter dem fremden Balkon, begleitet von etwas Teer und Nikotin, um uns auf die Strapazen einzuschiessen, hätte unser Tag begonnen.
Wie immer, wirst du sagen, wären wir in einen neuen Tag voll rauchiger und in ocker eingetauchter Existenzen und Erkenntnisse gestolpert. Wie immer wäre allerdings nur gewesen, dass wir das alte Sacko getragen hätten, denn für ein neues hätte sicher noch das Geld gefehlt. Jedes Loch für eine Sünde, jeder Faden ein Gedanke.
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Der Bachmannpreis ist mal wieder verliehen worden. Und Kathrin Passig, Riesenmaschinenautorin, Internetzapplikationsentwicklerin (tolles Wort) und ja nun ganz offiziell herausragende Autorin, bekam gleich zwei der ausgeschriebenen Preise.
Zusammenfassend zu sagen ist ergo:
- Kathrin Passig: Bachmann- und kelag-Publikumspreis für Sie befinden sich hier
- Bodo Hell: Preis der Telekom Austria für Stadt Land Berg
und wieder: durchs Dickicht der Verweise nur eine kleine Schneise - Norbert Scheuer: 3Sat-Preis für überm Rauschen
- Angelika Overath: Ernst-Willner-Preis für Das Aquarium
Die Texte sind über die zugehörigen Links zu erreichen. Ehe ich nicht die übrigen Texte gelesen habe, enthalte ich mich lieber und schreibe vielleicht später noch meine Meinung. Vorerst sage ich aber nur: Glückwunsch den Gewinnern, gute Heimfahrt (die schon vorbei ist) dem Rest.











