Monatsarchiv November

  • Die Stadt roch ein wenig angekokelt. Ich machte beim Gehen mehrmals Halt, denn immer wieder wurde ich stutzig. Man hatte das Gefühl, man wäre in einen riesigen Haufen Scheisse getreten, der in einer glühenden Mittagssonne ein sattes Aroma entwickelt hätte. Auf dem Boden lag wie tot eine Schicht von dickem Rauch, grau und ausgestorben. Ich stapfte hindurch und summte Little Bird von Annie Lennox. Ich wusste nicht, woher ich es auf einmal wieder holte, aber es war da und ich konnte es so schnell nicht gegen etwas Anderes tauschen. Man merkt gar nicht, wieviel Schwermut in einem Text liegen kann, wenn er einenmit einhundertundzwanzig Schlägen pro Minute übers Pflaster hetzt.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • »So, Schluss jetzt mit der Tipperei!«, Peter hatte meine Tür aufgerissen und stand mit seiner riesigen Sporttasche da.
    »Was soll das?«, fragte ich.
    »Den ganzen Tag nur Klack-Klack, und dann beschwerst du dich, dass sowieso nur die Hälfte brauchbar ist.«
    »Ja, und?«
    »Ja nix und! Die andere Hälfte wird dann eben anderweitig genutzt. Und jetzt pack dir saubere Klamotten für morgen zusammen und komm mit.«
    Ich hatte keine Ahnung, was er von mir wollte. Ich war mit der Zeit schon Einiges gewohnt, aber er schaffte es scheinbar immer noch, seine Aktionen zu übertrumpfen. »Was willst du?«, fragte ich genervt.
    »Man, hörst du gar nicht mehr zu? Bundesliga, morgen. Und du kommst mit.«, er zog das mit so lang, dass ich mir echt verarscht vorkam.
    »Wer sagt das?«, hakte ich nach.
    »Na ich!«, rief er und machte mit der rechten Hand eine Faust, die er sich gründlich besah. »Brauchst doch gar nix zu machen. Nur mitkommen.«
    Ich konnte es nicht ausstehen, wenn es so Schlag auf Schlag ging. Aber so war Peter. Und in gewisser Hinsicht war es ganz praktisch gewesen. Der alte Seesack, in dem ich immer meine Dreckwäsche gelagert hatte, bis ich mich bequemen konnte, zum Waschsalon zu gehen, musste für die paar Klamotten reichen.
    »Ich kauf dir unterwegs an der Tanke auch Stift und Papier.«, lachte er, als er schon einmal vorgegangen war.

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  • Alle Theorie scheint letzten Endes doch in Komplizenschaft mit der der Verzweiflung zu stehen.

    Die Gewissheit des Todes ist keineswegs deprimierend. Sie wirkt allein deprimierend, wenn man sich ihr ein Leben lang entzieht. Wenn man nicht akzeptieren kann. Wenn man glauben muss. Endlichkeit - Erlösung in zweierlei Hinsicht. Die allzu oft in menschlichen Versprechen übergangen wird.

    Tolstoi - es vergeht kein Winter, da ich nicht ständig an ihn denken muss. Das Erkennen der eigenen Zufälligkeit und Unbestimmtheit wird mit jedem Lebensjahr nur umso tragischer, aber umso süßer, wenn man seine Losgelöstheit zu wahren weiß.

  • Zuschauer. Wir sind Zuschauer, die wegschalten. Und mittendrin gibt es immer wieder Einige, die sich all das zunutze zu machen wissen. Aber wir sehen es nicht.

    Die uns gegebene Zeit steht leer vor uns. Und wir können sie füllen, wenn wir nur wollen. Wir können sie mit allem füllen, was wir wollen. Niemand kann uns etwas vorschreiben. Aber mit einer Hand streichen wir immer an dieser Mauer aus Sozialisation und gewohnter Norm entlang. Und jedes Mal, wenn wir glauben den Halt zu verlieren, an ein Ende zu kommen, war es nur der Gewohnheit gewordene Druck von außen, der langsam auch nach innen übergeht. Unser Leben, eine Suche nach der ruhebringenden Lücke.

    Morgen.

  • Wikipedia: Leo Tolstoi

    Er soll nicht vergessen werden, auch wenn sein Todestag schon ein paar Tage zurück liegt. Am 20.11.1910 starb Lew Nikolajewitsch Tolstoi, besser bekannt als Leo Tolstoi.
    In eine Zeit geboren, in der man vor öffentlicher Einteilung der Gesellschaft noch weniger zurückschreckte als heute, gab er der Welt eine Reihe großartiger, wenn auch sehr schwerer Romane und Geschichten. Ich wüsste nicht, womit man die Lücke füllen würde, die ein Entbehren der russischen Literatur mit sich brächte. Allein die Anstrengung, monumentale, historische Romane zu schreiben, scheint mittlerweile fast völlig ausgestorben. Was Tolstoi so besonders macht, ist seine zutiefst humanistische Ader, die ihn zuerst zu einer großen Hinwendung zu den untersten Schichten seines Land und in seinen späteren Jahre sogar soweit bringt, sich gegen sich selbst zu wenden.

    Wikipedia: Aldous Huxley

    Ebensowenig soll dieser Herr vergessen werden. Aldous Huxley, gestorben am 22.11.1963.
    Einer der klassischen Schriftsteller, die das Leben der Beat-Autoren schon in einer Generation zuvor vorgelebt haben. Einer der Menschen, die ihren Weg konsequent und früh gegangen sind. Wahrscheinlich am bekanntesten für seine Schöne neue Welt, jene Dystopie, die neben Orwells 1984 und Bradburys Fahrenheit 451 wohl zu den geschätztesten Dystopien gehört.

    Gleichsam ist er sicher für die Pforten der Wahrnehmung und andere Bücher, vorallendingen aber für seine Drogenexperimente weit zu wenig beachtet.
    Lassen wir es dabei bewenden und schwören uns, neben der Schönen neuen Welt auch immer das Eiland zu lesen.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling, Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und Teil des Team Totale Zerstörung, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute:
Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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