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	<title>Neunzehnhundert :: Neue Introspektiven &#187; Literatur</title>
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	<description>The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.</description>
	<pubDate>Fri, 29 Aug 2008 16:04:27 +0000</pubDate>
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		<title>nicht anders zu k&#246;nnen</title>
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		<pubDate>Fri, 30 May 2008 20:45:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Es ist ein verfr&#252;hter Sommertag, der nur auf dem Kalender noch zum versp&#228;teten Fr&#252;hling geh&#246;rt. In der Stra&#223;enbahn ist es hei&#223;, die Fenster sind kreisrund beschlagen und schwer atmend &#252;berlege ich, welche der Mitfahrenden ohne Weiteres dazu f&#228;hig w&#228;ren, jemandem s&#228;mtliche Knochen zu brechen und welche von ihnen es schaffen k&#246;nnten, jemanden psychisch zerbrechen zu lassen.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Kurz darauf, der Blick einer alten Frau kreuzt den meinen, sie sieht m&#252;de aus. &#220;berhaupt wirken die meisten Leute hier schwer, tr&#228;ge und behebig, als h&#228;tten sie bereits genug an ihren eigenen Sorgen, noch dazu der Hitze zu schleppen. Ein junges M&#228;dchen sieht mich giftig an, sodass ich augenblicklich wegschaue, als h&#228;tte ich mich an ihren Augen verbrannt. Nicht weit von mir sitzt ein bulliger Typ mit zu einer Insel geschorenen Haaren und rasierten Beinen. Er tr&#228;gt ein T-Shirt mit der Aufschrift “Die Jung’s f&#252;rs Grobe”, unterlegt mit einem Bild, das zeigt, wie jemand einem anderen einen Stuhl auf den gekr&#252;mmten R&#252;cken drischt. Er schaut mit leeren Augen aus dem Fenster, als w&#252;rde er nicht &#252;berlegen, sondern einfach nur Aufnahmen seiner Umwelt konsumieren. Eine Weile muss ich &#252;berlegen, dann aber glaube ich es ihm.</p>
<p>Ich muss weg. So wie die Stadt im Sommer &#252;berquillt und die Stra&#223;en mit Leuten nur so &#252;berladen sind, bricht es aus mir heraus. Ich muss weg. Irgendwohin. Die schwei&#223;geschw&#228;ngerte Luft, der Drang aller, jetzt etwas erleben und die Jahreszeit gut finden zu m&#252;ssen, die &#252;bergro&#223;en Sonnenbrillen, die in diesem Jahr à la mode sind, aber nur jedem Dritten stehen, die Haare und das Salz.</p>
<p>An der Haltestelle hockt zwischen mehreren zerschlissenen T&#252;ten ein ausgemergelter Kerl und schaut erstaunt auf seine Handfl&#228;chen. Er blickt auf sie, als h&#228;tte er sie noch nie vorher gesehen, diese Handfl&#228;chen, die mit getrocknetem Blut und feinen Schnitten nur so &#252;bers&#228;t sind. Und er bemerkt nicht die Leute, die mit aufgerissenen Augen an ihm vor&#252;bergehen und wiederum ihn so anstarren, wie er seine H&#228;nde. Seine Armbeugen sind durchstochen, der Kopf sieht zerm&#252;rbt und matschig aus. Er tr&#228;gt eine dicke Winterjacke, dazu viel zu weite Boxershorts, die seinen gelblichen Schwanz am linken Bein herausschauen lassen. Die Winterjacke ist so vollgesogen mit Schwei&#223;, dass sie bereits braune Ringe unter den Achseln hat. Er staunt, als w&#228;re er gerade erst wieder zu sich gekommen. Und man glaubt es ihm, bei seinem Anblick.</p>
<p>Ich wei&#223; nicht, wohin ich will. Der Terminplaner zeigt verf&#252;hrerische Leere f&#252;r die n&#228;chste Zeit. Ich bin nicht besser, wenn ich mich gerade jetzt davon mache. Wom&#246;glich ist ein Nirgendwohin-Wollen, getrieben vom vorher st&#228;ndigen Dort-Und-Dorthin-Sollen, eine Flucht ins Umgekehrte. Dann, eine Frau mit einem Gesicht, das wie eine geballte Faust aussieht, so verkrampft ist es, schlurft vorbei. Wie sie wohl in jungen Jahren aussah? Ob sie geliebt worden ist? Geliebt wird? Mit den Jahren ist sie wohl rund geworden von der Gewohnheit. Oder der Entt&#228;uschung, was die tiefen Kerben auf ihrer Stirn erkl&#228;ren w&#252;rde.</p>
<p>Dr&#252;ben auf den Bahnhofsb&#228;nken f&#228;chelt man sich Luft zu. Man steht auf, wenn ein Zug einf&#228;hrt, um sich von der herein gedr&#252;ckten Luft &#252;berfahren zu lassen. Man tr&#228;gt kurz und eng, oder wallend und weit, egal, denn alles schwitzt. Den M&#228;nnern kleben die Haare an den Schl&#228;fen, in den Achseln haben sich dunkelbraune Wirbel geformt. Den Frauen gl&#228;nzen die Br&#252;ste und rosten die BHs. Ein paar Punks liegen auf dem Bahnsteig, Arm in Arm mit ihrem Sterni, zwei M&#228;nner tragen einen &#252;berdimensionalen Plasmafernseher vorbei, alles blickt ihnen nach, auch die Punks. Dort, wo die Sitzgelegenheiten keine Luftschlitze haben, sammelt sich das Wasser am Damm und bildet d&#252;nne, helle Krusten in den Hosen derer, die sich trotzdem darauf nieder gelassen haben. Und ich muss mir vorstellen, wie sie schwitzen, die Br&#252;ste, wie die klebrigen Haare auf den nassen H&#228;uten liegen, das ganze Gest&#246;hne, das Auf und Ab und die Ersch&#246;pfung danach, dazu der Geruch, der mit der Zeit reift wie ranzige Milch, aber niemandem auffallen wird, weil heute alles so riecht.</p>
