The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Es war paradox. An einem Punkt, an dem sich alles ändern sollte, schien niemand überhaupt Notiz davon zu nehmen.
    Tarek stand auf der Brüstung des Dachs eines Konsumtempels im Stadtzentrum. Der Wind strich ihm langsam ums Gesicht, pfiff durch den Dreitagebart, dass es ihm fast ein Lächeln abrang und verfing sich in seinen Haaren, aus denen die Strömung große Büschel in die Aufrechte hievte. Es war nicht länger kalt für ihn. Sie hatten sich arrangiert, Tarek und die Kälte.

    Noch gerade rechtzeitig zur Vorweihnachts- und damit Haupteinkaufszeit hatten sie den neuen Betonblock eröffnet, vollgestopft mit allerlei Kram, den niemand brauchte, von dem jeder sagte, dass es langsam Überhand nähme, in den sich aber doch so so viele bequemten, aus dem sich aber doch so so viele eben diesen Kram, den niemand brauchte, besorgten, um glücklich zu werden, oder wenigstens glauben zu können, sich dem Zustand des Glücklich-Seins anzunähern.
    Tarek sah nach unten und beobachtete die letzten Einkaufsjunkies, die, wie auf der Suche nach einem neuen Gramm, schnell noch durch die großen Flügeltüren hetzten. Bald würden sie schließen. Bald würden die letzten Vollbepackten wie volltrunken aus dem Gebäude taumeln. Sie würden sich gut fühlen, denn sie würden genau das getan haben, was man von ihnen erwartet.

    Es geht nicht, dachte Tarek. Man kann sich nicht einfach an Heiligabend umbringen. Denn dann würde es den Anschein einer Affekthandlung erwecken, selbst wenn es schon lange und ausführlich geplant wäre. Sie würden in Fernsehmanier vor dem zerfetzten Häufchen Tarek stehen, sich ihre voll verspiegelten Brillen auf den Nasen gerade rücken und etwas von Kollaps und weihnachtlicher Einsamkeit reden, wahrscheinlich Depression und immer wieder traurig, traurig sagen, ohne auch nur einen Schimmer davon zu haben, wie es ist. Hauptsache, es klang gut.
    Und er dachte an alle, die die Nachricht vom zermatschten Tarek noch vor Abendessen und Geschenken ereilen würde. Sie würden den Schnaps aus dem Schrank holen. Die Geschenke gäbe es später. Wenige würden fragen warum.

    Warum eigentlich?
    Er kannte es zu Genüge, hatte es zu oft gehört, zu oft darüber geschmunzelt, war zu oft darüber verzweifelt, hatte zu oft damit überein gestimmt, es zu oft wieder verworfen, zu oft verflucht, sich zu oft geschworen, sich nicht weiter darum zu kümmern.
    Ja, ja, wir sind anders, dozierte Tarek in Gedanken, Da genügt es, die eigene Überzeugung nicht zu verlassen, um sich sicher und geborgen, außerhalb des eigenen Kosmos’ gerettet zu fühlen. Denn es ist leichter, sich selbst außen vor zu lassen, um nicht Gefahr zu laufen, sich selbst verstrickter zu sehen, als es einem lieb sein möge.

    Vielleicht müssen wir deshalb genau so werden, wie wir es nie hatten werden wollen. Weich und dennoch rissig, träge und allzu leicht zufrieden – satt.
    Vielleicht genügt dann auch das gute Gewissen, den Ist-Zustand zu negieren und sich immerfort überlegen zu fühlen, obgleich man nur weiter auf ausgetretenen Pfaden umherschlendert.
    Und vielleicht scheidet sich hier, was schafft und was bloß ist, was vorwärts drängt und was stehen bleibt, aber nichtsdestotrotz Basis für alles darauf Aufbauende, alles daraus Ausbrechende ist.
    Vielleicht, ja. Nur dürfte man eben genau dann auch nichts dagegen haben. Zumal es Spekulation ist, dachte Tarek. Wenn man schon einmal da ist, wäre es eine Schande auf Grund Anderer zu gehen.

    Die Wachmänner, die gerade ihre Nachtschicht antraten und begannen, alle Türen zu verriegeln, sahen ihn verwundert an, als Tarek aus dem Treppenhaus in die Haushaltswarenabteilung stolperte.
    Sie fragten nicht, woher er kam und was er vorgehabt hatte. Stattdessen schalteten sie die Rolltreppen wieder an und begleiteten ihn wortlos bis zum Ausgang.
    “Frohe Weihnachten!”, wünschten sie ihm, als sie die Tür hinter ihm ins Schloss rasten ließen.
    “Frohe Weihnachten!”, erwiderte Tarek.
    Es schneite. Nichts hatte sich geändert. Und nichts würde ein gutes Ende nehmen. Aber wen sollte das schon interessieren? Und vor allem warum?

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