The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Damals lebten wir fast wie in einem Dorf. Man kannte seine Nachbarn und die Nachbarn der Nachbarn, die ganze Straße, die zwei, drei Kreuzungen und sprach die Gemüdeverkäufer mit Du an. Ich hatte meine ganze Kindheit in einer konstanten Umgebung verbracht und kannte schon mit fünf Jahren jeden Riss in den Fassaden der alten Einfamilienhäuser. Wenn die Bäume langsam ihr Laub verloren und über den gesamten Boden der kleinen Wäldchen ein buntes Laken auslegten, spielten wir in den großen Blätterhaufen. Nur die Straßenschilder erzählten davon, dass unsere kleine Idylle eigentlich ein Teil einer Großstadt war.
Selbst eine S-Bahn, ein schnurgerades Stahletwas, das eine gute dreiviertel Stunde vom Zentrum bis kurz vor unsere Haustür ratterte, hatten wir. Meine Eltern arbeiteten in lokalen Geschäften und säumten ihren Alltag mit ihrem Lebenswerk, dem Kredit, für dessen Bezahlung Sie sich unsichtbare Eisenkugeln an die Beine gelegt hatten. Ich war der Einzige in der Familie, der jeden Tag die halbe Stunde Fahrt auf sich nehmen musste, um zur Schule zu kommen. Meine Mutter kaufte mir regelmässig bei der Verkäuferin mit der wachsartigen Haut eine Monatskarte und nähte aus alten Lederteilen und einer etwas dickeren Folie ein niedliches Täschchen mit Sichtfenster, das ich mir um den Hals hängen konnte, damit ich die Karte nicht verlor und sie immer bei mir hatte.
Ich trug mein kleines Umhängetäschchen jeden Tag, bis auf die Samstage und Sonntage, an denen ich nur zu den Mahlzeiten und zum Schlafen zu Hause war. Bald schon kannten mich die Kontrolleure in ihren blauen Uniformen und Kordelmützen und fragten nicht einmal mehr, sodass ich einen Grund gehabt hätte, ihnen mein schönstes Eigentum präsentieren zu können. Es war ein sehr berauschendes Gefühl, morgens allein loszuziehen, als Erster heimzukehren und überhaupt glauben zu können, die ganze Bahn gehört einem allein. Ohne jemals einen der Fahrscheinautomaten auch nur angesehen zu haben stieg ich wahllos in jede Bahn, die ansatzweise in meine jeweilige Richtung fuhr. Meine Position als König des Schienennetzes festigte sich zusehends, wenn ab und zu chic gekleidete Männer von den Kontrolleuren aus dem Waggon geführt wurden, da sie ohne Karte unterwegs waren.
Immer, wenn meine Großmutter zu uns kam, um uns zu besuchen, erklärte sie sich stolz darauf, dass ich so furchtlos die ganze große Stadt bereiste. Sie wohnte in einem noch kleineren, wirklichen Dorf ein paar hundert Kilometer entfernt. Es scheint das Los der Kleinstädte und Dörfler zu sein, jene Einwohner der Metropolen zu bewundern. Sie sind in gewisser Weise neidisch und betrachteten uns als Lebenskünstler. Was allein eine Großstadt ausmacht, es sind diese vielen kleinen Städte, die aneinander gereiht einen Flickenteppich aus verschiedensten Gegenden bilden, zusammengehalten von jenen Menschen, die auf den Nähten wohnen und dem Faden selbst, der alle Teile verbindet.
Ich fuhr sehr gern mit den vielen Bahnen, jenem Faden, der meine kleine Welt durchzog und ihm ein feines Muster gab. Am liebsten hatte ich die Nostalgiezüge, die nur zu festlichen Anlässen auf die Schienen gebracht wurden, und dann auch nur auf den Hauptstrecken mitten in der Stadt. Als ich von dieser Sache eine Ahnung bekam, begann ich absichtlich Umwege zu nehmen, um zu erleben, wie es früher gewesen sein musste, als die Türen noch nicht per Knopfdruck und die Fenster noch nicht von Schlüsseln und kleinen Steinen zerkratzt worden waren. Aber auch an den normalen Schultagen gab ich mit der Zeit keine Mühe mehr, meiner Leidenschaft ihren Raum in meinem Tagesablauf streitig zu machen und fuhr immer längere Strecken. Mal fuhr ich bis zum Ostkreuz, von dort aus wieder zurück zum Westkreuz und schließlich zur Schule. Oft kam ich ein paar Stunden zu spät. Ich konnte mich einfach dem Kattung - Kattung - Kattung der Schienenstöße nicht entziehen. Ich liebte es, auf jedem Bahnhof so viele neue Menschen zu sehen, bei deren Anblick ich mir die tollsten Geschichten überlegen konnte, wohin es sie wohl führen müsste. Alte Männer mit zerschlissenen Mänteln standen an die alten genieteten Stahlpfeilern gelehnt und warteten darauf, dass der Tag vorbei ging, während junge hübsche Mädchen in Röcken auf ihre Rendézvous hofften, die schon mit der letzten Bahn gekommen sein müssten, jedoch nicht gekommen waren.
Ich gewöhnte mir einen königlichen Gruß an, wenn ich meine Runde mindestens einmal in der Woche drehte, um nach dem Rechten zu sehen. Die Wochenenden kamen dafür nicht in Frage, denn ein wahrer König muss dem Motor seines Landes, dem Volk zeigen, dass er die von ihm verrichte tägliche Arbeit zu schätzen weiß. Durch die Fenster stetig die Lage meines Landes sondierend durchzog ich abwechselnd immer eine andere Ecke meines Reiches. Um nicht aufzufallen verzichtete ich darauf, meine Mutter zu bitten, mir einen Umhang zu nähen, mein Zepter, gefüllt mit Liebesperlen, ließ ich vorsichtshalber auch in meinem Zimmer stehen.
Fortsetzung folgt …












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