The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Vielleicht müsste die Frisörin, nein, nicht Frisöse, auch ein bisschen vom Kopf wegschneiden, um mehr Last von den Schultern zu bekommen, anstelle sich allein auf die Haare zu beschränken. Ein bisschen weniger Thalamus könnte sicherlich nicht schaden. Weniger Wichtiges und Bewusstes, eine mit geschärftem Rasiermesser geschickt herausgekitzelte Ataraxie, gekoppelt an einen kleinen Kippschalter hinter dem Ohr. Aber kann man einer Frisöse, scheiße, Frisörin, eigentlich neurochirurgische Kompetenzen zumessen? Lernt man so etwas in der Handwerkerinnung?
Den Typen jedenfalls, der im zerschlissenen Bundeswehrparka mit gekonnten GSG9-”Wir stürmen jetzt deine verdammte Bude, du Terroristenschwein!”-Fusstritt die Scharniere der Eingangstür einer harten Probe unterzieht, scheint das wenig zu stören. Er marschiert in halb offenen Springern zum Kleiderständer und entledigt sich seines Parkas, sodass die dünnen Drahtärmchen des IKEA-Designobjekts hörbar zu ächzen beginnen.
Er trägt einen schwarzen Pullover und zerschlissene Jeans. Seine zotteligen Haare sehen aus, als könnten sie das Komplettprogramm gebrauchen.“Tach!”, ruft er das kleine Podest hoch, auf dem die bunthaarigen Göttinnen die Scheren rotieren lassen, “Ihr Hübschen! Und guten Tach Herr Verfassungsschutz!”
Der hat nur nachgemacht, was ihm das Sondereinsatzkommando im Sommer demonstriert hat, denke ich. Als er sich umdreht gestikulieren sich die Frisörinnen gegenseitig Vögel zu. Wahrscheinlich trägt er einen kleinen Schriftzug auf dem Arm mit sich herum: §129a Old School. Von Anfang an dabei gewesen. So wie einige Kumpel von mir früher die Commodore-Logos hatten und sie mit allergrößter Wahrscheinlichkeit noch nicht losgeworden sind.Alles starrt ihn an. Es ist ihm sichtlich unangenehm.
“Weitermachen!”, murrt er und fingert eine Cosmopolitan aus dem Zeitungsständer.Aber ich brauche mich gar nicht lang zu wundern. Die Welt muss erfahren, was ihm widerfahren.
“Hey!”, grinst er mir zu, “Ob die hier Kameras haben?”
“Keine Ahnung.”, sag ich, “Meinst du, die überwachen sich gegenseitig?”
“Weiß man ja nie so genau!”
“Aber die Chefin ist doch ständig hier. Guck, da.”, sag ich und zeige auf die Dame mit den buntesten Haaren.
“Schonmal von V-Männern gehört?”, flüstert er mir ins Ohr.
“Nicht von V-Frauen!”, flüstere ich zurück.
“Bist’n Lustiger, eh?”Das war’s, denk ich. Ich habe gar keine Lust, heute der Lustige zu sein. Der Thalamus macht mir zu schaffen. Aber weit gefehlt.
“‘N ganz linker Verein, die Bullerei, sag ich dir.”, nimmt er den Faden wieder auf. “‘N linker Verein”, wiederholt er und kichert vor sich hin, sichtlich stolz auf diesen Einfall. “Ist wie beim Bund!”, ruft er laut, sodass ihn wieder alle ansehen, “Seh ich so aus, als ob ich zum Bund gehe?”
“Neeeee, wirklich nicht.”, muss ich zustimmen.
“Warst du beim Bund?”
“Ne.”
“Mach bloß keine Scheiße.”, brummt er wie das Delphische Orakel persönlich.Das Telefon klingelt. Die Chefin schwebt auf High Heels die kleine Stufe hinab und säuselt ihr “Hallöchen!” in den Hörer.
Das Übliche folgt. Ja, ja, mhm, ja, mach ich. Ihre Miene verdunkelt sich. Sie legt auf, vergisst ihre Frisörinnengelassenheit beim Telefon und wendet sich ihrem neuen Kunden zu.Bald ist er fertig. Das Ultra-Kurz-Programm ohne lange Reden über das letzte Wochenende, die Vergangenheit und was noch kommen möge. Aber mit Schnitt.
“Fertig Meister!”, ruft die Chefin und lässt ihr Rasiermesser locker in den Griff zurückschnappen, “Nächster!”Ich nehme Platz und überlege, wie ich am Besten meinen thalamischen Wunsch äußern könnte. Vielleicht durchsetzt mit Hallöchen und Anekdoten frührer Sitzungen. Abstufen hier, bisschen ausdünnen dort.
Währenddessen verlässt der seltsame Typ mit dem Bundeswehrparka und frisch gebändigten Haaren den Salon. Er ist kaum die paar Stufen hinunter gegangen, als aus den anliegenden Querstraßen ein Einsatzwagen nach dem anderen rast. Das ganze Bild ist so untypisch für diese kleine Seitenstraße mit ihren Grau-in-Grau-Häusern, dass es mich fast schon nicht mehr überraschen will. Mit quietschenden Reifen verriegeln sie alle Fluchtwege, sofort springen Beamte in kackbraunen Uniformen aus den Autos, die Hand demonstrativ an der Waffe.
Ganz langsam rollt, wie in einem schlechten Tatort mit Dominic Raacke, ein dunkler Opel, Zivilfahnder, von hinten an die Kolonne heran. Die ausgestiegenen Beamten in schnittigem Hilfiger-Hemd lächeln überlegen, zeigen ein flatterndes Blättchen Papier, klimpern mit einem Paar Handschellen, die alten, kratzigen, und bugsieren den armen Kerl in ihrem dunklen, “Niemand erkennt unsere-Zivilautos mit den extrem unauffälligen Kennzeichen ohne Buchstaben nach den Plaketten”-Zivilauto davon.
“Meldet sich die SOKO jetzt schon am Telefon, bevor es losgeht.”, sage ich verwundert. Der Thalamus scheint vorerst vergessen.
“Ne ne.”, beschwichtigt die Chefin und wischt sich den Schweiß von der Stirn, “War die Tochter von der alten Frau Schmitz. Wieder ‘ne Kundin weniger.”












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