The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Wenn das Laub unter den Stiefeln knisterte und man den ganzen Nachmittag damit verbrachte, den Exerzierplatz vom umherflattertenden Laub zu bfreien und es in Form eines riesigen Haufens zusammen raffte, dann lehnte sich F gern nach getaner Arbeit zurück. Er nahm sich mit der Gewissheit, eine anständige Arbeit verrichtet zu haben, eine Zigaratte und setzte sich mit dem Rücken an eine der großen Eichen. Noch ehe ein paar Züge getan hatte, kam meist schon der erste Gefreite in einem LKW vorbeigerast, mit einem beliebigen Offizier im Nacken, um in voller Fahrt die Blätter durcheinander zu wirbeln.
Es war schön, wie sich die meisten ineinander verhakten und versuchten, sich mit den spitzen Angeln am lehmigen Rand der Fläche fest zu halten und wie ein paar Ausreisser die Bürde auf sich nahmen und in voller Trance einzeln über den Platz tanzten. Sie schwebten hoch und wieder herunter, angetrieben vom leisen Säuseln eines seiner schwankenden Stimmungen unterworfenen Herbstwindes und blitzten dem Zusehenden Farbtöne zwischen grauviolett und orangebraun. Nicht weit davon bereitete sich ein Schwarm Hornissen auf sein baldiges Absterben vor. Die Arbeiterinnen richteten die Zimmer der Kinder, die schon längst außer Haus waren und ihre eigenen Wege gingen, setzten sich mit einem innerlichen Rückblick in eine warme Ecke und lächelten zufrieden. Die Drohnen umsorgten die kranke Königin, in deren Aussicht nichts als ein schwarzer, immer enger werdenender Gang stand, dessen Ende eine kleine, alles in sich aufsaugende Nische bildete, die sie und ihr Volk in sich aufnehmen würde. In paar Tagen vielleicht.
So sehr sich so viele Menschen wünschen, es möge ewig Sommer bleiben, so sehr sind mindestens ebensoviele froh, wenn sich die Welt dann langsam wieder abkühlt, um ein wenig in bitterer Kälte zu ruhen. überall werden die Radios leiser gedreht, die Stationen spielen jetzt wieder die langsameren Lieder, eben dieses Laub hüpft in den witzigsten Farben über die Bordsteine.
Aber das interessiert auf der südlichen Hemisphäre niemanden. Dort läuft alles genau andersherum, so wie das Wasser in den Toiletten, von dem man sich hier erzählt. Und mitten im November fällt kein Laub. Stattdessen ist es knochentrocken während der Patroullien. Vor gut zwei Jahren war F gezogen worden. Im tiefsten Niemandsland verbrachte er seine Zeit der Grundausbildung und die ersten Monate im einhundertundvierten Battallion, ehe in den Stuben die Briefe auslagen. Man suchte Freiwillige für den Einsatz. Niemand sollte gezwungen werden. Aber als die ersten Soldaten die Gefechtsmelodien ansummten und in den örtlichen Kneipen ihre gegebenen Unterschriften begossen, herrschte doch ein gewisser Gruppenzwang. F war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal einundzwanzig Jahre alt, als er schon schriftlich vor sich einen potentiellen Frachtbrief liegen sah, den man der klapprigen Holzkiste begelegt hätte, hätte man ihn mit einem Sonderflugzeug im Laderaum nach Hause bugsiert. Er unterschrieb mit keinerlei Gedanken an irgendetwas. So wenig hielt ihn an seinem Leben, dass es ihm nicht einmal mehr egal war. Vielmehr war nichts. Die zwölf Jahre, unter die er vor, er wusste es schon längst nicht mehr, seinen Namen gesetzt hatte, hatte eine Bedeutung ähnlich der Unendlichkeit angenommen.
Bald darauf trafen auch die ersten Heimkehrer ein. Man begrüsste sich herzlich, verlor aber so wenig Worte über die ganze Sache, wie es einem mit militärischer Schärfe eingebläut worden war. Verdrängen, allenfalls bei genügend Alkohol kam der Eine oder Andere auf die Idee, etwas davon zu erzählen, wie es sich anfühlte, wenn das einzige, was einen selbst von zentimetergroßen Granatsplittern trennt, eine dünne Bretterwand ist. “Es drückt einem so stark gegen den Kiefer, als dass man glaubt, ein Zahnarzt bohre mit einem Presslufthammer in deinem Gebiss nach öl.”. Und alle lachten. Er hätte nie erzählt, dass er eine scheiss Angst gehabt hatte, als dieser Jeep auf jene Miene fuhr und mit einem Mal nur noch kleinste Teile der Söhne zu den Müttern nach Hause geflogen worden waren.
