Kategorienarchiv Gedanken
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Mittwochs ist Bergfest.
Mehr als die Hälfte der Arbeitswoche ist für den Großteil der Leute vorbei. Morgen ist schon Donnerstag. Und da denkt man den ganzen Tag: “Na, dem Himmel sei dank, morgen ist endlich Freitag!”. Der Freitag selbst, als der allerleichteste aller Tage, ist dann nur noch bloße Makulatur.
Am Mittwoch also, da werden die Leute leichtsinnig.
Rennen, ohne nach links oder rechts zu schauen über die Straße, weil drüben die hübsche Rothaarige winkt und werden fast von der Straßenbahn überrollt, die nur durch eine Notbremsung zum Stehen kommt. Drinnen fallen die Fahrgäste aufeinander. Ein junger Mann und eine nette Dame kommen sich näher. Bald steigen sie gemeinsam aus.
Alte Leute frieren an der Haltestelle. Sie können es kaum abwarten, bis ihre Bahn einfährt. Darum strecken sie immerfort den Kopf nach vorn und starren in die entgegengesetzte Fahrtrichtung. Irgendwann kommt die Bahn tatsächlich. Und irgendwann müssen sich bis dahin auch die Halswirbel der alten Leute verschoben haben, die ihr Genick spannen. Sie knallen mit dem Kopf gegen die einfahrende Bahn, noch ehe sie ihren Hals wieder eingeränkt und den ungeduldigen Schädel weggezogen haben. Ein Krankenwagen kommt.
Kleine Jungen outen sich bei der Heimfahrt von der Schule als No-Angels-Veteranen, Tokio-Hotel-Vertraute und seit kurzem auch Lafée-Anhänger. “Alter! Ich bin sogar drei Fans!” Die Freunde nicken anerkennend. Kleine Jungen, die so dick sind, dass man wirklich glauben könnte, sie seien drei in einem.
Große Jungen outen sich bei der Heimfahrt von der Schule als Vollidioten. Reden, als würde ihnen die Krankenkasse keinen Besuch beim Logopäden finanzieren wollen. Ziehen sich an, als wären sie früher auch drei in einem gewesen. Fassen sich ständig in den Schritt und packen sich beim Aussteigen derart auf die Fresse, dass es wie Breakdance aussieht. Brechen tun sie sich jedoch nur den Oberschenkelhals.
Komische Leute sitzen auf dem Deppeneinzelplatz direkt an der Tür. Weil es so langweilig ist und das Bier an diesem Morgen schon wieder so gut geschmeckt hat, klimpern sich aufgeregt mit den geleerten Überbleibseln und singen dazu lautstark “Das Mädchen von Seite 1″.
Mittwochs trifft sich die ganze Faszination der Nachtbusse schon am Nachmittag in der Bahn.
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Enttäuscht heimkehren zu den Träumen. Sie warten. Sind warm.
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Wir sind jung. Und halten es aus, jung zu sein. Wie lang halten wir es aus? Wie lang, bis es sich auf Arme, Beine, Rumpf und schließlich Kopf niederschlägt? Es läuft bereits wie durch ein Sieb. Immer schneller werdend. Wir schaufeln eifrig nach, um das Versiegen zu vergessen.
Mit einem Knall einschlagen. Brennend da sein. Explodieren und verschwinden.
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“Nur Kaputte!”, sagten sie und man selbst sagte sich: “Ja, genau das ist es. Das wird es sein müssen. Denn mehr ist nicht da.” Guten-Abend-Sagen um halb fünf Uhr morgens. Sich wundern über das erwiderte Guten-Morgen.
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Ganz heimlich gesteht man sich die Transformation zu, wobei man sie gleichzeitig noch zu ignorieren versucht, nicht glauben will, längst auch schon ein Kaputter zu sein, der mit Farben bekleckert und zerfahrenen Haaren noch kurz vor Ladenschluss die letzten Einkäufe erledigen will. Der Versuch, Altes und Neues in Einklang zu bringen, endet wie ein Frontalaufprall mit diesem schönen Schockzustand. Weit ab.
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Mit einer Hand am Abzug des Lebens bleibt es anstrengend - jetzt rüberziehen! Und nur die erste Zigarette am Morgen, in der Kälte eines dunkel verhangenen Tages, wäscht in bauchigen Böhen all die Schleier von den Augen. Aufs Fensterbrett gelehnt verfällt das Jahr, die Furchen werden tiefer.
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Indoor-Kinderspielplätze mit 2 Euro Eintritt. Kaputte Kinder hangeln sich an Indoor-Stahlstangen über Indoor-Plastiksand. Verschluckbare Kleinteile, wohin man schaut. Kaputte Eltern lesen Super Illu nebenan auf Indoor-Plastkholzimitatbänken. Ökonomisch potentes Nicht-Weinen. Aber überall latentes Trauern.
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Aufzusteigen. Auferstehen.