<p>Ich muss weg. Einfach nur weg. Aber wie weit kommt man mit etwas wie einer BahnCard? Wie weit kommt man noch, wenn alles l&#228;ngst getan zu sein scheint und immer jemand einem Erlebnis, einem Ort und einer Zeit seine Nuance verpasst hast, wenn Identit&#228;t nur noch durch Abgrenzung erreicht werden kann. All das sollte &#252;berhaupt keine Rolle spielen, wenn man versucht, der geistigen Entr&#252;cktheit eine k&#246;rperlich reelle folgen zu lassen. Aber genau das tut es. Man kann nicht einfach f&#252;r die Dauer, die man zum Nachdenken braucht, verschwinden, genauer noch sich in Luft aufl&#246;sen und nicht einmal in Luft, sondern in blo&#223;es Nichts, ja nicht einmal in Nichts, sondern in. Nur hohl kann man sein, eine H&#252;lle. Gerade das ist das Schwierigste: einfach nur weg zu m&#252;ssen, aber kaum weg zu k&#246;nnen.</p>
<p>Ich steige in den Zug. Vielleicht ist es nicht das Richtige. Aber es ist ein Anfang. Egal wohin, egal wof&#252;r. Eine Fahrkarte brauche ich nicht. Man wird in mir heute keinen Fahrgast erkennen.</p>
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		<title>ankommen, da bleiben, wieder gehen</title>
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		<pubDate>Sun, 25 May 2008 13:15:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>&#8220;Langweilt dich der Sommer irgendwie?&#8221;<br />
Julia steht in der T&#252;r, nachdem sie, wie sie es immer macht, nur kurz angeklopft und danach gleich die T&#252;r aufgerissen hat. Sie schaut mir in den R&#252;cken mit ihrem durchdringenden Blick, ich hocke am Schreibtisch, in der Linken eine Zigarette balancierend und auf die wenigen Zeilen des Vormittags schauend.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Ob mich der Sommer langweilt.<br />
Eigentlich tue ich nur das, was ich immer tue. Ich komme irgendwoher, sehe mein aufger&#228;umtes Zimmer, stelle mein Zeug ab, sodass es gleich wieder ein wenig bewohnt aussieht und setze mich an den Schreibtisch. Ich hole mir etwas zu trinken, das ich mir im Voraus gekauft habe, z&#252;nde mir eine Zigarette an und fahre den Computer hoch. Ich kann die langen Passagen nur auf der Tastatur tippen.</p>
<p>&#8220;Wenn du weg bist, sieht das hier immer unendlich steril aus, als w&#252;rde hier niemand wohnen.&#8221;<br />
Sie sagt es trocken, aber nicht weniger vorwurfsvoll. Ich wei&#223;. Und ich mag es, mein Zimmer aufzur&#228;umen, bevor ich es f&#252;r eine Zeit lang verlasse. Ich mag es, es aufzur&#228;umen, aber nicht zu s&#228;ubern und die Staubfl&#228;chen unangetastet zu lassen, sodass es wirklich aussieht, als h&#228;tte man seit Unzeiten nichts mehr daran ver&#228;ndert, weil sein urspr&#252;nglicher Bewohner verstorben oder spurlos verschwunden ist. Ich mag, dass es klein ist, nahezu jeder Quadratmeter benutzt und nur ein kleiner Gang hin zu den Fenster offen geblieben ist.</p>
<p>&#8220;Du h&#228;ttest ruhig mal Bescheid sagen k&#246;nnen, als du wiederkamst.&#8221;<br />
Aber es passt gut dazu. Gut zu dem warmen Gef&#252;hl der Stetigkeit. Dazu, dass sich nichts ver&#228;ndert haben scheint und es aussieht, als sei man nur kurz weg gewesen. Dann die Tage langhin d&#252;mpeln zu lassen, Zeitung zu lesen und Zigaretten zu rauchen, die Tasche aber nur wenig auszupacken. Ein paar Alltagsgesch&#228;fte, gewaschene W&#228;sche, die Eink&#228;ufe, das erneute Aufr&#228;umen entlang des schmalen Ganges. Um dann wieder weiter zu ziehen.</p>
<p>Und Julia gibt mir ein paar Sekunden zum &#220;berlegen, wobei wir beide wissen, dass ich diesbez&#252;glich nicht mehr &#252;berlegen muss, sondern die Antwort nur ruhig und gelassen im Kopf hin und her schwenke, wie einen alten Whiskey im Glas. Ich drehe mich nicht um, sondern dr&#252;cke die heruntergebrannte Zigarette aus, sie schlie&#223;t die T&#252;r , ich mache dort weiter, wo ich aufgeh&#246;rt habe.</p>
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		<title>Meine Berufsw&#252;nsche [1] – Rockstar</title>
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		<pubDate>Thu, 22 May 2008 09:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p><a title="Wikipedia: Françios Duc de La Rochefoucauld" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_de_La_Rochefoucauld" target="_self">Françios Duc de La Rochefoucauld</a> hat einmal gesagt: &#8220;Wer sich viel mit dem Kleinen abgibt, wird unf&#228;hig f&#252;r Gro&#223;es.&#8221;</p>
<p>Ich glaube das.</p>
