Kategorienarchiv Gedanken

  • Gleich geht’s los zur Marathonfahrt nach Zürich und damit zum heute beginnenden Slam2008, den großen deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam.

    Ich bin ja sehr gespannt, mehrfach sogar, d.h. zuerst auf die Fahrt an sich, dann auf meine Vorrunde heute Abend, die Teamvorrunden morgen und vielleicht (um nicht zu sagen: mit viel Mehl) noch die oder andere Runde mehr, auf das ganze Drumherum und nicht zuletzt auf Zürich an sich.

    Neuigkeiten gibt’s dann hier. Das Ganze mutiert also kurzfristig zum Liveblog.

  • Die Postbank macht 449 Millionen Euro Verlust. Die japanische Börse ist auf historischem Tiefstand. Wahrscheinlich sollte mich das weitaus mehr stören, als es das in Wirklichkeit tut. Ich habe keine Aktien, auch keine abgefahrenen Fonds irgendwelcher total tollen Banken, die ganz ganz weit weg mal ganz ganz viel Profit erwirtschaften sollten, das aber irgendwie nicht geschafft haben, deshalb jetzt pleite sind und da das Bankensystem ein ineinander verhaktes Geben und Nehmen ist, haben jetzt auch die anderen Banken Angst vorm großen Fausthieb, wie ihn die Postbank nun abbekommen hat.

    Die meisten Probleme haben solche Ausmaße oder sind so weit weg, dass sie mich direkt überhaupt nicht mehr betreffen und deshalb auch anders interessieren. Das ist schlimm, kann man meinen, aber auch ehrlich. Zwar kaufe ich Biomilch und Fair-Trade-Kaffee, aber ob es dort nun um mehr als die Befriedigung meiner Weltverbesserungsfantasien geht, wer weiß.

    Sachen die mich angehen:

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Unter den Kameras am Bahnhof über innere Sicherheit debattieren.

    Nachts chic Burger essen gehen.

    Im Kino Nachos durch die Reihen reichen.

    Von Barkeepern nach Texten gefragt werden,
    aber nur ein Blog nennen können.

    Mittags schnell mal zur Apotheke rennen.

    Auf dem Augustusplatz Hochsprungwettbewerbe gewinnen.

    Rückwärts auf einem Bein über Pfützen springen,
    dabei hinfallen und nass werden.

    Vorm Morrisson’s nicht von Gesetzeshütern kontrolliert werden.

    Auf dem Fockeberg Sonnenaufgänge anschauen.

    In Sommerfeld Sommer und Felder suchen.

    Nach Wahren fahren.

    Und nach Knautkleeberg.

    Beides skurril finden.

    Die Buchmesse erst recht.

    Und die Gieszer16 überhaupt nicht finden.

    Verdunstenden Regen auf der Karli einatmen.

    Sich dabei Frühling fühlen.

    Und die immer wiederkehrende Traurigkeit streicheln.

    Nachts am Fenster Flugzeuge sehen,
    sie aber für UFOs halten.

    Wolken wegpusten, Sterne angucken.

    Mit dem Fahrrad durch Straßenbahnschienen rutschen.

    Da sein.

    Da bleiben.

  • Vorm LVB-Turm stehen,
    sich wundern, wo der LVB-Turm ist.

    Schreiend durch den Bahnhof stürmen,
    bis der BGS erwacht.

    Karl Liebsknechts Namen in der Südvorstadt zählen.

    In der Straßenbahn maskiert in die Kameras winken.

    Im Connewitzer Eck Kölsch bestellen.

    Vergeblich nachts beim Araber Pommes verlangen.

    Caféhaus-Ketten ignorieren.

    Nach Gohlis fahren.

    Und nach Eutritzsch.

    Nach Mockau laufen.

    Fragen, warum es Reudnitz heißt.

    Sich im Marriot nach Promis erkundigen.

    Oder einfach so mitwarten.

    Auf der Angerbrücke hüpfen.

    Plagwitz nicht finden.

    Am Sportforum Bälle über die Zäune schießen.

    Passanten im Zoo nach Knuts Gehege fragen.

    In der Triangel eine Playstation verlangen.

    Mittags vor der NaTo liegen.

    In Schleußig auf Nachtbusse warten,
    nicht einsteigen und nach Hause laufen.

    Im König Heinz nach Mitgliedschaftsanträgen fragen.

    Keinen bekommen.

    Um 04:00 Uhr in die Ilse gehen.

    Vor der eigenen Haustür im Gras schlafen.

    2008 schon 2009 sein.

    Oder 2010!

  • Wir sind durch die Stadt gestreift, haben uns in Erinnerung gerufen, wie es aussieht, wenn sie schläft und niemand, wirklich niemand mehr ihre Straßen säumt. Mit öligem Tagewerksgeruch in der Nase und schwitzenden Händen, in Allerweltsgeruchsamkeit, gemäßigten Schrittes und geläuterten Atems. Hier und da ein Schatten vergilbter Menschen. Post-apokalyptisches Wandern, wenn man so will.

    Und wir haben uns vorgestellt, es wäre warm, um der Kälte, die sich um unsere Waden wand, endlich wieder Herr zu werden. In weißen Segeltuchhemden den Wind auf der Haut zu spüren, mit dunkelblauen Hosen und Kordeln, die zwischen den Fingern ratschen. Etwas, das einem schwer auf der Haut liegen sollte, aber von der durchströmenden Luft getragen wird. Lebendige Luftpolster zwischen den kleinen Härchen. Wie Liebe zum Anziehen.

    Aber umso näher der Zug diesem Ort kam, desto mehr stieg unser Mitleid für ihn. Er tat uns nicht wirklich leid, aber er wirkte so heimisch, als würde er einen nicht wieder gehen lassen, hätte er erst einmal zugegriffen.

    Wir dachten, dass man hier etwas verpassen könnte. Wollten bleiben. Oder wir längst etwas verpasst hatten. Wollten weg. Kamen uns aber nicht fremd vor. Nicht fremder als sonst irgendwo. Nicht willkommener. Nicht unwillkommener. Nur ein nahtloser Übergang, der trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, irgendwie reizend war. Und blieben. Um ein andermal vielleicht wieder zu gehen.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling, Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und Teil des Team Totale Zerstörung, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute:
Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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