The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wird die Freiheit der Bürger beschnitten, um mutmaßliche Terroristen aufzuspüren. Das Europaparlament billigte im Dezember einen Beschluss der EU-Justizminister, wonach Daten über E-Mail- und Telefonverbindungen künftig mindestens sechs Monate lang gespeichert werden müssen.

    So begann der ursprüngliche Beitrag namens Haben Sie das gehört? Der Titel war als lapidare Frage ausgelegt, auf die jetzt endlich eine Antwort gefunden wurde. Ja, sicher! muss sie heißen. Endlich haben wir einmal mehr einen schönen Skandal. Sollte es nicht längst auch den Letzten bedenklich stimmen, dass auf jedem Datensammelskandal, der selbstverständlich immer ein kleiner, dummer Einzelfall ist, dennoch auch immer ein nächster, größerer folgt?

    Heute hallt es durch die Zeitungen, Abhörskandal, US-Geheimdienst sammelte massenhaft Daten und so weiter ist zu lesen, aber der Spiegel hat, trotz seiner reißerischen Art, diesmal nicht zu hoch gestapelt, sondern genau das Maß getroffen. Er betitelte seinen Artikel diesbezüglich mit 3 Worten: George Orwell, 2006.

    Ich glaube nicht viel von dem, was man mal eben so erzählt, aber paranoiaschürende Zitate sind immer willkommen:

    Die Fähigkeiten der NSA sind nach Angaben von Experten sowieso geradezu endlos. Nichts sei vor den Spähern sicher, sagte der Ex-FBI-Agent George Bauries gestern: “Kreditkarten, Geldautomaten, Flugtickets, Arztakten.” Die dem Bürger zugängliche Software zur Verhinderung von elektronischer Spionage sei dabei “bedeutungslos” und schütze nicht.

    Fein wer hätte das gedacht, besonders nachdem unser BND ja auch nicht besser ist. Aber keine Bange, wir haben auch noch den MAD und den VS, die helfen sicherlich noch. Ich möchte nicht wissen, wie es bei uns aussieht. Da unsere Terroristenminister ja auch wunderbar sicherheitsgeil (Sicherheit ist hier eher der falsche Begriff, oder?) sind, kann man sich ebenso gut schon ausmalen, wie die nächste Nachricht aus unserem Land lauten wird: Haben Sie das gehört? Hör’ endlich auch zu fragen, wir hören eh alles!.

    Ok, ja, alles klar, ich versteh’ schon, was rege ich mich auf, wahrscheinlich habe ja gerade ich etwas zu verbergen. Denn wenn ich nichts zu verbergen hätte, was würde es mich kümmern, wenn mich jemand ausspioniert. Leider leider ist diese Meinung weiter vorherrschend. Es ist schlimm, wie wenig Courage die Menschen haben und wie sie alles mit sich machen lassen. Wie sollte ich mich jetzt am Telefon melden? Da ja die Telekom bei uns auch mithört (sie sammelt wenigstens brav), was sollte man sagen, wenn das Telefon klingelt? Hallo X (der/die An(ge)rufende), Grützi liebe Telekommitarbeiter, Salve lieber BND-Mitarbeiter, Hey Herr Schäuble und nicht zu vergessen, wie geht’s, Otto? Die Liste ist beliebig erweiterbar, am besten wäre, wenn man gar nicht mehr abnähme, sondern gleich den Stecker zöge. Wie aussichtsreich und inwiefern möglich ist es eigentlich, den eigenen Staat anzuzeigen? Wahrscheinlich muss man irgendeinen Stellvertreter anzeigen, aber was, wenn sich die Angst dem ganzen Staat gegenüber steigert? Soll man zur Polizei gehen und einfach nur Deutschland anzeigen, weil man seine Sicherheit in diesem Staat nicht mehr garantiert sieht? Wie wahrscheinlich wäre es, von den Polizisten ausgelacht und beim Hinausgehen von einem Der hat wohl was zu verbergen?! begleitet zu werden? Fragen über Fragen, warten wir einfach auf den nächsten Skandal, bleiben wir weiter Fließbandarbeiter: Skandal kommt, Skandal registriert, Skandal geht.

    Quellen (Auswahl):

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,415794,00.html
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,415922,00.html
    http://www.netzeitung.de/ausland/397949.html
    http://www.netzeitung.de/medien/398097.html

     

     

    Nachtrag:
    Soeben las ich auf Slashdot Folgendes:

    Snap E Tom writes “According to a Washington Post poll, a majority (63%) of Americans ’said they found the NSA program to be an acceptable way to investigate terrorism.’ A slightly higher majority would not be bothered if the NSA collected personal calls that they made. Even though the program has received bi-partisan criticism from Congress, it appears that the public values security over privacy.”

    Irgendwo hört der Spaß dann aber auch auf. Sicherheit über Privatssphäre? Erstens mischen wir bitte nicht Nägel mit Schießpulver und zweitens bleiben wir mal auf dem Teppich, wer auch immer sich diese tolle, letzte Wortgruppe ausgedacht hat (Theorien entstehen dort, wo sie die Realität beschreiben). Es wäre eventuell daran zu denken, darüber zu denken, Metadenken eben, wenn von Sicherheit überhaupt die Rede sein könnte.

    Denn rekapitulieren wir einmal, was diese Sicherheit ausmacht:

    • Beischneidung der Bürgerrechte
    • vorsätzliches Missachten der menschlichen Grundrechte
    • Beginn von einigen Kriegen
    • darauf aufbauendes, exzessives Eindringen in die Privatsphäre der Menschen
    • somit ein Abwälzen der Terroristenrolle auf jedermann, auch auf die Unschuldigen
    • letztendliche Aufhebung der sogenannten Demokratie hin zu einer Oligarchie

    und all dies gründet sich auf die Terrorismuspanikmache von vor 5 Jahren, die heute immer noch als unabdingbares Argument für und gegen alles gilt.

    Tolle Welt.

    Quelle:
    http://yro.slashdot.org/yro/06/05/12/1334217.shtml

KOMMENTARE / EINE MEINUNG

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[...] Unter gleichlautendem Thema hatte das Internetzmagazin Telepolis gemeinsam mit einigen Bürgerrechtsorganisationen, bspw. FoeBud, CCC oder DVD (eine vollständige Liste gibt es hier), vor einiger Zeit zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Ich hatte es ja schon mehrfach angesprochen und habe trotzdem den Termin verpennt. Denn all das verliert (leider) nicht an Aktualität, sondern wird von Tag zu Tag eher immer reicher an ihr. [...]

8. August 2006, Wenn Orwell die Realität ist - wie sieht die Zukunft aus? | Neunzehnhundert.org :: Neue Introspektiven

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