Monatsarchiv September

  • Sollte ich mir Sorgen machen? Dass es ein Leben lang immerzu heute ist, kann durchaus frustrierend wirken, wenn man versucht, sich Zeitformen in den Kopf zu hämmern. Dass vor jedem heute ein gestern liegt, nur nicht vor dem ersten und hinter jedem ein morgen, außer hinter dem letzten. Nein, um mit Zeitformen zu spielen, lohnt es nicht, die Gefangenschaft in der Gegenwart gedanklich zu umkreisen.

  • Aufzusteigen. Auferstehen.

  • Dass die Tage kürzer werden und der Himmel immer dunkler, ist wahrscheinlich meine Schuld. Ich habe mich explodieren lassen, mit der Wucht des Knalls die Erde in bisschen auf ihrer Umlaufbahn entlang schlittern lassen und mit dem Rauch Herbst gemacht. Die fallenden Blätter stammen vom Kohlenmonooxid in der Luft.

    Zuerst hatte ich überlegt, einmal Wetterfrosch zu werden, diesen Plan aber bald wieder verworfen bei der Aussicht, mein Leben in einem Einweckglas aus Omas Zeiten zu verbringen. Da strebte ich eine Karriere in der ARD an. Als Kachelmann. Nur war der Posten schon vergeben. Da fragt man sich, was Neil Armstrong getan hätte, wenn die NASA schon einen Neil gehabt hätte.

    Wahrscheinlich hätte er es drauf ankommen lassen. Wäre alleine zum Mond geflogen. Auf eigene Faust. Und genau deshalb habe ich auch das Wetter gemacht. Mit einer komischen Einlage als Krähn, oder wie dieses Tier heißt, Gockel oder Hahn, zuerst die Nachbarschaft kurz vor dem Zubettgehen wieder aufgeweckt, gezündet und es Herbst werden lassen.

    Dann kam die Polizei. Doch die grün-braun gekleideten Leute, von denen die besser Bezahlten mittlerweile in hübscher Hardlinermontur umherpilgern, wollten nichts von meiner Karrieremisere wissen. Ich entschuldigte mich sogar beim Staatsanwalt. Der aber sagte, dass sei schon immer so. Mit dem Herbst. Genau wie mit dem Kachelmann. Der sei ja auch schon immer da.

    Da könne ich auch nichts dran ändern. Abgekatertes Wetterspiel. Trotzdem habe ich schließlich die Nacht auf dem Revier verbringen dürfen, um die letzten Brandungen der Aussicht einer Zukunft in barer Verzweiflung zumindest in hard gelineter Gesellschaft überstehen zu können.

  • Momente, dahinzugehen, wie das Abendrot. Godspeed You! Black Emperor. Das Reißen der Geigen an der Seelenruhe, die ohnehin schon seit jeher nur ein allzu dünner und fest gespannter Faden ist. Alles, was dieses Rasen beschreibt, das unendliche Treiben, sich davonzustehlen und nur das Beste zurückzulassen, währenddessen man vollkommen einfriert.

    Getrieben vom Schlagzeug, den immerfort vibrierenden Snare drums, so wie es eben auch immer weitergehen wird. Mit der perfekten Vorahnung und der marternden Gewissheit ob des Vergangenen, den immer gleichen Weg zu gehen. Ihn vielleicht nur nicht allein zu beschreiten und dem Ganzen so etwas Licht abringen zu können.

    Wie der Schrecken Einzug ins Gesicht seiner Freundin hielt, als er ihr heimlich steckte, des Öfteren beim Autofahren vom Verlangen gepackt zu werden.
    „Und jetzt die Kurve einfach mal nicht nehmen!“
    All die kleinen Schatten. Längst überkommen. Wie alle lachten.

    Mit durchgedrücktem Rückrat den Abend bestreiten wie eine Vogelscheuche, aufrecht und doch längst schon wieder gebeugt. Wenn der Tag mit einer Sekunde zu Ende ist. Ein Schuss durch die Nacht und um die Welt zu sein, von allen erhöhrt. Bis sich die Füße wohlig wärmen und alles eine neue Färbung erhält. Mit einem Mal vermisst man sie alle. Du bist wieder da.

  • Sieht ziemlich unglaubwürdig aus, wenn man den fünfhundersten Beitrag gedanklich gar nicht registriert und dann versucht, nochmal darauf aufmerksam zu machen, oder?

    Warum dann trotzdem? Fünfhundertzwei ist größer.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling, Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und Teil des Team Totale Zerstörung, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute:
Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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