<p>Nicht kleckern, sondern klotzen muss man. Den meisten Leuten ist es extravagant genug, sich lustige Buttons ans Revert zu stecken und ein Erasmus-Jahr lang zwischen den Beinen m&#246;glichst vieler Frauen mit m&#246;glichst abgefahrenen Intimfrisuren zu verbringen.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Aber es reicht nicht allein BWL zu studieren und ein Semester in Hinterindien und Hintern von Inderinnen zu weilen, nein, wenn man sein Leben schon auf diese Art und Weise wegwerfen will, dann muss man auch konsequent sei, dann muss man auch stolz rosafarbene Poloshirts, ein h&#252;bsches Blondchen an der Seite und literweise Gel auf dem Kopf spazieren f&#252;hren.<br />
Es reicht auch nicht Politikwissenschaften zu studieren, ohne gleichzeitig zum Semesterbeitrag das Geld f&#252;r die Jungle World zu &#252;berweisen und im Rucksack stets und st&#228;ndig den ein oder anderen Pflasterstein mit sich herumzutragen. Eigentlich m&#252;sste man dann auch sp&#228;ter Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank werden und Menschen verachten, bzw. hinter einem Schreibtisch bei der EU in Br&#252;ssel verstauben, aber egal.</p>
<p>Etwas Gro&#223;es m&#252;sste es sein, das man anf&#228;ngt mit seinem Leben, etwas mit Substanz, weswegen Politik und Wirtschaft gleich zu Beginn ausscheiden. Pr&#228;sident der USA kann ja, wie man 2000 und 2004 gesehen hat, jeder Idiot werden.</p>
<p>Ich bin da jedenfalls anders. Schon damals in der Schule ging es los. W&#228;hrend die Anderen davon tr&#228;umten, Lokf&#252;hrer zu werden und dieses Vorhaben erst dann begruben, als sich die ersten Horden Take-That-Fans vor die Triebwagen warfen, hatte ich ganz andere Ziele.</p>
<p>Ich wollte <strong>Rockstar</strong> werden.</p>
<p>Rockstar, ja, das volle Programm. In einer kleinen Garage anfangen, Demotapes durchs ganze Land schicken, nat&#252;rlich nirgendwo gesignt werden, auf anstrengenden Parties allein wegen des Freibiers auftreten, es folgen Groupies, nervenzehrende Touren in Kleinbussen, nasenaufreibendes Koks und Tattoowierungen an Stellen, die man eigentlich niemals irgendjemandem hatte zeigen wollen. Der klassische Scheideweg, wenn man so will. Entweder man schafft den Sprung in Kommerzialit&#228;t und Hass der Fans erster Stunden oder man bleibt h&#228;ngen, wo man ist, irgendwo zwischen Volksfest und dickem Bauch.</p>
<p>Als ich meinen Eltern freudestrahlend meinen Entschluss, einen Fu&#223; in die Hall of Fame des Rock’n’Roll zu kriegen, verk&#252;ndete, sch&#252;ttelten diese unentwegt den Kopf. Ich hasste sie daf&#252;r und habe ihr Ablehnen erst wirklich verstehen k&#246;nnen, als Daniel K&#252;blb&#246;ck pl&#246;tzlich durchs Unterschichtenfernsehen zu taumeln begann. Sie meinten es wohl nur gut mit mir.</p>
<p>Mittlerweile habe ich so lange mit der Verwirklichung meines Traumes gez&#246;gert, dass ich f&#252;r ein gepflegtes Rockstardasein wahrscheinlich eh schon viel zu alt geworden bin. Denn wenn alle gro&#223;en Rockstars mit 27 Jahren sterben, bleiben mir gerade einmal noch 5 Jahre, um die gesamte Gausssche Glockenkurve einer Rockstarexistenz zu durchlaufen, ehe ich durch eine &#220;berdosis Heroin, einem erbrochenen Abendessen oder einer Ladung Schrot ins Jenseits &#252;bergehen d&#252;rfte.</p>
<p>Das w&#228;re doch anstrengend. Ich kann ja noch nicht einmal Gitarre spielen, auch wenn mir das in puncto Frauen und meinen Erasmusvorurteilen sicherlich manchmal gut getan h&#228;tte. Wenigstens bis zur obligatorischen Schrotflinte habe ich es gebracht.</p>
<p>Aber das ist eine andere Geschichte.</p>
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		<title>Warum mir der Fr&#252;hling unangenehm ist</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Apr 2008 07:32:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p style="padding-bottom: 30px">(erweitert um ein gutes Ende)</p>
<p>Es ist &#252;berall der gleiche Trott, in Leipzig, Berlin, ganz Deutschland, der Welt und wahrscheinlich &#252;berall. Verbrechen, Leid, Terror, Kinderarbeit, Volkswagen und CDU.<br />
Aber als ob das nicht reichen w&#252;rde, geht es jedes Jahr aufs Neue wieder los, alles wiederholt sich und bringt das ewig gleiche Schema von gr&#252;n behangenen B&#228;umen, bunten Bl&#252;ten, morgens eher, abends l&#228;nger hell &#8230; es wird Fr&#252;hling.</p>
<p><!--more--></p>
<p>«Fr&#252;hling l&#228;sst sein blaues Band wieder flattern durch die L&#252;fte.», blah, blah, M&#246;ricke, blah, der Lenz ist da, der Lenz ist da mit all seinen Pollen, der ersten dicken Erk&#228;ltung im Jahr und einem Ph&#228;nomen, das von all seinen Mitbringseln am schwersten wiegt und am weitesten reicht, der Keimzelle einer Brut, die von nun an wieder die Parks, die Stra&#223;encafés und den gesamten &#246;ffentlichen Raum s&#228;umt und seucht: Verliebte!</p>
<p>Was haben eigentlich alle gegen Verliebte, fragt man sich da? Na, NICHTS! Sonst g&#228;be es ja keine Verliebten mehr!</p>
