The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Auf dem Weihnachtsmarkt, mitten auf dem Weihnachtsmarkt, zwischen all den güldenen Glöckchen, dem Lametta, den sahnebeklatschten Waffeln, dem Glühwein und dessen umher torkelnden Opfern, saß er auf einem großen, roten Sessel im Zentrum des Marktplatzes, unübersehbar und omnipräsent auf einem Podest erhaben, der Weihnachtsmann. Dort saß er, der Weihnachtsmann und er war nicht irgendein Weihnachtsmann, er war DER Weihnachtsmann, genau den sollte er verkörpern, so hatte es ihm sein Arbeitgeber, ein ehemaliger Kaffeeröster, neuerdings Studienplatzverteiler und laut Werbung offizieller Partner des Weihnachtsmannes himself, aufgetragen.
Dort saß er, dieser Hartz-IV-Geknechtete, dieser gebrochene 1-Euro-Job-Weihnachtsmann und es kotzte ihn an, sich für 120 Euro im Monat mit all diesen Leuten herumscheren zu müssen, das sich am Samstagabend auf den Weihnachtsmärkten herumdrückten und ihm vorführen mussten, wie es ist, wenn man so viel Geld hat, dass man es auf dem Weihnachtsmarkt verschleudern kann. Sein Name war Gert, Gert mit T und gerade hatte ihm ein kleiner Junge auf seinen flauschigen, roten Mantel gekotzt.
Gert war sensibel. Er etrug es nicht, wenn Hundertschaften frisch Verliebter an ihm vorüber flanierten und mittels dieser Babysprache kommunizierten, der so viele Verliebte krankhaft anheim fielen, als ob sie mit dem ersten Kuss plötzlich völlig verblöden würden und es plötzlich aus einer wahnvorstelligen Laune heraus für nett und süß hielten, sich Schaaaahaaaaatz? zu rufen, sich Mausi, Hasi und Murkelchen zu titulieren.
Er ertrug es auch nicht, dass sich in diesem Jahr ausnahmslos alle von jung bis alt, von schön bis Würgereiz, von arm bis Hartz-IV, eben ALLE sich einen dieser abgefahrenen Pürierstäbe kauften. So einen lustigen Pürierstab oder Drahtbesen, den sich jeder, der etwas auf sich hielt, zum Weihnachtsfest besorgen musste und über den Kopf stülpte, um auf diese Weise Kopfschmerzen, Migräne, Würde und gesunden Menschenverstand wie von Zauberhand geradezu von sich abzustreifen und dieses einmalige, orgiastisch-orgasmische Gefühl herbeizuführen. Diese Aushilfsblitzableitermenschenbräter, Förderer des sozialverträglichen Frühablebens, Degenerationsdeterminanten, für alle Passanten weithin sichtbar, denn diese fetzigen, rot-weißen Weihnachtsmützen genügten der Überflussgesellschaftsbande ja nicht mehr. Sie stratzten durch die ganze Stadt und Gert fragte sich, wann der Erste von denen mal Polizeifunk reinbekommen oder Botschaften von Außerirdischen erhalten würde.
Den ganzen Tag lang war er gezwungen, hinüber zu dieser Buchhandlung zu schauen, denn man hatte ihm verboten, die Position seines Sessels zu verändern, für einen schöneren Ausblick, zum Beispiel auf eine Backsteinmauer. Aber nein, er musste die vielen Kinder anschauen, wie sie mit aufgerissenen Augen vor der Buchhandlung standen und sich ihre Nasen an den Schaufensterscheiben platt drückten und dabei staunten:
«Ooooaaaah, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes!»
Gert hasste Kinder, erst recht, wenn sie nicht einmal wie normale Kinder zu Hause vor der Playstation hingen und die Klappe hielten, und demenstprechend hasste er auch Harry Potter.
Er hätte es ihnen so gern in ihre kleinen, runden Gesichter geschrien, wenn sie sich anstellten um auf seinem Schoß zu sitzen, um auf seinem Schoß zu sitzen und abertausend Wünsche herunterzubeten, die ER ihnen ganz sicher nicht erfüllen würde, selbst wenn er es könnte. Wie gern hätte er es ihnen in ihre fragenden, feisten, faltenfreien Fresschen gefleddert, dass Harry Potter am Ende des letzten Buches kläglich VERRECKEN würde und dass der heldenhafte Lord Voldemort ihn zerfleischen, auffressen und in seinem Blut baden würde, dass Ron und Hermine Selbstmord begehen und Hogwarts von den Muggeln niedergebombt werden würde. Das hätte er ihnen gern zugeschrien. Die Auflösung der hirnlosen Septologie des modernen Zauberlehrlings in einer beispiellosen Tragödie, auf das sie sich in ihren kleinen, schwarzen Umhängen reihenweise aus den Kinderzimmerfenstern stürzen würden, um zu sterben, wie der lustige Harry selbst. Ja, so wird man Kinder und Jugendliche los. Das hatte damals schon bei Take That funktioniert.
