The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Bitte beachten:
Die Geschichten von Zahnärzten und Kieferchirugen häufen sich. Wie auch 500Beine ergeht es unseren Helden.
Dies ist der zweite Teil einer kleinen Trilogie über nette Erlebnisse bei einem Kieferchirugen. Hier findest du noch einmal Links zu allen Teilen:- Erster Teil
- Zweiter Teil
- Dritter Teil
Die Zeit dehnte sich ins schier Unendliche. Durch ein kleines Dachfenster am anderen Ende kam ein wenig Tageslicht ins Zimmer, das sich mit dem weißen Licht zweier Leuchtstoffröhren vermischte. Die Tür stand ein Stück weit offen, sodass sie immer wieder Schwestern und grinsende Ärzte vorbeilaufen sehen konnte. Am gegenüberliegenden Zimmer stand in fetten Lettern Anästhesie. Und jene jungen Frauen, die dort eifrig Operationsbestecke wuschen, trockneten und wieder desinfizierten, oder was auch immer sie darin taten, unterhielten sich beiläufig über ihre verflossenen Freunde.
«Ick sare dir, der war jarnischt. Konnste voll knicken den Idiot, ey. Nix druff jehabt. Nichma ins Bette.», debattierten sie fachkundig vor sich hin.
Aber als Tina eine Weile zugehört und ab und an das Klimpern von Skalpellen auf dem Boden, gefolgt von dem obligatorischen «Ach, Kacke!», vernommen hatte, war sie sich schon längst nicht mehr so sicher, ob die Damen beiläufig erzählten, oder beiläufig die Instrumente reinigten.
Manche machten kurz Halt, schielten ins Zimmer, verzogen den Mund zu einem gespielten Lächeln und gingen dann schweigend weiter.Ein paar Mal holte sie aus, schreckte aber dann doch wieder zurück, da ein paar junge Frauen durch den Gang getrampelt kamen, aber irgendwann war es ihr vollends egal. Sie griff nach dem Tablett auf der Ablage und inspizierte alle Gegenstände darauf. Die unterschriebene Einverständniserklärung, besagter Spiegel und Kanülen. Alles mäßig interessant, aber eine willkommene Ablenkung. Das machen die mit Absicht, dachte sie, um die Patienten wahnsinnig zu machen. Ihre Hände waren mittlerweile klatschnass vom Schweiß.
Sie hatte gerade alles an seinen Platz zurück gelegt, da sprang die Tür auf und ein junger Arzt, sie schätzte ihn auf Anfang 30, gefolgt von einer in blau eingepackten Frau, betrat das kleine Zimmer. Er hatte kurze, schwarze Haare und ohne seinen 3-Tage-Bart hätte man ihn beim Schätzen noch ein ganzes Stück weiter unterhalb der 30 unterbringen wollen. Lang jedenfalls konnte er noch nicht praktizieren. Außer er ist einer der kleinen Jungen, die mit 8 Jahren Abitur machen, um mit 14 dreifach zu promovieren, schloss sie insgeheim.
Sie wusste nicht, ob sie sich darüber freuen sollte, dass es jetzt los ging, denn jetzt würde der Ärger erst richtig beginnen. Die Schwester breitete eine ganze Hand voll Spritzen auf dem Tablett aus und ließ sie vom Arzt inspizieren.
«Die da!», sagte er nach einem kritischen Blick und strahlte Tina entgegen.
Ich möchte ein \textit{R} kaufen, dachte sie und schluckte.
«Die dicke. Und die daneben.»
Seine Zähne waren absolut vorbildlich.
Wahrscheinlich ist das Prüfungsvoraussetzung, dachte sie und grinste unbewusst zurück.Fast hatte sie vergessen, was dieser junge Arzt eigentlich gesagt hatte. Der gellende Schmerz jedoch, unter dem sich ihr Kopf zitternd ganz langsam nach links absenkte, holte jedoch alle Einsicht mit einem Schlag zurück.
«Oh, das war ein Nerv.», erklärte er desinteressiert und ging sogleich dazu über, die Kanüle an anderer Stelle erneut, bedenklich nahe am Kieferknochen entlang, ins Zahnfleisch zu jagen.
Eins, zwei, drei, zählte Tina, und kam bis zur Acht, ehe man sich wieder nach ihrem Befinden erkundigte:
«Geht’s gut?»
Sie nickte, obwohl sie wusste, dass es halb gelogen war. Das innere Knirschen, das sie bei jedem Einstich gehört hatte, hatte ihr mehr weh getan als die Stiche selbst. Als risse man seine eklig langen Fingernägel an einer Tafel entlang.