<p>Im Fr&#252;hjahr schlagen die Herzen der Leute h&#246;her, was vielleicht von der zur l&#228;ngeren Tageshelligkeit indirekt proportional immer knapper werdenden Kleidung und der daraus resultierenden erh&#246;hten Dopamin- und Serotoninaussch&#252;ttung kommt. Kurz: Die sind alle stoned! Woodstock ist wieder da! Und das jetzt sogar weltweit!</p>
<p>Niemand w&#252;nscht sich Verliebte zum Freund. Prinzipiell kann niemand Verliebte zum Freund haben, denn eine Freundschaft erfordert Zeit, um gemeinsam Dinge zu erleben und dadurch stets und st&#228;ndig die Bande der Freundschaft aufrecht erhalten zu k&#246;nnen, aber Zeit, ja Zeit haben Verliebte eben keine mehr. Da lohnt es nicht einmal, ihnen ach so vorwitzig zum Geburtstag, oder noch besser zum Jahres- oder MONATSTAG einen Terminplaner zu schenken, denn den brauchen sie nicht. Da gibt es schlie&#223;lich auch viel Wichtigeres zu tun, wie DVD-Abende mit unverst&#228;ndlichen, franz&#246;sischen Schwarz-Wei&#223;-Filmchen, 5-Minuten-Terrinen mit hei&#223;em Wasser aufzugie&#223;en und das dann <em>Kochen</em> zu nennen oder einfach den ganzen Abend an sich herumzuspielen.</p>
<p>Niemand w&#252;nscht sich Verliebte zum Freund, es sei denn es sind selbst Verliebte. Die k&#246;nnen dann zusammen ins Kino oder zum Aquajogging gehen, gemeinsam v&#246;llig abgefahrene Fahrradtouren &#252;ber unheimlich interessante D&#246;rfer und Kappstra&#223;en unternehmen oder in Gruppen pausenlos perverse Partnerspielchen treiben, zum Beispiel Raclette-Essen, Erasmus-Sprachtandems oder so etwas Abgespacetes.</p>
<p>Wenn man es mit Verliebten zu tun hat, so wird das ohnehin schon viel zu l&#228;stige Alltagsgesch&#228;ft noch nervenaufreibender. Verliebte kann man eigentlich nicht einmal mehr ohne nachzudenken anrufen, da man sich immer &#252;berlegen muss, ob denn die momentane Uhrzeit eine passende Zeit f&#252;r einen Anruf ist.<br />
Hat man sich dann doch zu einem Anruf durchgerungen, weil man gerade in der Klemme oder der Mitbewohner mit dem Kopf im Gasofen steckt, die Welt Kopf oder das Haus in Flammen steht, dann ist das gar nicht so einfach. Hat man es bis dato n&#228;mlich immer geschafft, eine Verabredung zum Saufen, Dancen oder Debattierclub innerhalb von einer Minute auszumachen, so dauert es bei einem Liebeskranken schon einmal 5 Minuten, ehe man ihn &#252;berhaupt ans Telefon bekommt. Es klingelt und klingelt, man hat auf dem kleinen Notizblock auf der Anrichte schon mehrere k&#252;nstlerische Meisterwerke skizziert und ist gerade im Begriff wieder aufzulegen, ehe dann doch jemand v&#246;llig fertig abhebt:</p>
<p>UND ES ST&#214;HNT.<br />
Und man fragt vorsichtig: «St&#246;r&#8217; ich?»<br />
UND ES ST&#214;HNT, «N&#246;.»</p>
<p>Und sollte durch irgendein Wunder oder g&#246;ttliche F&#252;gung doch der Fall eines Treffens eintreten, so kommen Verliebte nat&#252;rlich immer im DOPPELPACK, wobei dieser Begriff wirklich unglaublich treffend ist: DOPPEL-PACK!<br />
So h&#228;ngen sie dann ineinander verkeilt am Rande des Dancefloors rum und tun &#8212; NICHTS &#8212; weswegen man dann nach 5 Bier und 3 Wodka endlich hinzutritt und sie locker in das Geschehen einbinden will, wie: «EY DIE MUGGE IST JA DER HAMMER!»<br />
Aber, nein, nein, Verliebte l&#228;sst man lieber allein! Verliebte sind Verlorene! Denn schlie&#223;lich hei&#223;t sich zu verlieben auch zuerst einmal immer etwas zu verlieren. Etwa individuellen Freiraum oder die Sprache. Da gibt es keine Diskussionen mehr, sondern nur noch «Wie du willst!», jeder Satz beginnt von nun an mit «Du Schaaahaaatz?!» und man gibt sich gruselige Kosenamen wie <em>M&#228;uschen</em>, <em>Hasiputzi</em> oder <em>Lippenspalter</em>.</p>
<p>Es ist schrecklich! Verliebte sind &#252;berall!</p>
<p>Den ganzen Tag lang streifen diese verliebten P&#228;rchen gierig grinsend durch die Gassen, warum auch immer, vielleicht weil sie auf der Suche nach Seelen sind, die sie mit sich in die H&#246;lle rei&#223;en k&#246;nnen oder weil sie besonders suizidal anmutende Singles jagen wollen. Wenn solch ein armer Single dann nichts ahnend und friedlich hinter einer dieser Jagdgemeinschaften her schlendert, dann ist die Wahrscheinlichkeit gro&#223;, dass sie URPL&#214;TZLICH einfach ABRUPT stehen bleiben und sich erst einmal wieder gegenseitig die Kauleisten abtasten m&#252;ssen, sodass der unbescholtene Single entweder aufl&#228;uft und sich die Nase an der Schulter des Typens zertr&#252;mmert oder geistesgegenw&#228;rtig automatisch ausweicht, auf die Bundesstra&#223;e Nummer 2 taumelt und von einem heran rollenden Laster &#252;berfahren wird. Opfer tot oder lebendig scheint in der H&#246;lle also keine gro&#223;e Rolle zu spielen.</p>
<p>Wenn man verliebt ist, dann schaukelt sich die Entwertung des Ichs zum Wir bis ins schier &#8212; Unendliche.</p>
