Kategorienarchiv Gedanken

  • Unter den Kameras am Bahnhof über innere Sicherheit debattieren.

    Nachts chic Burger essen gehen.

    Im Kino Nachos durch die Reihen reichen.

    Von Barkeepern nach Texten gefragt werden,
    aber nur ein Blog nennen können.

    Mittags schnell mal zur Apotheke rennen.

    Auf dem Augustusplatz Hochsprungwettbewerbe gewinnen.

    Rückwärts auf einem Bein über Pfützen springen,
    dabei hinfallen und nass werden.

    Vorm Morrisson’s nicht von Gesetzeshütern kontrolliert werden.

    Auf dem Fockeberg Sonnenaufgänge anschauen.

    In Sommerfeld Sommer und Felder suchen.

    Nach Wahren fahren.

    Und nach Knautkleeberg.

    Beides skurril finden.

    Die Buchmesse erst recht.

    Und die Gieszer16 überhaupt nicht finden.

    Verdunstenden Regen auf der Karli einatmen.

    Sich dabei Frühling fühlen.

    Und die immer wiederkehrende Traurigkeit streicheln.

    Nachts am Fenster Flugzeuge sehen,
    sie aber für UFOs halten.

    Wolken wegpusten, Sterne angucken.

    Mit dem Fahrrad durch Straßenbahnschienen rutschen.

    Da sein.

    Da bleiben.

  • Vorm LVB-Turm stehen,
    sich wundern, wo der LVB-Turm ist.

    Schreiend durch den Bahnhof stürmen,
    bis der BGS erwacht.

    Karl Liebsknechts Namen in der Südvorstadt zählen.

    In der Straßenbahn maskiert in die Kameras winken.

    Im Connewitzer Eck Kölsch bestellen.

    Vergeblich nachts beim Araber Pommes verlangen.

    Caféhaus-Ketten ignorieren.

    Nach Gohlis fahren.

    Und nach Eutritzsch.

    Nach Mockau laufen.

    Fragen, warum es Reudnitz heißt.

    Sich im Marriot nach Promis erkundigen.

    Oder einfach so mitwarten.

    Auf der Angerbrücke hüpfen.

    Plagwitz nicht finden.

    Am Sportforum Bälle über die Zäune schießen.

    Passanten im Zoo nach Knuts Gehege fragen.

    In der Triangel eine Playstation verlangen.

    Mittags vor der NaTo liegen.

    In Schleußig auf Nachtbusse warten,
    nicht einsteigen und nach Hause laufen.

    Im König Heinz nach Mitgliedschaftsanträgen fragen.

    Keinen bekommen.

    Um 04:00 Uhr in die Ilse gehen.

    Vor der eigenen Haustür im Gras schlafen.

    2008 schon 2009 sein.

    Oder 2010!

  • Wir sind durch die Stadt gestreift, haben uns in Erinnerung gerufen, wie es aussieht, wenn sie schläft und niemand, wirklich niemand mehr ihre Straßen säumt. Mit öligem Tagewerksgeruch in der Nase und schwitzenden Händen, in Allerweltsgeruchsamkeit, gemäßigten Schrittes und geläuterten Atems. Hier und da ein Schatten vergilbter Menschen. Post-apokalyptisches Wandern, wenn man so will.

    Und wir haben uns vorgestellt, es wäre warm, um der Kälte, die sich um unsere Waden wand, endlich wieder Herr zu werden. In weißen Segeltuchhemden den Wind auf der Haut zu spüren, mit dunkelblauen Hosen und Kordeln, die zwischen den Fingern ratschen. Etwas, das einem schwer auf der Haut liegen sollte, aber von der durchströmenden Luft getragen wird. Lebendige Luftpolster zwischen den kleinen Härchen. Wie Liebe zum Anziehen.

    Aber umso näher der Zug diesem Ort kam, desto mehr stieg unser Mitleid für ihn. Er tat uns nicht wirklich leid, aber er wirkte so heimisch, als würde er einen nicht wieder gehen lassen, hätte er erst einmal zugegriffen.

    Wir dachten, dass man hier etwas verpassen könnte. Wollten bleiben. Oder wir längst etwas verpasst hatten. Wollten weg. Kamen uns aber nicht fremd vor. Nicht fremder als sonst irgendwo. Nicht willkommener. Nicht unwillkommener. Nur ein nahtloser Übergang, der trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, irgendwie reizend war. Und blieben. Um ein andermal vielleicht wieder zu gehen.

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  • «Komm, lass uns rausgehen, aus der Stadt heraus stapfen und in den Feldern Kornkreise ziehen!»

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    «Ich bin selten genial, aber wenn, dann richtig!»

  • Es herrscht Ausnahmezustand. Nicht weit entfernt böllern sich die Ersten ins Delirium. Böllern sich die Finger ab. Finger, die auf den Wegen liegen, mit gesplitterten Nägeln und blutigen Abdrücken.

    Trinken Bier und Schnaps, um das alte Jahr zu vergessen. Reden uns ein, vergessen zu können, obgleich wir uns nur nicht erinnern. Bier und Schnaps. Trinken wir. Aber vergessen nicht.

    Lassen uns treiben. Wir lassen uns treiben. Und suchen doch nur einen Halt. Denn jedes Bisschen Ab ist immer ein Dazu, uns perspektivieren zu wollen. Kleine Kinder, die immer auf das Nächsthöhere schauen, mit glänzenden Augen.

    In unseren Köpfen wie in den Straßen – Ausnahmezustand. Wir teeren die Straßen mit Blut. Wir bluten die Straßen. Wir verbluten. Und liegen auf den Straßen. Ausgehaucht und glücklich, einmal eskaliert zu sein.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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