Kategorienarchiv Philosophie
-
Es ist wieder einmal an der Zeit, einen guten Text zu diskutieren. Und zwar dreht es sich dabei diesmal um Es gibt wirklich nichts zu diskutieren von Frank Plumpton Ramsey. Nach 26 Jahren war das Leben dieses 1903 geborenen, bemerkenswerten Mannes schon zu Ende. Und dennoch hat er es in seiner kurzen Zeit geschafft, bahnbrechende Aufsätze zu Mathematik, Logik und eben auch Philosophie zu veröffentlichen. Es gibt wirklich nichts zu diskutieren ist eigentlich kein Text, sondern ein Vortrag, den Ramsey 1925 vor einer Diskussionsgruppe, den Aposteln, in Cambridge gehalten hat. Posthum erschienen ist er jedoch als Text. Es wäre noch hinzuzufügen, dass Ramsey diesen Vortrag, wahrscheinlich in einem Anflug von Ironie, als Epilogue in seinen Philosophical Papers hat drucken lassen.
-
In Bezug auf das heute angeführte Bush-Gespräch möchte ich endlich einmal ein paar hörenswerte Radiosendungen nennen, unter anderen solche, die ich bereits ein paar mal erwähnt habe.
Da wäre zum Ersten die Episode Das Bullshit-Prinzip - Mit heißer Luft zum Erfolg aus der Sendung Der Tag vom hr2. Es geht hier um Mist, Humbug, wie wir im Deutschen dazu sagen würden, also bekanntermaßen um Bullshit, einen der wenigen Anglizismen, die ich, aufgrund ihrer schlechten übersetzbarkeit, sogar gelten lassen würde. Was das heißen soll? Nunja, niemand schaut Talk-Shows, wenn man ihn danach fragt, aber jeder kennt die eine oder andere Anekdote aus solcher Sendung. Natürlich sind die Anderen die Dummen, man selbst schaut nur zu, um sich über jene zu stellen, die sich dort die Blöße geben, offensichtlich nicht die hellsten Köpfe zu sein. Weiterhin beinhaltet die Episode einen äußerst lustigen Wegweiser, wie man erfolglich bullshittet und sich möglichst oberflächlich und unverständlich zu jedem Thema äußern kann. EIne sehr empfehlenswerte Sendung ist Der Tag überhaupt.
Downloadlink: hr2 Der Tag - Das Bullshit-Prinzip
Eine ebenso empfehlenswerte Sendung ist SWR2 Wissen. Ganz besonders hervorheben möchte ich eine sehr gelungene Episode über den aus Rumänien stammenden, jedoch später in Frankreich lebenden Philosophen Emile M. Cioran namens Prometheus und Adler. Für alle Leser dieses Mannes wird die Sendung ein Genuß sein, vorallem wenn man vorher Cioran höchstens französisch, aber nie deutsch hat sprechen gehört. Anbei gibt es auf der Seite des SWR2 das Manuskript zum Download, welches immer gut zum kurzen überfliegen oder gleich zum Mitlesen geeignet ist. Die Sendung vollführt einen groben Streifzug durch Ciorans Leben, Denken und gibt auch äußerungen von Freunden und Anhängern wider.
Downloadlink: SWR2 Wissen - Prometheus und Adler
Manuskript zur Sendung
-
Ich muß dem Geist einfach den Vorrang lassen. Aber trotzdem ist es der Wille zur Tat, der den Geist aus seiner Lethargie aufrüttelt. Dieser Wille, sage ich, ist überall entscheidend. Ihn müssen wir besonders pflegen, ihn immer einsetzen. Es gibt nichts, was er nicht erreichte.
So schrieb Cicero über die Lethargie des Geistes, genauer noch über den Willen, der nötig ist, um dessen Lethargie zu überwinden. Dabei vergaß der gute Cicero im überschwall des Wetterns gegen sie doch glatt die positiven Züge ihrer. Ja, gerade ich spreche von positiven Zügen, und dann auch von denen der Lethargie.
Dabei ist die Lethargie, die Lustlosigkeit, der überdruß doch genau das, was der Mensch braucht, um sich selbst unterbewusst zu kontrollieren. Ich möchte behaupten, dass kein Mensch fähig ist, ununterbrochen tätig zu sein, wie es beispielsweise Nietzsche von seinem übermenschen forderte. Spätestens das nietzscheanische Kind, die Neuordnung, der Weise, würde bald lethargisch oder wenigstens verbohrt werden, wenn er keine Jünger fände, wenn nicht schon das Kamel in seiner tragenden Rolle (Achtung, Wortspiel!) verhaarte.
-
Zur Erinnerung:
Pessimistisch sollte einen eigentlich nur stimmen, dass man seiner Menschlichkeit nicht zu entfliehen vermag, nicht einmal im Tode. Alles Andere erscheint gegenüber dieser Gewissheit belanglos.
Wieviele Leute haben ernsthaft jemals einige Minuten damit zugebracht, zu ergründen, was den Pessimismus ausmacht? Pessimisten hängt der schlechte Ruf nach, sie seien mürrisch, stur et cetera. All das mag nun stimmen oder nicht, spielt es doch aber eine untergeordnete Rolle. Aber sollte man nicht langsam darüber nachdenken, diesen Begriff etwas auszuweiten? Man müsste zu dem, was ich meine, nicht einmal vom pessimum abweichen.
-
Jener Aphorismus bezüglich der Grundvoraussetzung zum Philosophieren ist weitaus ergiebiger, als ich dachte, da ich ihn vor mir weg schrieb. Aus diesem Grund, und aus einer plötzlichen Laune heraus, sehe ich es als wert an, diesen Paragraphen noch einmal aufzurollen und etwas detailierten zu betrachten.
Zur Erinnerung, es ging um folgende Aussage: “Philosophie zu betreiben ist, frei nach der wunderbaren Formulierung Thomas Nagels, nur dann möglich, wenn man den Schritt beiseite getan und also alles, auch sich selbst, im Blick hat. Ohne dies ist keine halbwegs gute überlegung oder Diskussion möglich, da sie irgendwann zwangsläufig in Polemik gegen sich selbst oder andere endet.”











