Kategorienarchiv Gedanken

  • So ist das eben. Hier floskelt jemand durch die Gegend, dort muckiert sich ein Anderer darüber. An dieser Stelle besteht eines Menschen Leben aus Arbeit und dem Rest, an anderer wird versucht, es als Ganzes so erfüllt wie nur möglich zu gestalten. Wieder hier ist Philosophie blodes Reden, anderswo eine Passion. So ist das, und so bleibt das. Zwei Könige, der eine breit geliebt, der andere kleinlaut verehrt, ungleich bedeutet, ungleich bedeutend, zu Unrecht, wenn sie doch einer sein sollten.

    Auf diese Weise schrieb ich gestern. Heute ging ich durch den Wald, verdreckte meine Schuhe und ließ mich von Blütenstaub und Pollen beregnen, ehe wieder alles in sich zusammen brach. Bunt gestreute Teilchen einer Wahrnehmung, aufgebahrt auf einem Sims aus Trägheit und der Schwere, die aus Nichts entsteht und wirklicher ist als alles Vorhandene. Reife ist paradox, wie alles Andere, Passgenauigkeit ist obsolet. Ein Vogel der, entflammt von Sorgenlosigkeit sich durch die Wolken in die Höhe brennt, oben eine Kurve schlägt und auf den Boden prallt, ist schöner noch als alles längst verkohlte auf der Erde. An den Bäumen trudelten die Aufgehangenen, die der Tristesse entsagten, und heute sind sie das Ausflugsziel vertrackter Träumer, die vor ihnen stehen bleiben, ihren Kopf im Wind mit ihren toten Hüllen wiegen.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Ich kann mich nicht entscheiden. Wenn man mir die Möglichkeit gäbe, an nur einer bestimmten Tageszeit durch die Gegend zu spazieren, wann würde das wohl sein? Die Frage zu beantworten ist nicht so einfach, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint, denn so ziemlich jede Stunde hat irgendeinen Reiz, der immer darin besteht, dass man etwas beobachten kann, das es sonst nicht oder nicht in der Form gibt.

    Früh morgens, gegen vier oder fünf Uhr, wenn es ganz langsam schon dämmert und alles nicht mehr schwarz, aber noch dunkelblau umrandet und schattiert ist, kann man mit etwas Glück sogar ein paar schöne Nebelschwaden sehen. Zurecht hatte einmal jemand vom morgendlichen Leichentuch gesprochen, das sich in den frühen Morgenstunden noch über das ganze Land erstreckt und dann im aufkeimenden Trubel zerrissen wird. Das Gute an der Uhrzeit ist, dass man noch ungestört ist. Allenfalls, geht man durch die Stadt, sieht man ein Nachtarbeiter mit dunkelgrauen Streifen unter den Augen durch die Straßen ziehen, und sie wollen fast immer grüßen, wenn sie meine familiär aussehenden Augenringe bemerken. Inwieweit sich die Luft während der Nacht generiert oder inwieweit die Zirkulation dafür verantwortlich ist, doch um diese Zeit kann man noch sagen, dass die Luft duftet, oder wenigstens frisch und unverbraucht ist. Unverbraucht, das hieße fast, sie würde Punkt Mitternacht abgesaugt und durch eine neue ersetzt.

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  • Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wird die Freiheit der Bürger beschnitten, um mutmaßliche Terroristen aufzuspüren. Das Europaparlament billigte im Dezember einen Beschluss der EU-Justizminister, wonach Daten über E-Mail- und Telefonverbindungen künftig mindestens sechs Monate lang gespeichert werden müssen.

    So schrieb der Spiegel gestern im Artikel In Europa hört der Staat mit. Es ist schön, immer mal wieder soetwas zu lesen, wenn man ständig zu hören kriegt, dass das ja alles überhaupt kein Problem ist, außer man hat etwas zu verbergen. Natürlich, nur Terroristen müssen sich fürchten, die RFID-Chips in den Pässen werden ja auch nur zum Spaß verteilt. Man sollte vielleicht öfter fragen, ob jene, die das äußern, schon einmal darüber nachgedacht haben, ob nicht der Staat heutzutage jeden zum Terroristen macht, denn das erspart die lästige Arbeit des Suchens. Wem dieses verdammte Glück beim Bingo einfach viel zu unsicher ist, der sollte einfach aufspringen und laut Bingo! rufen…

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  • Glaubt jemand daran, dass man alles bezahlen muss? Wäre es möglich, dass man für jedes schöne Moment, das man erlebt, irgendeinen verborgenen Preis zu zahlen hat? Vielleicht ist es verständlicher, wenn man sich vor Augen hält, dass, geht man beispielsweise am Tag X im Park spazieren, man zur gleichen auch hätte was weiß ich sonst tun können, aber es jedenfalls nicht tat, da man ja spazierend unterwegs war. Doch, ich meine das Ganze noch auf einer höheren Ebene, größer, räumlicher und viel weiter. Ist es also denkbar, dass wir unsere immer weiter fortschreitende Technologie und unser sich immer weiter ausbreitendes Wissen mit irgendetwas zu evaluieren haben?

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling, Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und Teil des Team Totale Zerstörung, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute:
Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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