Kategorienarchiv Literatur

  • Es ist ein verfrühter Sommertag, der nur auf dem Kalender noch zum verspäteten Frühling gehört. In der Straßenbahn ist es heiß, die Fenster sind kreisrund beschlagen und schwer atmend überlege ich, welche der Mitfahrenden ohne Weiteres dazu fähig wären, jemandem sämtliche Knochen zu brechen und welche von ihnen es schaffen könnten, jemanden psychisch zerbrechen zu lassen.

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  • “Langweilt dich der Sommer irgendwie?”
    Julia steht in der Tür, nachdem sie, wie sie es immer macht, nur kurz angeklopft und danach gleich die Tür aufgerissen hat. Sie schaut mir in den Rücken mit ihrem durchdringenden Blick, ich hocke am Schreibtisch, in der Linken eine Zigarette balancierend und auf die wenigen Zeilen des Vormittags schauend.

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  • Françios Duc de La Rochefoucauld hat einmal gesagt: “Wer sich viel mit dem Kleinen abgibt, wird unfähig für Großes.”

    Ich glaube das.

    Nicht kleckern, sondern klotzen muss man. Den meisten Leuten ist es extravagant genug, sich lustige Buttons ans Revert zu stecken und ein Erasmus-Jahr lang zwischen den Beinen möglichst vieler Frauen mit möglichst abgefahrenen Intimfrisuren zu verbringen.

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  • (erweitert um ein gutes Ende)

    Es ist überall der gleiche Trott, in Leipzig, Berlin, ganz Deutschland, der Welt und wahrscheinlich überall. Verbrechen, Leid, Terror, Kinderarbeit, Volkswagen und CDU.
    Aber als ob das nicht reichen würde, geht es jedes Jahr aufs Neue wieder los, alles wiederholt sich und bringt das ewig gleiche Schema von grün behangenen Bäumen, bunten Blüten, morgens eher, abends länger hell … es wird Frühling.

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  • anfänger
    anfänger
    anfänger
    sagen sie
    immerzu
    wenn du zweifelst

    diese globalisierte welt
    mit prioritätspisse
    mit berufsblödsinn
    mit mobilitätsmist
    mit corporatekacke
    mit skillsscheiße
    mit abilityarschlecken
    und glücksgegnern

    und die stadt verliert
    eine ihrer säulen
    die tage werden spröde oder
    nur ich

    und falsch steigt die Sonne
    in den himmel
    während es dunkel bleibt
    in mir

    und wie sollte man tun
    wenn alles wegbricht
    als sich einzulassen oder
    einfach abzuwarten

    und wie nicht ängstlich sein
    wenn es so gut ist
    dass es wie geträumt ist
    nur echt

    und du kommst zurück
    wie der frühling
    hast ihn im gepäck oder
    er dich

    ja
    ja
    ja
    es drauf ankommen lassen
    trotz angst
    gerade deshalb

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WILLKOMMEN!

Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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