<p>Bald schon sieht man sich wieder regelm&#228;&#223;iger in einem fremden Bad, einem Frauenbad mit Frauendusche und alle den kleinen Frauens&#228;chlein darin, den ganzen Frauengels, Frauenshampoos und Frauenrasierern, die einem beim Duschen dann ins Fu&#223;becken rutschen. Man tritt rein und stirbt. Was gibt es denn Schlimmeres, als nicht einmal im eigenen Bad verbluten zu k&#246;nnen?</p>
<p>Aber mal ehrlich:<br />
Wenn man es recht bedenkt ist das alles ein ziemlich kleines &#220;bel f&#252;r den &#252;beraus lohnenden Wechsel, den man dabei erh&#228;lt.<br />
Es ist ein sch&#246;nes Gef&#252;hl, in den noch kalten N&#228;chten gemeinsam an einer Haltestelle zu stehen, sich festzuhalten und sich vorzustellen, es w&#228;re warm, um der K&#228;lte, die sich einem um die Waden windet, endlich wieder Herr zu werden. Sch&#246;n ist es, am Wasser in wei&#223;en Segeltuchhemden den Wind auf der Haut zu sp&#252;ren, mit dunkelblauen Hosen und Kordeln, die zwischen den Fingern ratschen. Etwas, das einem schwer auf der Haut liegt, aber von der durchstr&#246;menden Luft getragen wird. Lebendige Luftpolster zwischen den kleinen H&#228;rchen. Wie Liebe zum Anziehen. Sch&#246;n, sich nachts gemeinsam ein Essen zu teilen und den Geschmack des Anderen noch auf der Gabel zu haben. Wie ein Kuss mit Zwischenlandung. Sch&#246;n, sich zu f&#252;hlen, als sei man v&#246;llig allein auf der Welt und darin nicht l&#228;nger ein Problem zu sehen, sondern sich stattdessen gegenseitig vollends zu gen&#252;gen. Und dann in den Stra&#223;en verdunstenden Regen einzuatmen und sich wie der Fr&#252;hling selbst zu f&#252;hlen. Mit Herzen, die schneller als jedes Maschinengewehr schlagen und anders als jede Waffe nicht vernichten, sondern lebendig machen und Leichtigkeit verspr&#252;hen.</p>
<p>Um dann nachts beim Araber vergeblich Pommes zu verlangen und gemeinsam schreiend durch den Bahnhof zu st&#252;rmen, bis der BGS erwacht, auf dem Marktplatz Hochsprungwettbewerbe zu veranstalten und r&#252;ckw&#228;rts auf einem Bein &#252;ber Pf&#252;tzen zu springen, aus der Stadt zu stapfen und Kornkreise in die Felder zu ziehen, Wolken wegzupusten und Sterne anzugucken, 2008 schon 2009 zu sein. Oder 2010!</p>
<p>Findet sich zwischen all der Ruhelosigkeit des Alltags nicht immer ein Wunsch nach Ruhe? Liegt im Unsteten nicht immer ein wohlig warmes Gef&#252;hl ob des Stetigen? Setzt man dem Chic des Ausgefallen nicht immer auch das Spie&#223;b&#252;rgerliche entgegen? Und braucht man nicht beides?</p>
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		<title>zulassen lernen</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Apr 2008 19:36:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>anf&#228;nger<br />
anf&#228;nger<br />
anf&#228;nger<br />
sagen sie<br />
immerzu<br />
wenn du zweifelst</p>
<p>diese globalisierte welt<br />
mit priorit&#228;tspisse<br />
mit berufsbl&#246;dsinn<br />
mit mobilit&#228;tsmist<br />
mit  corporatekacke<br />
mit skillsschei&#223;e<br />
mit abilityarschlecken<br />
und gl&#252;cksgegnern</p>
<p>und die stadt verliert<br />
eine ihrer s&#228;ulen<br />
die tage werden spr&#246;de oder<br />
nur ich</p>
<p>und falsch steigt die Sonne<br />
in den himmel<br />
w&#228;hrend es dunkel bleibt<br />
in mir</p>
<p>und wie sollte man tun<br />
wenn alles wegbricht<br />
als sich einzulassen oder<br />
einfach abzuwarten</p>
<p>und wie nicht &#228;ngstlich sein<br />
wenn es so gut ist<br />
dass es wie getr&#228;umt ist<br />
nur echt</p>
<p>und du kommst zur&#252;ck<br />
wie der fr&#252;hling<br />
hast ihn im gep&#228;ck oder<br />
er dich</p>
<p>ja<br />
ja<br />
ja<br />
es drauf ankommen lassen<br />
trotz angst<br />
gerade deshalb</p>
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		<title>Leipziger Buchmesse 2008 - Teil 2</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Mar 2008 21:35:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p><strong>Wie mich die Gesellschaft als Punching-Ball missbraucht</strong></p>
<p>Man sollte nicht nachts um 1 Uhr noch auf die Idee kommen, zwei Kannen Kaffee trinken, das wissen Steffen und ich sp&#228;testens jetzt ganz genau, da wir nach der Lesung in dem kleinen Backstagekabuff sitzen und gegen die M&#252;digkeit ank&#228;mpfen. Wie wir den Slam am Abend &#252;berstehen sollen steht in den Sternen.<br />
&laquo;Wollen wir uns noch ein wenig die Messe angucken?&raquo;, frage ich.<br />
&laquo;Ja.&raquo;, sagt Steffen.<br />
Ohne jede Bewegung bleiben wir sitzen.</p>
<p><!--more--></p>
<p>&laquo;Feuer bek&#228;mpft man am besten mit Feuer!&raquo;, wirft Tom ein, der als Einziger quicklebendig aussieht, &laquo;Ihr m&#252;sst einfach weiter Kaffee trinken!&raquo;.<br />
Und so machen wir uns auf zu einem der Imbiss- und Getr&#228;nkest&#228;nde an den Hallenenden, um uns erneut mit jenem Brodem zu versorgen, der uns die vorangegangene Nacht und nicht zuletzt auch den bisherigen Tag entschieden versaut hat.</p>
