Monatsarchiv Oktober

  • Robert Anton Wilson T-ShirtGestern habe ich schon darauf aufmerksam gemacht, dass es Robert Anton Wilson, einem der ganz großen Autoren unserer Zeit, insbesondere in bezug auf alles Psychonautische, Satirische, Hirnfickende und Konspirative, sehr schlecht geht. Es ist absehbar, dass sich seine, obwohl sehr gut bekämpfte, Polio jetzt endgültig an ihm zu rächen scheint. Er kann kaum sprechen, nicht laufen und zudem steht er auch noch ohne Geld für die Miete und Pflege da. Stand. Denn soeben las ich bei BoingBoing, auch wenn schon etwas verspätet, aber nicht zu spät, um diesem Mann die ihm gebührende Ehre zu erweisen, dass sich sein Freund Dennis erneut zu Wort gemeldet hat:

    Anyway, this morning Bob’s daughter showed up at his house in tears because she had checked his PayPal account and found money for next month’s rent plus more. Bob called me to say that he couldn’t believe people would care so much about him and as we talked (which isn’t easy for him at this point) he was overcome with emotion more than once. He is so touched and RELIEVED at the possibility of staying in his home. He kept repeating to me his deep felt appreciation and disbelief that people would care so much about him. What a humble and sweet man.

    Es freut mich sehr, dass wohl viele Leute Robert zeigen wollen, was er ihnen gegeben hat. Und so oft hier schon Tribute an Verstorbene verteilt wurden, um deren beendetes Leben es mir wirklich schade ist, so gut ist es ebenso, sich daran beteiligen und einem großen Geist einen schönen Lebensabend bereiten zu können.
    Für solche Momente kann man Menschen bewundern. Wie es ein Leser bei Douglas Rushkoff in den Kommentaren zum Ausdruck brachte: Amazing to see so many perfect strangers try to help.

    Zudem machte ein BoingBoing-Leser ein großzügiges Angebot:

    I don’t have a lot of money, but I do have a printing press, so I thought maybe I could help him out by selling some t-shirts and donating the proceeds. A friend of mine put together the linked design. Each shirt sold sends about $10 to RAW.”(mehr)

  • Robert Anton WilsonEin Morgen könnte besser beginnen, als gleich lesen zu müssen, dass der großartige Autor Robert Anton Wilson ernsthafte Probleme mit seinem Leben und dem guten alten Geld hat. Der Tag musste ja irgendwann kommen, aber trotzdem ist man geschockt, wenn es denn kommt.
    Mark Frauenfelder von BoingBoing schreibt heute:

    Robert is dying at his home from post polio syndrome. He has enough money for next months rent and after that, will be unable to pay. He cannot walk, has a hard time talking and swallowing, is extremely frail and needs full time care that is being provided by several friends-fans-volunteers and family. We appeal to you to help financially for the next few months to let him die at his home in peace.

    Zur Erinnerung und an alle, die mit diesem Namen nichts anfangen können. Robert Anton Wilson ist jener Autor der fantastischen Illuminatus!-Trilogie (mehr), den drei Teilen von Cosmic Trigger (1, 2, 3), dessen zweiter gerade erst vor kurzem in deutscher Version auf den Markt kam, der Trilogie um Schrödingers Katze (mehr) und vielen weiteren Büchern über Quantenmechanik, Konspirationstheorien, Philosophie, Diskordianismus, Drogen und Sex. Er ist ein alter Freund des bereits verstorbenen Tim Learys und hat sich ebenso aus Spaß als Kandidat zur Präsidentsschaftswahl aufstellen lassen. Man kann ihn getrost neben James Joyce, Aldous Huxley, William S. Burroughs, der gesamten Hipster-Szene und Aleister Crowley einordnen, denn er ist ein Schreiber, dessen Werke das eigene Denken wirklich komplett umkrempeln konnten. Er eröffnete nicht nur neue Sichtweisen, sondern versuchte in erster Linie den Leuten das Sehen an sich beizubringen.

