The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Egal, wann auch immer ich ein Geschichtsbuch in die Hand nehme und ein wenig darin blättere, so scheint es, als wäre das alles ganz weit weg. Früher einmal kannte ich unheimlich viele der griechischen und römischen Mythen. Diese Eisenbahnfahrt von Fürth nach Nürnberg war nichts großartig Anderes, trennten sie doch nur schätzungsweise dreihundert Seiten. Zu nichts hatte man einen Bezug. Man brachte die Dinge durcheinander und ließen Furien und Nymphen Schaffner spielen oder die Adler geradewegs ohne Halt nach Tartarus fahren. Offensichtlich waren an die Schreiberlinge dieser Sachtexte nicht gerade Poeten verloren gegangen, sodass man einfach nachhalf. Trotzdem musste sich jeder mit demselben Zeug befassen, den Weltkriegen, der Industrialisierung, verschiedenen Staatsformen und was weiß ich nicht noch. Man schrieb eine Abschlussarbeit, genug Vergangenheit, Blick in die Zukunft und so weiter.

    Irgendwann, wahrscheinlich war es ein schlauer Kerl, beziehungsweise eine schlaue Dame gewesen, hatte das jemand aufgeschrieben und es für so wichtig befunden, dass es seither immer zum Allgemeinwissen gehören sollte. Ulysses war und ist wichtig, in den dicken Wälzern gibt es keine Hierarchien, nur Textumfang. Woher er oder sie das hatte, stand nie dabei. Es ist halt so. Die Geschichtslehrerin mit der dicken Brille log nicht, war man sich einig. Jeder ließ sich erzählen, wie es damals gewesen sein musste. Manchmal ratterte man zweihundert Jahre in zwei Stunden herunter. Dann hüpfte man kurz einige tausend weitere zurück, nur um eine Anekdote von Sokrates zu erzählen. Der Schierlingsbecher, nein, doch lieber ein Stück vorwärts zu Napoleon.

    Ein paar von uns hingen halb schlafend mit einem Ellenbogen auf dem Fensterbrett und starrten durch das Glas nach draußen. Manchmal drückte sich eine riesige Menschenmasse durch die Straßen, um dort in der Querstraße eine Revolution anzuzetteln. Der Wirtschaftslehrer sagte, dass Schlussverkäufe die Geißel einer untergebutterten Gesellschaft seien, in der das Fernsehen mehr Wert hätte, als das Theater, welches letzte Woche geschlossen wurde. Die Worte flogen an den eigenen Ohren vorbei, während man ein paar Jahre nach vorn geblättert und gebannt die schwachsinnigen Reden eines Idioten gelesen hatte. Man lachte und wurde gefragt, was an Geschichte so besonders witzig sei.

    Ich dachte oft, dass es in jeder Zeit aufregender gewesen sein musste. Ein Jahr hatte sich bestimmt wie zehn angefühlt, als die Tage noch eine Woche dauerten. Wenigstens versprach ich mir das. In Kurzarbeiten bekamen die Mädchen lauter Einser, denn sie hatten bei der Schülerhilfe alles in ihre Köpfe gedrückt bekommen. Aristoteles - 384 bis 322 vor Christi Geburt, Bakunin - 1814 bis 1876 nach, wie hieß der Kerl?! Mein Kumpel und ich hatten eine drei, weil wir die meiste Zeit träumten, die Klassensätze durchforsteten, um herauszufinden, wie Platon seinen normalen Tag verbracht hatte und ob er nicht im Endeffekt doch noch ein normales Mensch gewesen war. Oder um auszumachen, was in unserer Zeit einen solche Wert hätte, uns so fern stand, dass es in vielleicht ein, zwei Generationen dann auch im Schulbuch stehen könnte. Aber das schien nicht so wichtig zu sein, wie die Bergakademien unseres Landes, von denen man uns sagte, jeder müsse sie kennen.

    Dabei gab es schon diesen elften September und viele Kriege, von denen ich nicht einmal das Anfangsdatum, geschweige denn den Grund kenne, da sie schon so lang währen, wie ich zurückdenken kann. Die Wende gab es. Na und? Geschichte passiert wohl immer bei den Anderen. Mein kleiner Bruder freute sich an diesem Dienstag sehr, so makaber es klingen mag, auch endlich etwas zu haben, “das er seinen Kindern erzählen könne”, wenn er alt ist, da er dabei war. “Du hast schon dies und das erlebt.” sagte er und versuchte mit seinen Armen einen Bogen zu formen, der eine ungeahnte Größe umspannen sollte. “Ach, ja ach. Nichts Besonderes.” meine ich dann immer.

    Vielleicht sind mittlerweile die Telenovelas schon wichtiger geworden. Nur hat es meiner Meinung nach noch keine davon in die Lehrbücher geschafft. In den Büros schreibt man gerade von einem Militärputsch, der genau so gut erfunden sein könnte. Denn er ist schon wieder nicht greifbar und so weit weg.

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