Aber so war es. Man machte seine Kontrollgänge, ohne wirklich zu wissen, wem man diente. Wäre man desertiert, wäre man vor das Kriegsgericht und also ins Gefängnis gekommen. Warum? Darum. Beim Militär hatte man jene, die zu viele Fragen stellten, schon in der Ausbildung so abgefertigt, dass sie jetzt entweder in der Heimat die Panzerketten fetteten, oder ihre Zeit in den Stabskrankenhäusern fristeten. Vier Monate gehen so einfarbig wie Staub und so schnell wie eine Explosion vorbei, wenn man einfach handelt.
Wenigstens das Essen war gut. Zusammen mit einem anderen Soldaten namens K hatte sich F angewöhnen müssen, jeden Morgen einige Runden um das Camp zu rennen, sodass sie nicht unnötig Fett angesetzt hätten und aufgefallen wären. Manchen Abend verbrachten Sie beim Tischtennis, vor einerm Spielkonsole oder vor dem Fernseher. Wer das Gerät als erster einschaltete, regelte die Lautstärke bis zum Maximum nach oben, um nicht entscheiden zu müssem, ob jenes Grollen im Film vorgesehen oder aus der umliegenden Gegend gekommen war.
“Vom wem ist der Brief?” fragte K. F begann zu grinsen und hob ein wenig wehmütig zu einem tiefem Durchatmen an. “Von meiner Mutter.” sagte er. “Sie schreibt, dass zu Hause ein Brief für mich angekommen sei. Klassentreffen.”. In ihm hatte sich ein Lachen, in Erinnerung an vergangene Zeiten, nach außen drängeln wollen. Aber es war von der Gewissheit eben dieser Vergänglichkeit unterdrückt und zu einem mit untertönigen Seufzen besetzten Prusten mutiert. “Und er wurde von diesem Mädchen unterschrieben. Mit freundlichen Grüßen, und so weiter. Sie konnte mich wahrscheinlich nie ausstehen. So wenig wie ich sie. Und jetzt schreibt sie mit freundlichen Grüßen. Ein Vordruck, den sie mindestens dreißig weitere Male unterschrieben hat. Immer bloss den Namen ausgetauscht. Trotzdem, wahrscheinlich ist genau das das Einzige, was sich ändert. Diese klitzkleinen Fehden, man steht darüber. Und dadurch irgendwie neben sich.”. Er sprang auf und trat gegen das Bett, dessen klapprige Eisenstangen sofort brummend zu zittern anfingen. “Ich meine” hob er an, “Ich kenne diese Frau nicht, die mir diese Einladung geschickt hat. Sicher sitzt sie jeden Tag in einem kleinen Büro oder läuft täglich zehn Kilometern zwischen Kopieren hin und her. Was ich kenne, dass ist dieses junge Mädchen, mit dem ich mir so oft in den Haaren lag. Ich habe allen Groll gegen sie verloren, das stimmt.”. Er setzte sich wieder auf die Pritsche und ließ sich nach hinten ins Kissen fallen.
Nach einer Weile sprach er weiter: “Nur deswegen funktionieren diese Klassentreffen. Man verliert sich aus den Augen und die Erinnerung bleibt beim alten Muster hängen. Wenn du dann in diesen Raum kommst, bist du wieder damals. Sie erzählen dir, was du wann wie wo getan hast und ihr lacht darüber, schwelgt ein bisschen in den alten Zeiten, ehe ihr euch so die Hand gebt, wie die Erwachsenen, die ihr in den Pausen auf dem Schulhof missmutig beäugt hattet, und versprecht, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Ein paar von euch geben Visitenkarten aus.”
K zuckte plump mit den Achseln: “Geh eben hin, wenn dir so viel daran liegt.”. “Aber erst einmal muss ich wieder heil heim.” grinste F.
Die Zeit verging auch sonst sehr schnell. Viele Tote gab es nicht. Verletzte indes doch einige. Am Flughafen warteten nicht einmal mehr die großen Fernsehsender. Alle Welt hatte sich daran gewöhnt, dass weit weg irgendwo geschossen wurde und vielleicht auch manchmal jemand dabei zu Grunde ging. Manch einer kannte über zig Ecken einen Anderen, dessen Bruder des Cousins auch dort unten gewesen sei. Gehypt, sagte er. Und für die halbstündige Aufmerksamkeit bei den Geburtstagsfeiern reichte es alle Male. Zwei kleine Lokalreporter stellten ein paar Fragen, denn sie konnten sich keine Auslandskorrespondeten leisten. Alle versicherten einstimmig, es würde alles verschlimmert. Ob sie wussten, wofür sie kämpften, fragte man sie oft. “Für etwas Gutes.” versicherten sie ewig gleichsam.












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