<p>&laquo;Habt ihr auch Milch?&raquo;, will Tom von der dicken Verk&#228;uferin wissen, die in puncto Freundlichkeit wahrscheinlich aus Berlin importiert worden ist und deren rechte Augenbraue immerfort wahnsinnig vor sich hin zuckt, so als w&#252;rde sie gleich hinter der Theke vorspringen und mit einem mitgebrachten MG das Feuer auf das Laufpublikum er&#246;ffnen.<br />
&laquo;Hinter Ihnen!&raquo;, mault sie.<br />
Tom dreht sich um und schaut mir direkt in die Augen.<br />
&laquo;Ach! Ich habt sogar eine eigene Kuh!&raquo;<br />
&laquo;Jaha, wir haben sogar eine eigene Kuh…&raquo;, &#228;fft die dicke Frau ihn nach.<br />
&laquo;Aber den kenn&#8217; ich.&raquo;, erkl&#228;rt Tom, &laquo;Das ist keine Kuh, sondern ein Bulle. Bei dem kommen immer nur Spritzer!&raquo;<br />
Die restlichen Thekenmenschen beginnen, mich auszulachen, w&#228;hrend Tom wild gestikulierend seine Erkenntnis dazustellen versucht.<br />
&laquo;Und das flockt auch immer so im Kaffee!&raquo;</p>
<p>Geplatzte Bockw&#252;rste und bayrischer Kartoffelsalat, der eigentlich warm sein m&#252;sste, aber eiskalt ist, als das zusammengehalten von preislich horrenden 7 Euro.<br />
&laquo;Ist doch schei&#223;e hier!&raquo;, muckiert sich Steffen, der vergessen hat, seine CDs mitzubringen, um so die ein oder andere gegen ein Mittagessen eintauschen zu k&#246;nnen.<br />
Wir kauen gelangweilt auf unserem Essen und starren versteinert auf die vorbei flanierenden Besucher.<br />
&laquo;Alt oder bekloppt!&raquo;, fasst Tom zusammen, &laquo;Entweder du bist hier &#252;ber 50, tr&#228;gst beigefarbene Jacken, karierte Schieberm&#252;tze und hast eine Frau mit roter Emobrille, die so fette Furchen im Gesicht hat, dass Getreide darin wachsen k&#246;nnte oder du bist gerade erst 12 geworden, bist verr&#252;ckt und hast keine Freunde, die dich davon abhalten w&#252;rden, dich hier l&#228;cherlich zu machen.&raquo;<br />
Irgendwann h&#228;lt er wahllos ein paar Jugendliche an, die bunte Stirnb&#228;nder mit gravierten Metallplatten an der Stirn, ausladende Kimonos und kiloweise Babyspeck mit sich herumtragen:<br />
&laquo;Hey! Hey! Hey! Wo haben die euch denn rausgelassen?&raquo;<br />
&laquo;Wir sind in Halle 2!&raquo;, erkl&#228;ren sie.<br />
&laquo;Halle 2, soso! Das ist die mit den gepolsterten W&#228;nden, oder?&raquo;<br />
Aber die Cosplay-Kumpanen verstehen nicht und gehen irritiert weiter.<br />
&laquo;Ich will in Halle 2!&raquo;, kreischt Tom und rennt davon.</p>
<p>Hallo 2 also. W&#228;re ich religi&#246;s, denke ich, w&#252;rde ich mir so das Tor zu H&#246;lle vorstellen. Erst Bildungsb&#252;cher und dann schlie&#223;lich Mangas. Dabei sind es gar nicht die Mangas, die mich wie einen Zombie mit herunter gelassener Kinnlade durch die die G&#228;nge wanken lassen, sondern vielmehr die Heerscharen von Mangafans, die sich inmitten der Halle auf einer kleinen Insel niedergelassen haben und sich im Blitzlicht der halb am&#252;sierten, halb erschreckten Besucher aalen.<br />
&laquo;Gucke, gucke, gucke!&raquo;, ruft Tom immer wieder begeistert und kommt nicht mehr von seiner Kamera los, &laquo;Guck da!&raquo; und &laquo;Oh mein Gott!&raquo;<br />
Und so Unrecht hat er nicht. Etwa drei&#223;ig dickliche Dreizehnj&#228;hrige hocken da in ihren Kost&#252;men, mal absolut l&#228;cherlich, mal gar nicht so schlecht, wenn man zum Beispiel das <em>Lila-Sack-M&#228;dchen</em> nimmt, so habe ich es getauft, das, wie der Name schon sagt, in einem unf&#246;rmigen, lilafarbenen Sack heruml&#228;uft und damit wenigstens ihrer Figur restlos Bu&#223;e tut.</p>
<p>&laquo;Diese… armen… Kinder…&raquo;, stammelt Steffen immer wieder. Steffen wei&#223;, wie sie sich f&#252;hlen. Kurz zuvor hat er uns mit Tr&#228;nen in den Augen gestanden, fr&#252;her selbst bei der ein oder anderen Star-Trek-Convention gewesen zu sein. &laquo;Aber ohne Kost&#252;m!&raquo;, hatte er immer wieder betont. Er sei ja schon viel gewohnt, habe schon viel gesehen, damals, in dieser schweren Zeit, erkl&#228;rte er uns anschlie&#223;end, aber gegen charakterschwache Teenies in m&#228;&#223;ig geschneiderten, durchgehend viel zu eng geschnittenen Klamotten st&#252;nde selbst ein einwandfreier Klingone noch wie ein Spie&#223;b&#252;rger par excellence da.<br />
&laquo;Das kommt aber nur daher…&raquo;, widerspricht Tom, &laquo;Das kommt nur daher, dass Star Trek im Laufe der Zeit gesellschaftlich akzeptiert worden ist. So wie Prostitution in bestimmten Ecken. &#220;berhaupt ist Prostitution gar nicht so weit von Cosplay entfernt. Beides macht dich kaputt, beides ist erniedrigend und beides bietet meist einen guten Einstieg in den stickigen Sumpf aus Drogen und Kriminalit&#228;t.&laquo;<br />
Steffen aber wiegelt ab, &laquo;Aus mir ist doch auch etwas geworden!&raquo;.<br />