«Dann kommt jetzt die letzte!», rief der Arzt und sie fragte sich, was ihr für eine Bedeutung zukäme, sodass er sie extra erwähnen musste. Die Vorfreude auf das baldige Ende, dachte sie, würde die Aufmerksamkeit auf die Sache nur noch vergrößern.
Mit einem Mal aber bog sich ihr Rückgrat wie ein gespannter Bogen ganz von allein nach innen, das Zittern ihres Kopfes kehrte wie ein alter Freund zurück. Sie fühlte sich, als hätte sie den rechten Haken eines Preisboxers in Empfang genommen und versuchte, den Einstichsort zu lokalisieren. Mitten in ihrem Gaumen spürte sie die kleine Nadel, direkt auf dem Knochen liegend, und wie sich aus ihrer winzigen Äffnung das Narkosemittel unter der Haut entlang quetschte.Wieder musste sie warten und Tinas erste Befürchtung, man würde die Patienten auf diese Art und Weise wahnsinnig machen wollen, ergänzt sie um den Wunsch, sie auch noch hörig zu machen. Das Narkotikum bekam ihr ganz und gar nicht. Bald blitzten erste, orangene bis rote Buchstabenfetzen vor ihren Augen auf. Die kleine Ablage an der Wand verlor ihre Statik und floss die Wand hinunter, während sich das Muster des Linoleumbodens in sich selbst verdrehte und pulsierte.
Ihr Kopf begann zu pochen, als hätte sie eine komplett durchzechte Woche hinter sich und fiel rücklings auf die gepolsterte Stützte des Stuhls.
«Das kannste verdammt nochma knicken!», hörte sie jemanden rufen, aber jede Silbe hatte eine eigene Lautstärke bekommen.
So fühlt es sich also an, wenn man den Verstand verliert, dachte sie und drehte ihren Kopf auf die betäubte Seite, in der Hoffnung, es würde die tonnenschwere Last, die sie an sich kleben spürte, merklich erleichtern. Dann schon klappten ihre Lider zu, wie die Schotten eines fliehenden Schiffes. Immer tiefer nach hinten zu fallen glaubte sie, als die ersten blutverschmierten Männer vor ihrem inneren Augen entlang liefen und ihr zuwinkten. Etage um Etage ging es einer endlosen Leere entgegen. Plötzlich stand sie wieder in jenem langen Gang, über den man die vielen Behandlungszimmer hatte erreichen können. Die Betäubung schien verschwunden. Sie überprüfte mit der Zunge ihren Gaumen entlang, alles in bester Ordnung, sogar das Gefühl war wieder zurückgekehrt. Langsam tastete sie sich vorwärts, um nicht gleich wieder die Balance zu verlieren. Die kleine Rezeption rückte näher und drei der Schwestern, die in irgendwelchen Akten wühlten, grinsten sie an. Tina nahm sich vor, ganz einfach wieder aus der Praxis zu spazieren und es darauf ankommen zu lassen.
Sollen sie doch ruhig schief wachsen. Hierhin gehe ich erst, wenn ich eine Vollnarkose bekommen, dachte sie trotzig.
Aber noch ehe sie wirklich an den Aktenschränken, Tischen und Computern vorbeigekommen war, war der Schwindel wieder da. Ganze Bäche von Wasser liefen aus ihren Fingern und mit den Beinen versank sie ganz behutsam in einem kleinen Meer.
Scheiße, dachte sie und fiel wieder, diesmal kopfüber, mitten durch das Wasser.
Sie kam wieder zu sich. Keinen Zentimeter war sie vorangekommen. Noch immer brannte das grelle Licht in ihren Augen, Achseln und Stirn waren schweißgetränkt. Ein Kontrollblick auf das T-Shirt, denn sie befürchtete, man würde ihr die Furcht schon in Form von dunklen Flecken ansehen können.
Erst einmal beruhigen, redete sie sich in Gedanken zu, eine stinknormale Reaktion auf ein ordentliches Narkotikum, und musste lachen. Für eine Psychologiestudentin ist das ein Schlüsselerlebnis, dachte sie.
Unheimlich viel Zeit musste vergangen sein, seit man sie wieder allein zurückgelassen hatte, doch sie trug, wie so oft, keine Uhr, mit der sie es hätte überprüfen können.Da sprang die Tür auf und eine weitere Uniformierte Helferin, die in ihrem übergroßen Overall wie eine Möchtegernastronautin aussah, betrat den Raum.
«Wenn Sie dann bitte mitkommen?»
