The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Manchmal kann man sich schon sehr niederträchtig vorkommen, noch jung zu sein. Beispielsweise wenn man an einem Dienstagmorgen auf dem Nachhauseweg von einer Party den kürzeren Weg über die innerstädtischen Märkte nimmt.
    Zuerst ist es überhaupt ein kleines Kunststück, sich einen Weg durch die dicht gedrängten Massen von Leuten zu drängen, die durchweg über sechzig Jahre alt sind. Leute, die die Wege blockieren und sich gegenseitig vorhalten, wie schlecht das Leben, wie kurz die Zeit und wie teuer der Spargel ist.

    Wenn ich dann anhalte und lausche, mich vielleicht sogar umdrehe und ein Wort sage, dann ernte ich Erstaunen. Ich atme tief ein und frage:

    Ist es nicht vielmehr, dass alt zu sein bedeutet, nicht länger jung sein zu müssen?

    Wie sehr sehne ich den Tag herbei, an dem die Fesseln der Jugend von mir abfallen und mir all die kleinen Sinnlosigkeiten, die dieses Nicht-Alter mit sich bringt, verschwinden:

    Nicht länger all die Sorgen um Aussehen oder Kleidung. Adé du Laster namens Individualität! Ich will praktische Kurzhaarschnitte, dazu Einheitsfarben der Rentnergeneration von beige bis braun und Gelenktaschen!

    Nicht länger arbeitslos sein, nicht zur Schule gehen oder studieren müssen. Ich will meinen Lebensabend. Jetzt.

    Nicht länger schauen müssen, wie die nächste Monatsmiete reinkommt, sondern ganz einfach vergessen, was gestern war.

    Nicht länger umständlich die Feiern an den Wochenenden organisieren. Lieber zu Hause bleiben und beim nächsten Kegelabend über die letzten Smash-Hits der Volksmusik diskutieren.

    Nicht länger die Kinder durchs Leben bringen müssen, sondern den Spieß einmal umdrehen.

    Nicht länger versuchen, auf dem Laufenden zu bleiben, sondern einfach laufen lassen.

    Nicht länger bei Fragen nach der Beschäftigung ins Hadern geraten, besser freimütig Rentner! rufen.

    Nicht länger in Cafés rumhängen müssen, sondern Sinn und Vergnügen miteinander in Einklang bringen und die Kumpel im Wartezimmer der Arztpraxis treffen.

    Nicht länger zuhören müssen, sondern sich einfach taub stellen.

    Alt zu sein, das heißt für mich Abwechslung ohne absehbares Ende:

    Endlich mal richtig auf die Kacke hauen, ohne Rücksicht auf Verluste der Welt ein ordentliches Brandzeichen verpassen und CDU wählen. Mit einem Durchschnittsalter noch weit über dem meiner Kumpel aus der Rheuma-Liga. Die werden schon wissen, was mich bewegt.

    Endlich mal den RTL-Nachrichten Glauben schenken.

    Endlich auch Angst vor der Jugend haben. Angst vor bunten Haaren. Angst vor Piercings, dem schwarzen Block und Osama Bin Laden. Schließlich konzentriert sich der weltweite Terrorismus schon immer allein auf Leute im besten Rentenalter.

    Endlich den Jüngeren an den Kopf werfen, sie hätten doch keine Ahnung, denn sie wären ja gar nicht dabei gewesen.

    Endlich früher besser als heute finden dürfen.

    Endlich alle Charaktere des ARD Marienhofs beim Namen kennen.

    Endlich wieder revolutionär-politisches Engagement zeigen und gemeinsam mit Heino die GEZ niederbrennen.

    Endlich die Uhr nach den Sendezeiten von Talk-Shows stellen.

    Endlich von der Welt geachtet werden und Pro 7 meine Zwei-Zimmer-Wohnung verschandeln lassen.

    Endlich BILD-Zeitung lesen und dabei nicht ausgelacht werden.

    Endlich auch an der Supermarktkasse drängeln und vorgeben, keine Zeit zu haben.

    Endlich die Schwestern der Arztpraxen auf der Straße grüßen.

    Endlich bei Geburtstagen über Prostatakrebs philosophieren.

    Endlich ohne Gewissensbisse Gelenktaschen tragen.

    Endlich auf Fahrrädern vorbeihetzenden Kindern meinen Gehstock in die Speichen rammen, ungeschunden davonkommen und laut Degeneration macht frei! rufen können.

    Endlich beim Autofahren einen Hut aufhaben.

    Endlich Ausländer und Schwule hassen können und nicht als Nazi beschimpft werden, sondern einfach nur als konservativ zu gelten.

    Endlich jeden Tag Sonntagsbraten essen und sich unschuldig wundern, warum man immer dicker wird.

    Endlich schon morgens beim Brötchenholen den ersten Flachmann kaufen.

    Wenn man noch einigermaßen jung ist, muss man sich wirklich Sorgen machen, nicht während des Alterungsprozesses den Anschluss zu verlieren. Nicht auszudenken, mit 65 noch zu wissen, wie die neusten technischen Geräte zu bedienen sind, bzw. immer noch daran Interesse zu haben, es herauszufinden. Stück für Stück muss man behäbiger werden und nicht mehr mitmachen bei all dem neumodischen Kram. Um nicht irgendwann zwischen den Stühlen der aufmüpfigen Jugend und der unverständigen Alten zu stehen.

    Denn meine Schreckensszenarios heißen nicht 1984, Al Quaida und schon gar nicht Klimawandel. Das Einzige, was mir wirklich Sorgen bereitet, ist ein erneutes Ansteigen der Geburtenrate, ein sich Aufbäumen einer neuen Massengeneration, die die Rentnerschwämme bedroht und meinem Idyll vom ständigen Boccia-Spielen auf Kinderspielplätzen einen krakeelenden Strich durch die Rechnung macht.

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