&laquo;Jaaa, damals war die Toleranz auch noch nicht so gro&#223;! Heute kommst du ins Fernsehen, wenn du nur bekloppt genug bist! Sei froh, dass es damals noch kein RTL 2 gab, mein Lieber!&raquo;, konstatiert Tom und zeigt im Vorbeigehen beil&#228;ufig auf den anliegenden RTL 2-Stand.</p>
<p>Halle 2 hat mich traurig werden lassen. Etwas wehm&#252;tig stehe ich in der Eingangshalle und schaue von einer Br&#252;cken hinab auf die Fressmeile, auf der sich hunderte Besucher gerade gen&#252;sslich allerlei W&#252;rste und Bouletten in die H&#228;lse schieben. Warum muss immer alles so schwer sein? Die Welt k&#246;nnte so ein sch&#246;ner Ort sein. Aber &#252;berall gibt es Leid, &#252;berall Krieg, &#252;berall Hunger und als ob das nicht schon genug w&#228;re gibt es nun auch noch Cosplay.<br />
Aber w&#228;hrend ich versuche, die Nummer der Telefonseelsorge herauszubekommen, h&#228;ngt Tom schon halb &#252;ber dem Gel&#228;nder und sondiert das Gel&#228;nde. Dann pl&#246;tzlich l&#228;sst er sich mit einem Ruck zur&#252;ck in die Aufrechte rei&#223;en, wirbelt wie ein Irrer seine sperrige Papiertasche durch Luft, schleudert sie mit aller Kraft mitten in die Menge der Essenden und schreit dabei un&#252;berh&#246;rbar:<br />
&laquo;F&#252;r Allaaah!&raquo;<br />
Nach etwa 5 Sekunden ist die Fressmeile leer.<br />
&laquo;Siehst du?&raquo;, stupst er mich an, &laquo;Keiner mehr da. H&#228;tten wir mal bei den Mangamenschen machen sollen, da w&#228;ren viele hier dankbar gewesen!&raquo;</p>
<p>Aber dankbar ist man uns wenig:<br />
&laquo;So. Sie haben jetzt Hausverbot. Das hei&#223;t, dass f&#252;r sie die Messe vorbei ist!&raquo;, erkl&#228;rt uns ein d&#252;rrer Typ mit einem werbebekleisterten T-Shirt, nachdem uns einige bullige Security-Gorillas zum Ausgang geschleift haben, sehr zur Freude Steffens, der ihre Existenz fast schon nicht mehr f&#252;r m&#246;glich gehalten hatte. &laquo;Bitte kommen Sie nicht wieder hierher.&raquo;<br />
Er will uns unsere Karten abnehmen und guckt etwas irritiert, als er die Worte <em>Special Visitor</em> darauf entdeckt.<br />
&laquo;Wie, sie machen hier mit?&raquo;, fragt er.<br />
&laquo;Na, aber selbstverfreilich!&raquo;, grinst Tom.<br />
&laquo;Warum veranstalten Sie dann solch einen Unsinn? Nur weil Sie K&#252;nstler sind?&raquo;, er hat <em>K&#252;nstler</em> gesagt, denke ich und muss grinsen, womit ich sogleich ungewollt seine Aufmerksamkeit auf mich ziehe, &laquo;S-S-S-Sie k&#246;nnen froh sein, dass… Sind sie jetzt die ganze Messe &#252;ber hier? Machen Sie so etwas nicht noch einmal, h&#246;ren Sie mich?&raquo;<br />
Wir verabschieden uns mit Handkuss.<br />
&laquo;Und f&#252;r morgen r&#252;hren wir uns einen gro&#223;en Topf mit falscher Kotze an!&raquo;, freut sich Tom im Auto.</p>
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		<title>Abwarten</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Mar 2008 15:21:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Wie erloschene Blindg&#228;nger<br />
starren die B&#228;ume gen Himmel,<br />
tentakelnd traurige Tiere<br />
ergehen sich auf den Wegen,<br />
unter den tief h&#228;ngenden &#196;sten.</p>
<p>Wie geleert ich im Gr&#252;n liege,<br />
ausgedorrt, entseelt und<br />
fragend, wo Wei&#223;russland ist.<br />
Und ohne Antwort weiter,<br />
weiter fragend liegen bleibe.</p>
<p>Wie ich dich sehen m&#246;chte,<br />
in gebl&#252;hmtem Kleid<br />
und Himmelblau im R&#252;cken,<br />
mit Wind unter den Armen,<br />
auf gepunkteten Wiesen.</p>
<p>Wie nerv&#246;s und aufgeregt<br />
will ich den Zug beim<br />
Einfahren und Halten h&#246;ren,<br />
dich aussteigen und laufen sehen,<br />
geschw&#228;ngert von guter Zeit.</p>
<p>Um dann r&#252;cklings im Gras<br />
deinen Duft flattern sp&#252;ren<br />
unter jenem Himmel,<br />
der doch f&#252;r alle gleich ist &#8212;<br />
in Wei&#223;russland und hier.</p>
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		<title>wonach wir suchen</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Mar 2008 17:01:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>da sind sie<br />
den ganzen tag unterwegs und leben und<br />
planen und beben und<br />
wagen und streben und<br />
reden und reden und reden und<br />
sagen nichts</p>
<p>rennen kilometerweit auf dem stepper<br />
obwohl sie nur auf der stelle treten</p>
<p>fotographieren sich vorm eiffelturm<br />
nur dass es nicht ums dagewesen sein geht<br />
sich vielmehr ums dasein dreht</p>
<p>wechseln die stimmung nach bedarf<br />
es noch etwas anderem?</p>
<p>denken ist so 2008<br />
das mach ich jetzt auch</p>
<p>warum es nicht alles so einfach sein kann<br />
warum es nicht alles so einfach sein kann<br />
warum es nicht alles so einfach sein kann<br />
sondern anstrengend bleiben muss</p>
<p>zu l&#228;cheln und<br />
gleichzeitig<br />