Höflichkeitsformen, dachte Tina, eine Aufforderung ist auch viel zu einfach auszusprechen.
Sie rückte sich in die Aufrechte und ließ sich schwungvoll mit den Füßen auf den Boden fallen. Das Laufen gestaltete sich erstaunlich einfach, obwohl sich ihre gesamte rechte Gesichts- und Gehirnhälfte taub und nutzlos vorkamen.Es ging ein paar Zimmer weiter, ehe man ihr eine weitere Tür öffnete. Dieser Raum sah schon weitaus beängstigender aus, befand sie, als sie die lange Reihe der bereitgelegten Instrumente musterte. Von der Decke ragte eine der riesigen, an einem mehrmals verwinkelten Arm hängenden, OP-Lampen, an jeder Wand hing ein transparenter Spender, gefüllt mit blauem Desinfektionsmittel, gleich gegenüber der Türe rieb sich eine OP-Schwester die behandschuhten Hände.
«Setzen Sie sich, setzen Sie sich.», sagte sie freundlich.
Tina nahm Platz und es gab wieder jenes Knatschen, als wenn man einen Kaugummi genüsslich zwischen den Backenzähnen hin und her drücken würde.
«Der Doktor kommt dann gleich.» Sie ratterte ein letztes Mal alle Eventualitäten durch und warf immer wieder mit ein, dass es ja gar nicht so schlimm wäre, und: «Haben Sie denn nun noch eine Frage?»
Tina überlegte, aber mit gefühlt nur einer intakten Hirnhälfte fiel ihr keine der vielen Fragen mehr ein, die sie sonst zu jedem beliebigen Zeitpunkt jeden Arzt am liebsten schon immer einmal gefragt hätte. Sie alle schienen auf der falschen Seite gespeichert worden zu sein. Aber die entstandene, peinliche Ruhe zwischen ihr und der anderen Frau, die in ihrem Anzug wie eine Schauspielerin aus einem der vielen Katasthrophenfilme aussah, zwang sie förmlich dazu, sich irgendeine x-beliebige Frage aus den Fingern zu saugen.
«Ist das denn ein schlimmer Eingriff, oder ganz normal?», hob Tina an und musste mehrmals kleine Kunstpausen einschieben, da ihre Zunge längst nicht mehr so wollte, wie sie.
«Also zwei Zähne herauszuschneiden, die noch nicht durchs Zahnfleisch gebrochen, aber ein bisschen verdreht sind, ist kein Problem. Wir haben noch viel Übleres. Warum?», erklärte die Vermummte.
«Ich finde das hier mittlerweile sehr schlimm.», sagte sie und versuchte, so gut es eben noch ging, zu lächeln.
«Sie bekommen ein Tuch über ihr Gesicht gelegt, machen Sie einfach die Augen zu. Das wird schon.», versuchte die Schwester sie zu beruhigen und streichelte mit einem Arm langsam Tinas Kopf.Sie wurde tatsächlich ruhiger. Und genau in diesem Moment wusste sie auch wieder, weshalb es keine Brüder in den Arztpraxen gab und fragte sich gleichzeitig, ob es bei Homosexuellen vielleicht eine Ausnahme wert sei. Sei es nur, um auch den Frauen einmal etwas zu gönnen.
Nur eine Frage beunruhigte sie immer noch, seit sie eine halbe Ewigkeit in diesem winzigen Folterkämmerchen hatte zubringen müssen:
«Wie lang hält so eine Narkose?», sie fühlte ihre Zunge ungelenk durch ihren Mund stolpern.
«Drei, vier Stunden.», sagte die Schwester und Tina glaubte, ein gutmütiges Lächeln unter ihrem Mundschutz erkennen zu können, dass sie mit weiterem Streicheln ihrer schönen, schwarzen Haare, unterstrich.«Dann wollen wir mal!», rief der Arzt, als man ihr gerade das schwere, grüne Tuch, in dem nur jeweils ein Loch für Nase und Mund vorhanden war, über ihr Gesicht legte und anfing, mit den Messern und Sonden zu klimpern.
«Das dürfte eigentlich nicht weh tun. Wenn doch, dann bitte schreien oder Hand heben, aber bitte möglichst nicht zucken oder sich mit der Zunge wehren, denn das könnte schlecht ausgehen.», bat er sie, während er ihr eine sperrige Klammer in den Mund schob, durch die sie nichts mehr als Laute hervorzubringen in der Lage war.
«Aber drücken könnte es. Dagegen können wir leider nichts machen.»
Eine Vollnarkose, flehte Tina innerlich.












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