The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Eigentlich wollten wir ja noch baden gehen, aber es wurde schon langsam dunkel, in nicht einmal mehr acht Stunden würde S. schon wieder vor seinem Schaltpult sitzen und die Walzanlagen in der Werkshalle steuern. “Irgendeiner zerfickt mir wieder den ganzen Tag und schrottet eine Fräse.” erklärte S. meist Donnerstags. “Die ziehen die Stahlträher so fest auf, dass das Teil die Gewinde reinhaut und dann drin stecken bleibt.” Wir wussten zwar nie so recht, was er meinte, aber wir nickten zustimmend und sagten Dinge wie “Ja, solche Idioten.” oder “Wenn du mal nicht noch ausrastest und die Schrauben an deinen Maschinchen mit Absicht nicht mehr fest anziehst …”.
Aber alles in allem war er ja ein guter Junge. Einer von den besonderen, der auch mal die Schnauze halten und einfach ins Leere starren konnte. Das alles mag euch egal sein, aber uns waren solche Sachen wichtiger als ein Diplom oder sonst irgendetwas. Damals, noch in Berlin, da war er immer mit dabei. Er hatte gesagt, die Stadt gäbe ihm Kraft, mit all ihrer Lockerheit und den vielen Unterschieden. Wenn wir an einer Schrebergartensiedlung entlang der S-Bahnlinien liefen und eine Gruppe Leute beim Grillen sahen, dann blieb er oft stehen und pfiff uns zurück. Dann zeigte er blind auf jemanden und sagte: “Hier, Karl-Gustav ist morgen mittag wieder Professor für Ethymologie. Und er, Herr Dr. Schablowski, geht heute Abend noch auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz im Freien und steht morgen besonders früh auf, um noch einen Teller Suppe bei den Tafeln zu bekommen.
Ich weiß nicht, ob wir auch einen Teil der Schuld hatten, oder ob überhaupt jemand Schuld hatte und nicht alles einfach hatte in einer Art und Weise sein müssen. Aber wenn man soetwas miterlebt, naja, es ist halt schon eigentümlich.
Ich habe ihn vielleicht ein halbes Jahr nach unserem Bruch noch einmal gesehen. So ein richtiger Bruch war es ja nicht. Er ging nach Bonn oder so, das bekam ich damals nicht mehr. Ich habe ja erst ein paar Tage später erfahren, dass dieser außerplanmässige Ausflug durch die Nacht an diesem Donnerstag. Ein wenig melancholisch war das Ganze ja, weswegen auch niemand bemerkt hatte, dass das übliche Gefluche an dem Abend ausgeblieben war. Auch dass er derart still war, hat kaum einen gestört. Ein paar mehr Bier als sonst hatte er damals, naja, ist ja auch bisschen schön, wenn jemand schon vorher weiss, dass er seine Freunde vermissen wird.
Jedenfalls war ich gerade auf einer meiner Touren durch die Stadt und wollte Brot oder soetwas kaufen. Zwei Brote, genau. So ein ausgehender Sommer war das. Noch nicht zu kalt für ein T-Shirt, aber vielleicht schon etwas zu früh dunkel. Gerade mal halb sieben und schon geht die Sonne unter. Ich hatte ihn erst für irgendeinen x-belibigen Junkie gehalten, der noch mit sich hadert, ob er die fünfzig Euro in der Tasche für einen Schuss oder für ein Abendbrot und einen Platz zum schlafen verwenden soll. Erst die langen Haare, unverkennbar und kleinlich gepflegt, sagten mir deutlich, dass ich diesen Typen dort kannte. “Fünfzig Prozent der Lok- und Bahnführer können nicht mehr so ein Ding fahren, nachdem sich einer vor ihren Augen auf die Schienen geworfen hat.” Das war sein letzter Satz, danach sprach nur noch ich. Ich erzählte von meinem gleichmässig dahin tingelnden Leben und so. Er lächelte ein bisschen, war aber spürbar weit weg.
Genau wie am letzten Abend habe ich nichts mitbekommen. R. hat mit neulich dann erzählt, dass S. ja schon die ganze Zeit danach oft wieder in Berlin war und an der Strecke hockte. Ihm hatte er gesagt, dass er auf Karl-Gustav und Dr. Schablowski wartete. R. konnte sich schon nicht mehr daran erinnern, aber genau das wusste ich noch. Dass die beiden nie wieder kamen und so S.s warmes Zentrum zerstörten, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.
X. vervollständigte die Geschichte mit einem Zeitungsausschnitt. S. hatte wieder einen Abend auf den mit Steinen belegten Schrägen gehockt und dem Vorbeidonnern der Züge gelauscht. Dann irgendwann war er nach unten gegangen und hatte sich zwischen die beiden Schienen der Linien S3 und S1 gelegt. Zuerst wohl nur, um richtig in den Stahlgewittern unter zu gehen. Aber dann, nach ein paar Probedurchläufen, hatte er sich letztlich, kurz bevor die Züge an ihm vorbeigerattert wären, mit dem Kopf auf die S1 und mit den Füßen auf die S3 gelegt. Es konnte einfach niemand gemerkt haben. Außer es würde unheimlich geknarkst oder gepoltert haben, doch das glaube ich kaum, bei der Geschwindigkeit. Selbst beim Sterben hatte er sich noch Sorgen um die Anderen gemacht. Nur, dass sich keiner mehr Sorgen um ihn machte, das hatte ihm selbst die Schönheit der Erinnerung zerstört.
Trotzdem, beide Bahnführer arbeiten nicht mehr.












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