The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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“Nichtmal Vitamine oder Mineralien?” will K*. wissen. Sein Blick verrät in einer Weise schon, dass für sich selbst verteidigen will, wenn er mir so offensiv bei seiner Frage in die Augen blickt. Natürlich nehme ich keine Tabletten, und Vitamine/Mineralien nehme ich hoffentlich mit der Nahrung auf, aber ich hätte wissen sollen, dass das heute kein Normalfall mehr ist.
Wer heute etwas auf sich oder seinen Namen hält, der nimmt mindestens irgendeine dieser bunten Brausetabletten, die den fünfunddreißigfachen Tagesbedarf allermöglichen Vitamine, auch den der erfundenen, zu decken versprechen. Jene Oberliga dieser Menschen spielt aber nicht mehr mit solch minderwertigem Zeug, sie haben die neuen In-Drogen dieser entdeckt: Psychopharmaka, Neuroleptika und Tranquilizer.
Viele Bücher, die heute herauskommen sind morgen schon wieder vergessen, meist altbacken und nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Weiterhin gibt es die Bestseller, über deren künstlerischen Wert wir lieber in den meisten Fällen nicht sprechen, dann die Bücher, die man zur Literatur zählt und solche, die mit jedem Tag, den sie auf dem Markt verbringen, aktueller werden. Als mir heute Das Ende des Menschen von Francis Fukuyama, das ich irgendwann letztes Jahr gelesen habe, einmal öfter in die Hände fiel und ich etwas darin las, musst ich erschreckt feststellen, dass dieses Buch unbedingt zu den zuletzt aufgeführten Büchern zählt. Was Fukuyama über die Biotechnologie schreibt möchte ich für heute außen vor lassen, aber seine Worte zu Drogen wie Prozac, Ritalin, Thorazine, Zoloft, Trevilor usf. sind nicht nur vollends zutreffend, sondern zudem allzu brachiale Realität geworden, bzw. die Realität ist gerade dabei, das Buch Stück auf Stück einzuholen.
Manch einer wird sich fragen: “Drogen? Was schreibt er von Drogen, welche meint er denn?” Jenen aber kann ich nur sagen, dass sie entweder etwas Wichtiges verpasst haben, weil sie a) keine Notiz davon nahmen oder b) selbst Teil davon geworden sind, oder bei ihnen einfach schon alles zu spät ist. Der Fakt, dass es Prozac/Fluctine (jetzt nicht mehr) und seine Gefährten auf Rezept vom Arzt verschrieben zu erhalten gibt, legitimiert noch lange nicht, diesen Produkten ihre Gefährlich und den Oberbegriff Droge abzusprechen. Fukuyama schreibt im dritten Kapitel des ersten Teils, das die überschrift “Neuopharmakologie und Vehrhaltenskontrolle” trägt, Folgendes:
“[...] denn Prozac beeinflusst die wichtigste politische Emotion: das Selbstwertgefühl. [...] Würden Cäsar und Napoleon noch den Drang verspürt haben, den größten Teil Europas zu erobern, wenn sie in der Lage gewesen wären, ab und zu eine Prozac-Pille zu schlucken? Wie wäre die Geschichte dann verlaufen?”
und einen Absatz später:
“Die Existenz von Prozac eröffnete die Mölichkeit für das, was Kramer als ‘kosmetische Psychopharmakologie’ bezeichnet hat: Das heißt, dass man ein Medikament nicht wegen seines therapeutischen Nutzens nimmt, sondern deshalb, weil man sich dadurch ‘besser als gut’ fühlt.”
