Monatsarchiv Juli

  • Wenn an einem sonnigen Nachmittag Blitze über den Himmel zucken, dann ist Großes am Werk. Die Türen fallen mit einem Knall ins Schloss, irgendwo erschiesst sich jemand und hinterlässt die Wucht, mit roten Spritzern und Knochenteilchen an eine Wand gemalt. Einer weniger.

    Die Zeitungen setzen die Todesanzeige mit derselben Gelassenheit, mit der sie schon seit hunderten Jahren das verbreiten, was sie nicht beschreiben können. Am darauffolgenden Tag ist nicht einmal regnerisch, die Atmosphäre ist nicht wie zu erwarten drückend, wenn man die Buchstaben in dem kleinen Rechteck liest. Ganz im Gegenteil scheint die Sonne noch alle Zurückgebliebenen zu verhöhnen. Die Unruhe der von uns Gegangenen vermag nicht jene derer zu beschreiben, die folgen.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Man kann dabei zusehen. Und wenn man wenigstens möglich beisteuert, sondern einfach nur dasitzt, dann bruacht man nur darauf zu warten. Die Sonne verabschiedet sich langsam in Richtung der südlichen Hemisphäre, wo sie die Nacht über nach dem Rechten sehen und den dort Lebenden den Weg leuchten wird. Hinterlassen tut sie dabei nur ein bisschen Wemut. Keiner der Anwesenden ist schon betrunken genug, um nicht mehr an gute, alte Zeiten und ehemalige Freunde nachdenken zu müssen, alle klammern sich noch an die verschiedensten Alkoholika, in der Aussicht, wenigstens die Bilder in ihrem Kopf ein wenig verwischen, wenn schon nicht zerstören, zu können.

    Auf den Stufen zum Haus sitzen drei abgemagerte Katzen, die dem Treiben mit der Ahnungslosigkeit eines Tauben und Blinden oder mit der Ruhe eines Erleuchteten beiwohnen. Die Reflektionen in ihren Augen jedenfalls lassen sie so aussehen, als wüssten sie etwas von dem, wonach wir suchen und das uns auch so leichtfüssig wie sie herumschleichen und genießen ließe. Nicht einmal, wenn man zusammen oben steht oder unten angekommen ist, wird allen vielleicht noch während des Abends klar, ist man wirklich gemeinsam dort. Jeder ist immer noch für sich allein an seinem Platz und hat damit zu kämpfen, sich auch noch dort stehen sehen zu können. Vielleicht sahen sie die Verstorbenen, deren verblassendes Bild sich jeder im Gespräch noch einmal vorzustellen versuchte, quicklebendig mit am Tisch sitzen und einfach nur zuhören.

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  • Die Zeit, sie ist so ein beliebtes Thema für jedermann. Eingehakt in den rechten Arm der Vergänglichkeit ist sie, je älter nur eine Gruppe von Menschen wird, immer mit dabei, wenn sich getroffen wird. Wo man hinschaut, nichts als das ewig Gleiche. Gerade lief eine Dokumentation über Beckett im Fernsehen, und er hatte fürchterlich recht. Als Europäer ist man gelangweilt und schaut nur noch stumm auf all das, was vor einem abläuft. Man wartet nicht einmal mehr auf Godot, nicht mehr auf den Tod, wartet überhaupt nicht mehr. Man existiert einfach, in diesem Sinne scheint es das Leben nicht zu geben. Wenn man erst einmal geboren wurde, dann stirbt man nur noch langsam vor sich hin.

  • We’re just two lost souls swimming in a fish bowl,
    year after year,
    running over the same old ground. What have we found?
    The same old fears,
    wish you were here

    Pink Floyd - Wish You Were Here

    “Naturwissenschaften, das ist noch ein Thema, mit dem es sich zu beschäftigen lohnt. Da kann man was erreichen.” sagte der dicke Mann mit den hinter dem massigen Bauch zurückgebliebenen Augen und schwang dabei schwärmerisch seine wabbligen Arme.

    Und die Busse schlängelten sich auch schon wieder durch die Stadt, die so langsam aber sicher auch an diesem Tag wieder erwachte, da sie von innen heraus belebt wurde. Allein dieser ganz eigentümliche, schweissige Geruch einer unruhigen Nacht stieg noch an jedem Haus aus den Fenstern. Die ersten standen schon im Bad und versuchten ihn abzuwaschen oder wegzuduschen. Die anderen suhlten sich voller Wohlgefallen den ganzen Tag darin.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

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