Monatsarchiv März
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Wie mich die Gesellschaft als Punching-Ball missbraucht
Man sollte nicht nachts um 1 Uhr noch auf die Idee kommen, zwei Kannen Kaffee trinken, das wissen Steffen und ich spätestens jetzt ganz genau, da wir nach der Lesung in dem kleinen Backstagekabuff sitzen und gegen die Müdigkeit ankämpfen. Wie wir den Slam am Abend überstehen sollen steht in den Sternen.
«Wollen wir uns noch ein wenig die Messe angucken?», frage ich.
«Ja.», sagt Steffen.
Ohne jede Bewegung bleiben wir sitzen.
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Wie erloschene Blindgänger
starren die Bäume gen Himmel,
tentakelnd traurige Tiere
ergehen sich auf den Wegen,
unter den tief hängenden Ästen.Wie geleert ich im Grün liege,
ausgedorrt, entseelt und
fragend, wo Weißrussland ist.
Und ohne Antwort weiter,
weiter fragend liegen bleibe.Wie ich dich sehen möchte,
in geblühmtem Kleid
und Himmelblau im Rücken,
mit Wind unter den Armen,
auf gepunkteten Wiesen.Wie nervös und aufgeregt
will ich den Zug beim
Einfahren und Halten hören,
dich aussteigen und laufen sehen,
geschwängert von guter Zeit.Um dann rücklings im Gras
deinen Duft flattern spüren
unter jenem Himmel,
der doch für alle gleich ist —
in Weißrussland und hier.
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Vielleicht muss man ganz zwangsläufig von vielen irgendwann enttäuscht werden. Vielleicht ist dies ein Fakt, mit dem man sich arrangieren, den man akzeptieren muss. Vielleicht. Und natürlich gibt es Ausnahmen. Ausnahmen, die aber nicht umsonst Ausnahme heißen und eben nicht Regel sind. Darum, dass sie sich abheben von dem ganzen Rest, bei dem es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich feinstes Verletzen zu großer Enttäuschung kulmuliert.
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da sind sie
den ganzen tag unterwegs und leben und
planen und beben und
wagen und streben und
reden und reden und reden und
sagen nichtsrennen kilometerweit auf dem stepper
obwohl sie nur auf der stelle tretenfotographieren sich vorm eiffelturm
nur dass es nicht ums dagewesen sein geht
sich vielmehr ums dasein drehtwechseln die stimmung nach bedarf
es noch etwas anderem?denken ist so 2008
das mach ich jetzt auchwarum es nicht alles so einfach sein kann
warum es nicht alles so einfach sein kann
warum es nicht alles so einfach sein kann
sondern anstrengend bleiben musszu lächeln und
gleichzeitig
da zu sein
zukünftig
da zu bleibenvergänglich
besonders zu sein
im nachhineinich schenke mir eine portion selbst
mitleidig blicke ich an mir herab
wertendschwer, aber nichtsdestotrotzköpfig lose
von der welt, weit ab und hoch darüber
bleibt es schwer und
schön, den horizont zu sehenverrückte lichter tanzen dort
durch meine trüben augen fortdeine augen
diese tiefen mariannengrabenaugen
in die ich mich zu stürzen liebenicht für den fick
nicht für den kussich will — urknall
gewöhne mir die traurigkeit nicht länger
anwesend sein
das ist sie
es
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Schau dich mal um:
Wo ist hier denn noch Platz für Gedanken,
für Dinge, die nicht an Alltäglichkeit kranken,
dem Aufoktroyierten, dem Rückprojezierten,
dem defizil, ewiglich gleich Aufgeführten?Vielleicht ist es bloß gedankenverlorene Präsentationsperversion
in StudiVZ, StudiKZ und jedem anderem Facebook-Klon…
Da heißt es Profilpimpen, sich ein kuscheliges Domizil einrichten,
Mit Myspace, my house und my face, die sich bei Google verdichten,
Auf dessen Kompetenz Personaler nicht länger verzichten,
Wenn sie mit Hilfe der Bong-Bildsuche deine Bewerbung vernichten.Genau!
Die Welt dreht sich
und man versteht sich
heute eher platonisch und lakonisch
werden abstruse Gespräche geführt:
Jo, lol, fjn! Me2, hdl, peace out, Bro! –
In Kommentarfunktion zu Tränen gerührt,
*grins* das machen ja auch die Anderen so.Was wollt ihr denn aber hören?
Wollt ihr hören, wie ich mich beschwere über hehre, verquere oder über prekäre Situationen, Stationen der inhaltsleeren Lehre unseres — Konsumverhaltens? Oder halb philosophisch, wie ich mich aufschwinge, hoch über die Dinge, die Dinge die dringlich dinglich dein und mein Leben bedienen und von oben herab lästere ich ab über die Vertracktheit der heillosen Scheinheiligtkeit. Wollt ihr, dass ich mich verbiege, euch kriechend brav zu Füßen liege und davon erzähle, wie ich mich, mehr schlecht als recht, durchs Leben quäle, oder von Feiern und reiern und Partybarbys, oder den Rebellen spiele, mich im Verprellen übe, alles aufs Korn nehme, dass ich euch anlüge und ablehne?
Was wollt ihr denn hören?
Wisst ihr es überhaupt?
Denn genau wenn nicht, ist es auch egal, was ihr hören wollt,
wenn ihr eh nur bekommt, was ihr hören sollt
und daraus bloß ableitet, was ihr eben hören wollt,
von mir und all den Anderen hier!
Denn was sie wollen ist nicht prompt,
worauf man beim Bier an der Tür mit der Kippe kommt:
Fett altah, jo, war geil! Fett, fett, fett, fett, fett altah!Das ist doch Scheiße.











