Monatsarchiv September

  • Wäre er eine S-Bahn, würde man ihn womöglich spätestens nach dem ersten Wochenende von erfahrenen Schweißern wieder in seine stählernen Einzelteile zerlegen lassen. Nach der ersten fetten Entgleisung.

    Wenn er es übertreibt. Wenn er mit hundertfünfzig durch die Stadt und aus ihr heraus rasen muss. Wenn er dabei die Kontrolle verliert. Links und rechts Lack auf den Leitplanken lässt. Der Beifahrer, ohne das Ratschen zu realisieren, seelenruhig eine Kippe dreht. Bis keine Leitplanken mehr da sind. Die Vorderachse bricht. Und die Kiste nach oben wegbricht. Den Bäumen am Straßenrand entgegen fliegt. An einer dicken Eiche hängen bleibt. Auf der Straße nicht einmal Bremsspuren zurück bleiben.

    Dann fühlt es sich für ihn nicht schlimm an, zu sterben. Nicht bemerkenswert. Eher ist es ein wenig enttäuschend. Keine am inneren Auge vorbeiziehenden Filme. Keine weltbewegenden Abschiedsworte. Keine dunkelhaarige Schönheit in wehendem Kleid und kein Licht. Nur bloßes Abwarten. Ein Schlussstrich. Im scheißkalten Dunkeln. Warten, dass das Sterben vorbei geht. Den bunten Bildern zuschauend. Benebelt vom Adrenalin.

    Viel zu schnell, das alles. Die Broschüren lügen. Nicht einmal mit dieser Geschwindigkeit ist es die Lenksäule, die ihn umbringt, sondern der Airbag, der ihm mit säuerlichem Knacken das Genick zerbricht. Wie der Schmerz Gedanken und Körper zu trennen weiß. Wie er versucht, was er aus den ganzen Filmen gelernt hat, irgendetwas Geiles aus der Situation zu machen. Vielleicht einen Witz zu reißen. Aber. Nichts passiert. Dunkel wird es. Schluss.

  • “Die hat mir ‘nen guten Neustart gewünscht… Ich kam mir vor wie’n abgeschmiertes Windows. Mit Bluescreen. Kurz vorm Reset-Drücken. Wenn ich dann wieder Verbindung zum Leben bekomme, fang ich bestimmt an zu piepen wie so’n Modem. Wenn nicht — alles umsonst wie Freibier.”

    Alf Ammoniak

  • Wenn Wittgenstein in seinen Tagebüchern schreibt, dass die “Furcht vor dem Tode [...] das beste Zeichen eines falschen, d.h. schlechten Lebens” sei, dann ist die Furcht vor dem Leben, dem menschlichen und Lebendigen, nur ein unablässiges Kennzeichen dafür, dass man schon längst gestorben, nur noch nicht tot ist.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

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