The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Vor einer guten Ewigkeit noch begannen wir unsere Sommer mit dem alljährlichen Ritual. Irgendwo zwischen den heißen Nachmittagen im wiedereröffneten Freibad, dem Herumlungern auf den Wiesen und ausgedehnten Streifzügen durch die angrenzenden Wälder beschlossen wir, dass es diese 5 Monate sein würden, die unser Leben verändern. Es sollte etwas ganz Großes werden, dass es bis dato noch nicht gegeben hatte. Wir wollten weg von den aufgeschürften Knien und Ellenbogen, den Schmerzen von brennenden und nässenden Wunden, die nur sehr langsam heilten und erst dann wieder von einer neuen Hautschicht verdeckt waren, wenn draußen schon wieder die bunten Blätter auf den Straßen turnten. Und wir lechzten nach den Geschichten von übereiferten Parties in den Sandgruben und den verbotenen Massenaufläufen mitten im Stadtzentrum, von denen es hieß, dass bei ihnen die ein oder andere Tüte kursierte und dass sie grundsätzlich erst dann zu Ende gingen, wenn die Polizei sie auflöste.
Dann läutete es wie gewohnt und doch war es jedes Mal anders. Nach der letzten Stunde, in der die Zeugnisse verteilt und bald auch die Gewissensbisse ob der 5 in Mathe vergessen waren, fühlten wir uns endlich wieder frei. Es war, als könnte nichts mehr Bestand haben. Die letzten zwei Halbjahre zerfielen bei einem lakonischen Blick zurück bereits wie dunkle Staubflusen. Eine träge, graue Masse Einheitsbrei, der von einem abfiel wie der Schorf im September. Wir rannten nach Hause, jeder warf einen liderlich gekritzelten Zettel auf die Anrichte und dann ging es los. Hinaus, raus aus der Stadt, weg von all der Ernsthaftigkeit und dem Blick auf das Kommende.
In jenem kleinen Dorf, in dem wir uns die ersten paar Wochen unserer schwer erarbeiteten Freiheit um die Ohren schlugen, betrachteten uns die Nachbarn immer mit einem Lächeln. Wir hatten unseren kleinen Bungalow mit allem, was dazugehörte. Den Doppelstockbetten, dem betonierten Grill und der krummen Hollywoodschaukel. Und manchen Abends kam einer der Herrn in bunten Speedos sehnsüchtig herüber zu uns an Feuer, um ein Bier in der Runde zu genießen und ein wenig den guten, alten Zeiten nachzutrauern, die in diesem Moment einen Fühler bis die Gegenwart auszustrecken schienen. Sie genossen es richtig, uns ziehen zu lassen, wenn einer weit nach Mitternacht die Faust in die Luft reckte und wir allesamt über die dunklen Waldwege in Richtung des Sees rannten.
An den besonders schwülen Vormittagen sammelten wir Brombeeren, die wir zum Mittag auf der kleinen Terrasse herumreichten, bis unsere Hände, sowie unsere Münder wunderbar violett waren und sich nur noch bei einer Wasserschlacht während der Mittagsruhe bereinigen ließen. Die rotblauen Druckstellen an den Fersen, die wir uns beim Sprint über die mit Kienäpfeln beladenen Waldwege geholt hatten, waren unser Markenzeichen, wenn wir nach Wochen wieder zu Hause ankamen.
Und manchmal frage ich mich, ob die dicken Nachbarn den letzten dieser Sommer abgepasst haben und einfach selbst auch nicht mehr dort aufliefen, oder ob sie vergeblich auf uns gewartet haben. Ob es im Ort eine kleine, stillschweigende Trauerfeier gab, da jene nicht mehr da waren, auf die die jungen Eltern mit den Fingern zeigten, um ihren Kindern sofort klar zu machen, wie verwahrlost die Jugend doch ist. Sicher hatte die Besitzerin des Tante-Emma-Ladens in der Dorfmitte die ein oder andere Träne wegdrücken müssen, als sie uns nicht mehr die ewig fehlenden Pfennige für Bier oder Fleisch spendieren und sich damit unsere Gunst sichern konnte, sie als beste und gutmütigste Aushilfsmutter der Welt anzusehen.
Denn im Endeffekt kam es so, wie es Elizabeth Wurtzel in Prozac Nation über Mike Campbells Weg zum Bankrott in Hemingways Fiesta schrieb: Gradually and then suddenly. That’s how depression hits. Ich hatte es nicht bemerkt und erst nach ein paar Jahren fiel es mir schließlich auf, dass wir längst über alle jene Veränderungen hinaus waren, nach denen wir uns immer gesehnt hatten.
Längst musste man herumtelefonieren: Wer hat Zeit, wann können wir wo hin, wie stellen wir es bei all der Organisation an, es möglichst ungezwungen möglichst nahe an alte Erinnerungen heranzubringen. Aber die Feiern wurden dröge. Man versuchte nicht länger, sich von seinem ganzen Leben zu trennen, als bloß von den letzten 5 Tagen, die allesamt nur einen Vorgeschmack auf die nächste und übernächste Woche bis in die dunkle Unendlichkeit hinein bedeuteten. Und längst ging es nicht mehr darum, die Welt zu verändern, als bloß weg vom verdammten Kater des letzten Abends zu kommen.
Irgendwie hatten alle den Absprung geschafft. Ein Sprung, der wohl weitaus wichtiger ist als alles, was man in Bungalows inmitten kleiner Dörfer am See erleben kann, da er den Schritt in eine Zeitspanne, die für uns damals einen Zustand zwischen erwachsen und schon längst gestorben, aber noch nicht tot beschrieb.
Und ich muss mich revidieren, wenn es den Anschein hat, wie wären alt geworden. Denn auch wenn einige von uns in hitzigen Büros schuften, Kommandos geben und den Sommerferien nachtrauern, kenne ich noch keinen von ihnen, der sich nicht mit aller Leidenschaft nach getaner Arbeit den beamtenen Strick vom Hals reißt, um endlich wieder richtig durchatmen zu können. Keinen, der nicht für sich selbst aufsteht. Einfach niemanden, der nicht beim ersten Umschwung sofort dabei wäre, die Arme in die Luft reißen und sofort wieder an den See fahren würde.
Es hat nichts damit zu tun, einfach nie abzuspringen. Auch nicht, möglichst explosiv zu leben, bis es Zeit dazu ist. Nur kommt man so meist an viel schöneren Stellen wieder auf, wenn man diese Gelassenheit schon einmal erfahren hat. Und man darf gespannt sein, wie es aussieht, wenn wir erst einmal die führende Generation sind.













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