da zu sein<br />
zuk&#252;nftig<br />
da zu bleiben</p>
<p>verg&#228;nglich<br />
besonders zu sein<br />
im nachhinein</p>
<p>ich schenke mir eine portion selbst<br />
mitleidig blicke ich an mir herab<br />
wertend</p>
<p>schwer, aber nichtsdestotrotzk&#246;pfig lose<br />
von der welt, weit ab und hoch dar&#252;ber<br />
bleibt es schwer und<br />
sch&#246;n, den horizont zu sehen</p>
<p>verr&#252;ckte lichter tanzen dort<br />
durch meine tr&#252;ben augen fort</p>
<p>deine augen<br />
diese tiefen mariannengrabenaugen<br />
in die ich mich zu st&#252;rzen liebe</p>
<p>nicht f&#252;r den fick<br />
nicht f&#252;r den kuss</p>
<p>ich will &#8212; urknall</p>
<p>gew&#246;hne mir die traurigkeit nicht l&#228;nger<br />
anwesend sein<br />
das ist sie<br />
es</p>
]]></description>
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		<title>Fragen, Fragen, Fragen</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Mar 2008 17:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Schau dich mal um:</p>
<p>Wo ist hier denn noch Platz f&#252;r Gedanken,<br />
f&#252;r Dinge, die nicht an Allt&#228;glichkeit kranken,<br />
dem Aufoktroyierten, dem R&#252;ckprojezierten,<br />
dem defizil, ewiglich gleich Aufgef&#252;hrten?</p>
<p>Vielleicht ist es blo&#223; gedankenverlorene Pr&#228;sentationsperversion<br />
in StudiVZ, StudiKZ und jedem anderem Facebook-Klon&#8230;<br />
Da hei&#223;t es Profilpimpen, sich ein kuscheliges Domizil einrichten,<br />
Mit Myspace, my house und my face, die sich bei Google verdichten,<br />
Auf dessen Kompetenz Personaler nicht l&#228;nger verzichten,<br />
Wenn sie mit Hilfe der Bong-Bildsuche deine Bewerbung vernichten.</p>
<p>Genau!<br />
Die Welt dreht sich<br />
und man versteht sich<br />
heute eher platonisch und lakonisch<br />
werden abstruse Gespr&#228;che gef&#252;hrt:<br />
Jo, lol, fjn! Me2, hdl, peace out, Bro! –<br />
In Kommentarfunktion zu Tr&#228;nen ger&#252;hrt,<br />
*grins* das machen ja auch die Anderen so.</p>
<p>Was wollt ihr denn aber h&#246;ren?</p>
<p>Wollt ihr h&#246;ren, wie ich mich beschwere &#252;ber hehre, verquere oder &#252;ber prek&#228;re Situationen, Stationen der inhaltsleeren Lehre unseres &#8212; Konsumverhaltens? Oder halb philosophisch, wie ich mich aufschwinge, hoch &#252;ber die Dinge, die Dinge die dringlich dinglich dein und mein Leben bedienen und von oben herab l&#228;stere ich ab &#252;ber die Vertracktheit der heillosen Scheinheiligtkeit. Wollt ihr, dass ich mich verbiege, euch kriechend brav zu F&#252;&#223;en liege und davon erz&#228;hle, wie ich mich, mehr schlecht als recht, durchs Leben qu&#228;le, oder von Feiern und reiern und Partybarbys, oder den Rebellen spiele, mich im Verprellen &#252;be, alles aufs Korn nehme, dass ich euch anl&#252;ge und ablehne?</p>
<p>Was wollt ihr denn h&#246;ren?</p>
<p>Wisst ihr es &#252;berhaupt?</p>
<p>Denn genau wenn nicht, ist es auch egal, was ihr h&#246;ren wollt,<br />
wenn ihr eh nur bekommt, was ihr h&#246;ren sollt<br />
und daraus blo&#223; ableitet, was ihr eben h&#246;ren wollt,<br />
von mir und all den Anderen hier!<br />
Denn was sie wollen ist nicht prompt,<br />
worauf man beim Bier an der T&#252;r mit der Kippe kommt:<br />
Fett altah, jo, war geil! Fett, fett, fett, fett, fett altah!</p>
<p>Das ist doch Schei&#223;e.</p>
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		<item>
		<title>Werbung muss sein: Leseb&#252;hne Schkeuditzer Kreuz</title>
		<link>http://www.neunzehnhundert.org/werbung-muss-sein-lesebuehne-schkeuditzer-kreuz/</link>
		<comments>http://www.neunzehnhundert.org/werbung-muss-sein-lesebuehne-schkeuditzer-kreuz/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Mar 2008 21:38:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Herrmann</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p> Die erste kleine Vorabversion der Internetseite zur <strong>Leseb&#252;hne Schkeuditzer Kreuz</strong> ist online! Zu sehen gibt es diese auf <a href="http://www.schkeuditzerkreuz.de" title="Leseb&#252;hne Schkeuditzer Kreuz">www.SchkeuditzerKreuz.de</a>.</p>
<p>Am 25. April geht es los, 21 Uhr im Horns Erben zu Leipzig. Zu erwarten sind André Kudernatsch, Julius Fischer, Christoph Graebel, Hauke von Grimm, Michael Schwe&#223;inger, Kurt Mondaugen und meine Weinigkeit zu einem Abend voller neuer Geschichten, Gedichte und vielleicht auch dem ein oder anderen Liedchen.</p>
<p>Ach ja, die Lizzy Online hat&#8217;s auch mitbekommen. <a href="http://www.lizzy-online.de/modules.php?op=modload&amp;name=News&amp;file=article&amp;sid=11979&amp;mode=thread&amp;order=0&amp;thold=0" title="Lizzy Online: Erste Leipziger Leseb&#252;hne baut an ihrer Premiere: Schkeuditzer Kreuz vereint sieben Recken ohne Flugangst">Man schaue hier&#8230;</a></p>
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