Wie Recht er hat, und der Trend geht genau in diese Richtung. Ich musste schlucken, als mir jemand vor einer Weile erzählte, dass eine Freundin von ihm sich regelmässig in eine Psychiatrie einwesen lässt, um von ihrer harten Arbeit auszuspannen.” Die Bewunderung dieser dämlichen Art war in dem Unterton des Erzählers kaum zu überhören. Ich möchte nur hoffen, dass er seitdem keinen Kontakt mehr zu dieser Person hat. Einerseits aber zeigt es deutlich den Weg auf, welchen wir beschreiten: Einerseits sollen wir immer mehr, immer öfter und immer kostengünstiger und immer effizienter arbeiten, andererseits nie erschlaffen, nie krank werden und am besten Maschinen ohne Willen sein. Ein großer Teil der Bevölkerung folgt dieser Aufforderung, die besonders aufmerksamkeitsbedürftigen unter ihnen verfallen in Pseudodepressionen, inszenieren Nervenzusammenbrüche und sind die Hälfte ihres Lebens hindurch auf Zoloft unterwegs. Ihr Wille ist zerstört, die Gefühlswelt verschleiert, von einem dauerhaft künstlich erschaffenen Hoch geblendet und aus ihrem Mund kommen Loblieder auf die Drogen, von denen sie nicht wegkommen. Kein Arzt schreibt mehr von Montag bis Mittwoch krank, es ist mindestens eine Woche, die man zu Hause verbringt und es sind nie weniger als zwei Medikamente, die man, pflichtbewusst und vertrauensduselig, wie man nunmal ist, diese Zeit über einnimmt, ohne auch nur einen Blick in den Beipackzettel zu werden, denn in dem steht sowieso nur das, was irgendwem mal irgendwo passiert ist.
Bei den Neurologen und Psychiatern ist es besonders auffällig geworden, dass diese langsam aber sicher das Wohl ihrer Patienten mit der Einnahme von Medikamenten, die ihre innere Welt durcheinander bringen, gleich setzen. Ihrer Ansicht nach kann man einfach nicht gesund sein, wenn man denn schon Patient bei ihnen ist, und keine Medikamente nimmt. Sie schmieren die schwerfälligen Getriebe mit Reden über keinerlei Nebenwirkungen und mit alltagsphilosophischen Phrasen. Bei den meisten Menschen hilft dies auch, und diese stellen zu ihren Unglück auch nie fest, dass sich Wohlbefinden, das keines ist, weil ihr Leiden nur schwarz übermalt wurde, nur auf die Tatsache eines Selbstbetrugs gründet. Wer sich gegen die Eugenik stämmt, der sollte demnach auch besser nicht psychopharmakaabhängig sein, denn sonst könnte er leicht an Glaubwürdigkeit verlieren.
Der Rückschluss Fukuyamas auf Kramer und Kramers Rückschluss auf Aldous Huxleys Brave New World ist dabei äußerst treffend. So selbstverständlich wie heutzutage von Hausärzten schon Hirnficker, pardon, Psychopharmaka, gar Neuroleptika oder Tranquilizer verschrieben werden, so selbstverständlich steht man dem Soma in der schönen, neuen Welt gegenüber.
Der kalte Heroinentzug wurde schon so oft in den Medien publiziert. Jeder kennt die Szene, in denen ein Süchtiger sich in Krämpfen windend, schreiend viele Tage und Nächte hintereinander hindurch in einen kleinen Raum herum schleppt. Aber noch nie habe ich eine Dokumentation gesehen, in der davon berichtet wurde, wie jemand, der lange Zeit Psychopharmaka verordnet bekommen hatte, diese schließlich absetzt und feststellt, dass seine Wahrnehmung nicht “widerkehrt”, sonder immer da, bloss nicht sichtbar war. Und nie wurde gezeigt, wie dieser jemand vor den bunten Scherben seines inneren Betruges steht, wie er die Betrüger und sich selbst verflucht, aber alledem ein für allemal entsagt, da es besser ist, zu sehen als gesehen zu bekommen.
So langsam verstehe ich auch nicht mehr das Streben nach Demokratie, wenn wir uns alle selbst zu Robotern einer kleinen Gruppe von Medikamentenmischern degradieren, die irgendwann mit uns machen könnten, was sie wollen, sobald die Aufsichtsbehörden auch endlich im rosaroten Zuckerwatteland ihre Runde drehen, aber frei und froh nach Selbstbestimmung rufen.
* Ich nenne aus reinem Restehrgefühl keine Namen, da ich niemanden verunglimpfen, sondern
nur von einer Begebenheit erzählen will, bei der es keiner Namen bedarf. Auch lassen die Abkürzungen
keine Schlüsse auf Namen zu, denn ich wähle jene Buchstaben grundsätzlich nach Lust und Laune.Zum Ritalin und dem ADHD werde ich eventuell noch einmal ein gesondertes Pamphlet verfassen.












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