The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Es war schon komisch. Die Tage, in denen der feine Regen sich auf seinem Kopf in einem großen Tropfen zu stapeln schien und sein ganzes Gewicht auf T.s Schultern und Genick legte, hatte er nicht gezählt. Ebensowenig aber jene, in denen das ganze Wasser einfach durch seinen Kopf rann und die Gedanken verflüssigte. Was war besser? T. hatte gelesen, dass es das größte Problem von Tiefentauchern ist, die Angst vor dem Erstrinken zu überwinden. Wenn sie in zweihundert Metern Tiefe noch panisch würden, dann könnten sie genau so gut gleich auf den ersten fünf Metern schon sterben. Aber darum geht es solchen Leuten nun einmal nicht. Man muss schon im Stande sein, die natürlichen Warnsysteme des eigenen Körpers zu umgehen und mit einer verdammten Ruhe davon ausgehen, dass man nicht weit davon entfernt ist, dort unten zu verrecken.

    Und trotzdem hatte dieser eine Kerl gesagt, dass man es erlebt haben müsste, so kurz vor dem Tod zu sein und den Beginn eines Kollapses zuzusehen. T. hingegen hatte nicht einmal ein wirkliches Schwimmabzeichen. Gerade zum Seepferdchenabzeichen hatte es gereicht, und selbst dazu wäre es nicht gekommen, hätte man ihn mit sechs Jahren auch ohne in die tieferen Becken der Schwimmbäder gelassen. In den Schulferien hatten die großen Macher seiner Klasse die Vormittage im örtlichen Schwimmbad verbracht, um sich innerhalb von 3 Tagen das bronzene, das silberne und letztlich auch noch das goldene Abzeichen zu sichern. T. schlief damals aus und verspürte nicht den geringsten Drang, sich der Akzeptanz zuliebe aus dem Bett zu erheben. überhaupt hielt das Gängeln nicht lang an. Mit den Jahren verlief sich das mit dem Schwimmbad sowieso. Bald war es kaum noch von Interesse, den ganzen Tag im Wasser zu verbringen, man lag auf den umliegenen Wiesen und scherte sich mit wachsender Begeisterung um das andere Geschlecht. Und unser T. verbrachte seine Jugend ohne großartige Zwischenfälle, von denen jemand etwas hätte bemerken können.

    In der Tat gab es nur einen Vorfall, der ihn das Thema Tiefentaucher nicht sofort aus seinem Kopf verbannen, sondern ein paar Minuten gastieren ließ. Mit etwa 13 Jahren, er war noch regelmässig, wenn auch seltener, baden, hatte T. einen Unfall mitbekommen. Als er gerade neben den Spruntürmen aus dem Becken steigen wollte und sich schon eine kleine Schlange hinter ihm gebildet hatte, sprang vom 3-Meter-Turm ein Junge direkt auf einen anderen. Das Aufeinanderkrachen der dünnen Knochen war auf dem wellenschlagenden Wasser entlanggeküpft und hatte alle rund herum Aufhorchen lassen. Komisch auch, dass ein Mensch noch soetwas wie eine Witterung, wenn auch verkümmert, besitzt. Viele drehten sich einfach weg und versuchten das ausgestoßene Adrenalin in ihrem Körper überhaupt nicht zu beachten, andere rannten sofort zum Schauplatz, um entweder besser sehen zu können, oder um wirklich helfen zu wollen.

    T. tat nichts als in seiner Pose auf der Leiter zu verharren. Er hatte sich ruckartig umgedreht, als es passiert war und sich seither nicht mehr bewegt. Der getroffene Junge hatte noch vor Schmerzen schreien wollen, wurde aber von der Wucht unter Wasser gedrückt, was den Ton sofort im Keim erstickte. Später erklärten Andere, die alles aus anderer Perspektive gesehen hätten, dass der Junge im Wasser nicht mehr in der Lage gewesen sei, irgendetwas zu tun, der Schrei kam nur vom Gesprungenen. T. beschäftigte lange der Gedanke über das Witterungsverhalten, wie sich die Zeit schier endlos zu dehnen schien, wie Leute mit Vielfachem ihrer Normalgeschwindigkeit den Notarzt alamierten, dessen Beeilung nichts mehr nützte. Den glatten Genickbruch am leblosen Körper eines Achtjährigen hatte jeder Laie erkennen können.

    Vielen kleinen Mädchen wurde es zuviel, sie verfielen in Wehklagen und weinten, die Jungen taten es ihnen gleich. Warum man weinte, wusste wohl niemand, vielleicht weil ein Mensch gestorben war, den man auf offener Straße nicht gegrüßt, vielleicht nicht einmal eines Blickes gewürdigt hätte, vielleicht weil es sich so gehörte und man nicht wie T. einfach dastehen und alles in sich aufnehmen kann. Die Lage beruhigte sich nicht. T. hatte immer gedacht, dass eine Leiche schwimme, aber der Körper des Jungen war in seinem Gebrechen wie ein Stein langsam auf den Grund der Sprungrube gesunken. Dabei sah es aus, als müsste er jeden Moment wieder auftauchen, mit einem Ring in der Hand und sich im Begriff sehen, auch das letzte Abzeichen erreicht zu haben. Herauf kam er später nur mit blauem, geschwollenem Hals und blauen Schultern, aufgeweicht und ziemlich bleich, in den Armen der Rettungsschwimmer. In diesem Jahr endete die Badesaison so früh wie damals, als ein Betrunkener bei einem Bauchklatscher vom Zehner auf dem Wasser wie auf Asphalt zerschellte.

    Man hatte T. damals gleich in einem anderen Krankenwagen mitgenommen. Eine rüstige Frau mit bunter Duschhaube auf dem Kopf hatte auf ihn gezeigt und den Notarzt beschwört. Man brachte ihn nach Hause und beorderte ihn für die kommende Woche zu den Eltern des Verstorbenen. So bereitwillig und zäh, wie die Sekunden des Aufpralls des Einen auf den Anderen verlaufen waren, ging auch T. auch diesem Hindernis entgegen. Die Stadt hatte den Verlust eines kleinen Mitbürgers ungeahnt schnell überwunden, selbst die Sonne ließ sie weiterhin in ihrer Gesellschaft. Schon als der Artikel in der Zeitung ein paar Tage erst alt war, beschwerten sich die ersten Kinder über die zeitweilige Schließung ihres Bades. Nur am Tag des Besuches bei der betroffenen Familie hatte man die Wolkendecke von ihrem Haus aus über die gesamte Gegend erweitert und ordnete leichten Regen an.

    “Was fühlst du?” fragte die gute Frau beim Abschied. “Mitleid.” sagte T. “Man sagt, kurz vorm Tod wird alles langsam.” “Ja.” kam tränenreich zurück. “Wenn man ihm in die Augen sieht.” Man konnte den letzten Rest Herz der Frau brechen sehen, als T. unbewusst zum Rundumschlag ausgeholt hatte. Die ohnehin verheulten, roten Augen wurden langsam blau und violett. Sie begann zu zittern und hielt sich am Türrahmen fest. T. traute sich nicht mehr, ihr in die Augen zu sehen und sagte vielmehr zum Fussabtreter sein Gebet. “Und ich bemitleide Ihren Sohn, da ihm selbst das gestohlen worden ist.”

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