Aber es ging ja nicht. So doof waren die Briten nun doch nicht, dass sie noch einmal Heerscharen kreischender Fans mit einem Fingerzeig auslöschen würden. Diesen Fehler würden sie nicht zweimal begehen. Selbst wenn man die Kinder los wäre, dachte sich Gert, der Weihnachtsmann mit T, hätte man längst noch keine Ruhe. Kinder waren nicht sein Problem, wenn er vormittags um 11 Uhr im Supermarkt stand oder durchs Kaufhaus schlendern wollte. Dann waren es nicht die Kinder, denn die hingen zu dieser Uhrzeit entweder hinter der Schulbank oder der ersten Bong, nein, es waren diese autonomen Rentner, die drei Viertel ihres Tages auf Wochenmärkten oder in den Gängen der Konsumtempel herumlungerten und Barrikaden aus Gehhilfen und Rollstühlen bauten, alle Läden verstopften und alles mit ihren gichtbeladenen Greifern angrabschen mussten.
Wo sollte das noch enden? An jeder Straßenecke stampfte man neue Kaufhäuser aus dem Boden. So viele Kaufhäuser, dass sie ein Rentner an einem Tag gar nicht durchkämmen konnte. Aber vielleicht war das der Plan: natürliche Selektion im Auftrag der Krankenkassen.
Die Auswahl würde so übergroß werden, die Rentner würden nur noch in ihrem Stammkaufhaus herumchillen können, in ihrer Hood und sie würden alsbald die ersten gewalttätigen Gangs bilden. Sie würden sich unterschiedliche Crewnamen geben, eigene Symboliken und Medikamentenvorlieben entwickeln, diese in ihre Gehstöcke schnitzen und sich in die Arme tattoovieren lassen. Bald hätten die Medien ihr neues Knut-Phänomen: Rentnergewalt in Kaufhäusern! Sie würden sich in Leipzig East und West Coast spalten und sich in ihren Rollstühlen und Elektrorollern in waghalsigen Drive-By-Shootings gegenseitig abknallen, sich ganz von allein dezimieren.
Nur her mit dem neuen Kaufhof, frohlockte Gert bei dieser Überlegung. Nur her damit!
Aber bald schon er musste er wenig weinen, als er das große Baustellenschild bemerkte:Fertigstellung nicht vor Frühjahr kommenden Jahres.Es tat so weh. Er wäre so gern geflohen. Aber es ging ja nicht anders. Er musste ja. Auf dem Amt hatten ihm diese Unterschichtenabbruchbeamten gedroht, er würde elendig in einer dunklen Gasse verenden müssen, wenn er nicht diesen 1-Euro-Job annähme, komme, was wolle. Und dann würde das erst recht nichts mit seinem Traum.
Ja, Gert hatte einen Traum. Selbst als 1-Euro-Jobber kann man noch Träume haben, auch wenn der Staat immerfort versucht, einem das auszureden. Irgendwann würde er alles hinschmeißen, wenn er hier nur lange genug durch- und das Geld zusammenhalten würde. Er könnte die rot-weiße Mütze an den Nagel hängen und einfach abhauen. Rüber, raus hier, rüber über die Grenze, weg von den ganzen Irren hier, irgendwohin, wo noch alles im Lot war, nach Sachsen-Anhalt oder so.
Aber all das hieß ja noch lange nicht, dass man sich als Weihnachtsmann alles gefallen lassen musste. Denn genau jetzt, jetzt, kotze ihn dieses Kind so maßlos und buchstäblich an. Vielleicht dürfte man die kleinen Kinder nicht an den Kragen packen, durch die Luft wirbeln und in den großen Weihnachtsbaum hineinwerfen, in dem sie, wie die übergroßen Holzengel, zwischen Lichterketten verkeilt hängen bleiben würden, nein, so etwas ging natürlich nicht! Jedoch, man könnte sich subtiler rächen. Also dachte Gert, mit T, Weihnachtsmann mit versautem Mantel. Subtil!
Gert sammelte all seinen Frust, nahm einen tiefen Zug von dem Kotzgeruch auf seinem Mantel, erinnerte sich liebevoll an die Bratwurst, die er kurz vor Dienstbeginn mit reichlich Senf zu genommen hatte, liebkoste in Gedanken die zersetzende Kraft der Magensäure, holte aus und brach dem kleinen Jungen selbst voller Innbrust in den Nacken, dass es diesem warm den Rücken und tränend die Wangen hinunter lief und er so etwas, ganz sicher, nie wieder wagen würde.












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