    But right now, Bob is a human being in a rather painful fleshsuit, who needs our help. I refuse for the history books to say he died alone and destitute, for I want future generations to know we appreciated Robert Anton Wilson while he was alive.

    schreibt Douglas Rushkoff in einem sehr appellierenden Beitrag auf seiner Seite. Außerdem veröffentlichte er zudem die genauen Daten, an die man eine Spende zu richten hat.
    RAWs Freund Denis Berry fügt noch hinzu:

    Robert’s writing has enlightened-educated many and if you can please commit to help pay a portion of his expenses until his passing which sadly won’t be that long. Monthly contributions of $50.00 or more will be greatly appreciated.
    [...]
    Any donations can be made to Bob directly to the Paypal account
    olgaceline@gmail.com.
    You can also send a check payable to Robert Anton Wilson to
    Dennis Berry c/o Futique Trust
    P.O. Box 3561
    Santa Cruz, CA 95063.

  • Meine Mutter hatte immer gesagt, man müsse sich den Gegebenheiten in anderen Ländern anpassen, wenn man freundlich aufgenommen werden wolle. Der erste Schritt dahingehend war es immer, die typischen Begrüßungsfloskeln herauszufinden, zu lernen und anzuwenden. Sie hatte recht. Meine zwei Jahre im Ausland wollte ich ebenso verbringen. Englisch konnte ich, dachte ich zumindest. Doch was man damals in der Schule bescheinigt bekam, galt allenfalls für das eigene Land und den winzigen Schulkosmos, nicht aber für eine Gegend, in der man tagtäglich damit hantierte. Also ließ ich mich gleich am dritten Abend mit ein paar Nachbarn in einer örtlichen Kneipe irgendwo in der Pampa nieder.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Du stehst besonders früh auf, um das Fenster aufzusperren und in die kalte Luft ins Zimmer zu lassen. Fühlst dich gut, wie sie auf dem Boden entlang kriecht und sich um deinen Körper schlängelt. Aus deinem Mund kommen die ersten Wölkchen des Jahres. Und innerlich glühst du unter der Bettdecke, dicht an jemanden gelehnt, der dich festhalten würde, selbst wenn die Erde jetzt um neunzig Grad kippte.

    Ihr geht gemeinsam ans Fensterbrett und beobachtet den Nebel dort hinten, der heute nicht wie ein Grabtuch aussieht, sondern vielmehr wie ein Schleier zu einem ganz besonderen Anlass anmutet. Die Regentropfen sind keine Tränen mehr, sondern bloss Wasser, dass die letzten Tage rein wäscht und allen Schmutz irgendwohin tief in die Erde mit sich nimmt. Da bemerkst du, dass das Weiss des Himmels nicht von den Wolken, sondern von der dahinterliegenden Sonne kommt. “In Wirklichkeit sind sie blau, gelb, grün und rot.” konstatierst du genüsslich.

    über Nacht hat man die Fassade mit glitzernden Perlen besetzt, in denen sich das Schauspiel dreitausend Male spiegelt. Das beste Hemd ist nach dem ausgiebigen Bad heute gerade noch genug. Kuchen zum Frühstück und anstatt des Kaffees diesmal Tee. Auf dem Tisch lagen noch die zahllosen, aufgeschlagenen Bücher des letzten Abends, über denen du dir den Kopf zerbrachst. Jedoch mit der gleichen Güte, wie du den Früchten auf dem Brötchen danken möchtest, hast du sie jetzt wieder in den Schrank zurück gestellt.

    Nicht heute, da ihr auf den Schultern von Giganten aufgewacht seid. Auf euren eigenen spürt ihr nicht einmal mehr die Kleidung, die ihr tragt, sondern allein die Leichtigkeit, die Flüchtigkeit der Genugtuung. Vielleicht werdet ihr auch in dieser Nacht wieder das Fenster angeklappt lassen und hoffen, ihr könntet mit mehreren Atemzügen wenigstens für noch ein paar Stunden das Glück der Welt ganz für eich allein behalten.

    In Anlehnung an die Free Hugs Campaign und die Sick Puppies.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

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