Monatsarchiv Oktober

  • Ich wüsste nicht, wie ich reagieren sollte, müsste ich vor Publikum jene Schosen erklären, die manche Leute sich in ihren Köpfen zurechtstricken.Unglaublich. Heute wurden die diesjährigen BigBrotherAwards durch den FoeBuD e.V., den Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs, in den Kategorien Wirtschaft, Politik, Technik, Behörden und Verwaltung und Verbraucherschutz verliehen. Und wie immer wird der Großteil aller zugeben müssen, dass all das, was sie hörten, lasen oder lesen werden, hinter ihrem Rücken geschah oder wenigstens geplant worden ist. Soviel schonmal zum Thema Sicherheit. Es klingt ein wenig komisch, wie die Forderung des CCCs nach einem Verbot von Wahlcomputern, wenn gerade die Computermenschen der Welt erklären müssen, dass Computer und digitale Welt nicht für alles eine Lösung bieten. Aber gerade das muss man ihnen ja zu Gute halten.

    Ich selbst hatte nur einen absoluten Favoriten, der selbstredend auch den Preis in der Kategorie Politik gewonnen hat. Denn solche Leistungen wie die seinigen sind einfach zu würdigen. Zwar mit einem Preis, der ihn hoffentlich einmal zum Nachdenken bringt, aber das kann ja nur Gutes heißen. Die Rede ist von Dr. jur. Wolfgang Schäuble, unserem hoch gelobten und tief gefallenen Innenminister. Naja, eigentlich hat ja die gesamte Innenministerkonferenz den Preis bekommen, darüber wollen wir nicht so lapidar hinwegsehen, wie jene, die Sicherheit und Frieden immer noch für ein und dasselbe halten, über Sinn und Unsinn ihres Tuns.

    Weitere Preisträger sind unter Anderen der Landtag von Mecklenburg Vorpommern für lustige Abhörgeschichten, die Philips GmbH für den Schutz gegen Raubkopierer und die Kultusministerkonferenz für die grandiose Idee einer zwecklosen Schülerdatenbank frei nach den feuchtesten Träumen eines jeden Diktators oder jeder Oligarchie.

    Genaueres gibt es hier.

  • »Tschüss dann!« rief Thomas in die leere Wohnung hinein. »Bis in einem halben Tag!« Er wusste nicht recht, ob es ihn kümmern sollte, dass es stimmte, was er sagte. Man könnte genausogut gleich wieder pennen gehen, wenn man zu Hause ist, dachte er. Als er die Tür langsam hinter sich zuzog war es ihm, als schallte ihm eine Stimme hinterher: »Ich denke nur elf Stunden?« »Ja, nur elf. Die letzte Stunde verbuchen wir als früher Feierabend gemacht und freuen uns darüber.« brummte er. Mit einem blechernen Ratschen schnappte die Tür ins Schloss.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Allein was im Gedächtnis bleibt ist, was mit lautestem Getobe die größten Wunden gerissen oder die tiefsten Kerben gekittet hat.

  • Wikipedia: Jean AméryHeute vor 28 Jahren, am 17.10.1978, nahm sich der wohl aufgrund seiner Brachialität zu oft zu Unrecht vorschnell zum bloßen Misanthropen degradierte, große Essayist Jean Améry das Leben und beendete damit vorzeitig sein bedeutendes Schaffen.

    Schon früh durch faschistische Verfolgung, Folterung und Inhaftierung gezeichnet, prägte ebendies sein gesamtes Werk. Dabei sind es die reisserischen Titel seiner Bücher, die einem Blicke zwischen Mitleid und Furcht entgegen bringen, wenn man mit ihnen in der U-Bahn sitzt und den Schutzumschlag nicht wohlwissend zu Hause gelassen hat.

    Oft vergessen wird dabei aber, Essays wie Jenseits von Schuld und Sühne, Weiterleben, aber wie? oder Hand an sich legen auch offenherzig zu lesen und sie nicht von vornherein abzufertigen. Denn selbst wenn sich Dinge wie latente Verbitterung und teilweise Resignation nicht leugnen lassen, so ist es verblüffend, wie humanistisch und philanthropisch manche Absätze doch gemeint sind.

    [Einstehen für ein Recht auf eigens gewollten Tod als Form der Philanthropie, tolles Diskussionsthema]

    Es lohnt sich absolut, sich seine Texte und Gedanken zu Gemüte zu führen. Zumal der zwar durchaus komplexe Stil Améry sehr schön ausgearbeitet und zu lesen ist.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

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