Monatsarchiv Mai
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Sind wir jetzt eigentlich schon reaktionär?
Kettcar - Alles vorstellen (Keine Guillotine weit und breit)
Und vielleicht ist das die Geißel unserer selbst: sich ewig nur schäbig vorzukommen.
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1. «Morgens schon über den Markt schlendern, sich von offensichtlich nicht von hier stammenden Leuten Klamotten zeigen lassen und sich nebenbei über die ganzen Kanacken beschweren.»
2. «Das ist so, als würde man öffentlich gestehen müssen, all seine Leistung nur auf Basis irgendwelcher Chemie erbracht zu haben und dabei in Tränen auszubrechen.»
1. «Weil man die eigene Vertracktheit nicht länger erträgt …»
2. «Quatsch! Weil man sich in den Arsch beißt. So lang lief’s so gut.»
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Vor einer guten Ewigkeit noch begannen wir unsere Sommer mit dem alljährlichen Ritual. Irgendwo zwischen den heißen Nachmittagen im wiedereröffneten Freibad, dem Herumlungern auf den Wiesen und ausgedehnten Streifzügen durch die angrenzenden Wälder beschlossen wir, dass es diese 5 Monate sein würden, die unser Leben verändern. Es sollte etwas ganz Großes werden, dass es bis dato noch nicht gegeben hatte. Wir wollten weg von den aufgeschürften Knien und Ellenbogen, den Schmerzen von brennenden und nässenden Wunden, die nur sehr langsam heilten und erst dann wieder von einer neuen Hautschicht verdeckt waren, wenn draußen schon wieder die bunten Blätter auf den Straßen turnten. Und wir lechzten nach den Geschichten von übereiferten Parties in den Sandgruben und den verbotenen Massenaufläufen mitten im Stadtzentrum, von denen es hieß, dass bei ihnen die ein oder andere Tüte kursierte und dass sie grundsätzlich erst dann zu Ende gingen, wenn die Polizei sie auflöste.
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Barrikadenstimmung
Geruch von Schwefel und Glycerin in der Nase
Oberteil an der gespiltterten Tür zerrissen
und quer über Front des Hauses unser Motto gepinselt
«Wonach wir suchen»
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Mittagessen auf dem Dach
festgestellt, dass genau das echtes Leben ist
und Abwasch mit Licht in der Spüle
vielleicht auch nur Blumen gegossen
nicht verloren gewesen
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Beim Tee darauf gewartet
mein persönlicher Weltuntergang
größte Nicht-Enttäuschung des Tages
an ihren Kopf gelehnt
und gemeinsam den Sonnenuntergang gefunden
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Fast kam ich mir wie ein Bohémien vor. Die zwei Cappuccini, mehrere Luckies, ein aufgeschlagenes Notizbuch nebst einem dunklen Stift, der den vorbeigehenden Leuten eine gewisse Tüchtigkeit vermitteln sollte. Dazu noch eine Zigarettenspitze, ein feiner, spitzer Bart, eine Jacke aus Tweet und ich hätte versucht, den Nachmittag irgendwo in Montmartre, abseits der Touristenscharen, herumzubringen.
Und wirklich, ich hätte nichts dagegen gehabt. Für diesen Tag war es schon Vorbote genug, wieder auf der Terrasse des Cafés zu sitzen und wieder darauf zu warten, eine Idee zu haben. Aber alles, was mir unter kam, war eine schreckliche Nacht nach der anderen. Stickige, viel zu heiße und vorallem schlaflose Nächte in kleinen Zimmern mit hölzernen Fensterläden.













