The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Samstagnachmittag, Affenhitze.

    Gegen Mittag wachte ich, wie üblich, schweißgebadet inmitten meiner 35-Quadratmeter-Sauna im siebten Stock auf. Scheiße, immer noch kein Regen. Ich fühlte mich wie eine halbgare Presswurst im viel zu großen Darm, die sich nach der kalten Abschreckdusche sehnt, um endlich diesen wabbeligen Zustand zunehmender Paralyse überwinden zu können.

    Dabei war es ein stinknormaler Sommer. Nur viel zu heiß. Sommer eben. Seit Anfang Mai herrschte die Hitze über der ganzen Stadt. Eigentlich hatte ich schon darüber nachgedacht, überhaupt nicht mehr aufzustehen, denn jede Bewegung kostete immens Kraft und erinnerte mich an schwerfällige, alte Leute beim Wassertreten. Aber ebenso unmöglich war es, einfach liegen zu bleiben. Ich fürchtete Schimmel.

    Was soll’s. Ich trottete, begleitet von Ffft- und Schlrpp-Geräuschen, über das matschige Linoleum zum Balkon. Draußen war es noch wärmer. Nicht drückend, aber stechender. Jeder Zigarettenzug brannte wie Hölle auf den Lippen und ich entwickelte langsam Mitleid für diese neumodischen Sonnenkollektoren, die man gegenüber auf einem Haus angebracht hatte.

    Während der fünfmonatigen Blase ging fast meine ganze Kohle für lebenserhaltende Maßnahmen drauf: Erfrischung und Betäubung. Die kalte Dusche war schon nur noch lauwarm, da sich die Rohre in der Nacht kaum noch merklich abkühlten. Man konnte seine Tage nur im Freibad halbwegs erträglich herumbringen.

    Und da ich von all meinen Freunden am weitesten draußen wohnte, blieb es meist an mir hängen, einen Umweg durch den Bürgerpark zu nehmen, etwas zum Rauchen zu besorgen und im Anschluss die üblichen Verdächtigen zum Baden abzuholen.

    Aber jedes Mal, sobald ich bezahlt oder den inoffiziellen Eingang durch ein Loch im Zaun genommen hatte, verschwand der zuvor unablässige Drang, ins Wasser zu gehen und es nicht wieder zu verlassen. Manchmal ging ich dann nur ein Mal, kurz bevor wir den Abend an anderer Stelle ausklingen ließen, kurz hinein oder beschränkte meine Bemühungen auf einige Turmsprünge und den erfrischenden Gedanken der Möglichkeit.

    Mit meinem sommerlichen Phlegma schien ich jedoch nur bei den Frauen auf Gegenliebe zu stoßen. Auf meine zerfledderte Bastmatte gekauert bewunderte Gabi tagtäglich meine für einen Mann viel zu langen Wimpern, Christine liebäugelte mit dem Blau meiner Augen, das, durch das Chlor verstärkt, nach einer halben Stunde im Wasser immer besonders auffällig durch die Weltgeschichte blitzte. Und wenn erst einmal das Dope seine Wirkung entfaltet und meine psychotherapeutischen Fähigkeiten freigelegt hatte, mutierte ich zum besten Zuhörer, den sich Frau überhaupt wünschen konnte.

    Der wirklich männliche Part hingegen tat, was in seinem Innersten tief verankert war. Voller Eifer blockierten Tim, Kalle und einige Andere die Tunnel der Wasserrutschen, bis ihnen zu dicke Zwölfjährige in den Rücken krachten, sie verscheuchten kleine Kinder von den Klettergerüsten um ihrem Schaukeltrieb freien Lauf lassen zu können, sie klauten Pappmaschee-Surfbretter aus dem Häuschen des Bademeisters oder lieferten sich kleinere Geplänkel mit den Local-Heros der angrenzenden Bezirke, die es sich zum Spaß machten, ab und an einen saftigen Neger im Nichtschwimmerbecken abzuseilen.

    Da alles war der übliche Trott. Bis man uns für den Rest des Sommers aus dem Freibad warf.

    Einmal, gerade schilderte mir Elke, die ganz und gar nicht unansehnliche Rothaarige und Freundin Kalles, ihre sexuellen Vorlieben und mit welcher Genauigkeit ihr derzeitiger Freund sie zu verfehlen wusste, da hörte ich selbigen auch schon vom Fünfer zu uns herüber grölen.

    Tim, Kalle und einige mehr hatten ein der Typen, mit denen sie üblicherweise Stress hatten, mit auf den Turm gezerrt und präsentierten ihn jetzt stolz dem halben Freibad. Zwei Mann blockierten die Leiter, der Rest hielt den total verschüchterten Kerl, der wahrscheinlich schon das Schlimmste befürchtete, an den Armen fest.
    «Fette Beute!», rief Kalle und tippte fröhlich auf den dicken Bauch des Typen, «Der schwimmt gut!»
    Aber Elke verdrehte nur die Augen und ließ sich nicht stören. Sie quatschte einfach weiter auf mich ein, als hätte sie nichts gehört, während ich nebenher beobachtete, wie Kalle hitziger und hitziger wurde.
    Sie warfen den armen Kerl mit aller Kraft ins Wasser. Und noch ehe er sich gefangen und zum Rand schwimmen konnte, nahm Kalle Anlauf und hechtete ihm nach.

    Alle dachten, er würde ihn bloß erschrecken wollen, aber er landete haargenau und mitten auf dem dicken Typen, der wie ein nasser Sack ächzend unter Kalles Körper im Wasser verschwand.
    Als er wieder hochkam war er kreidebleich und versuchte zu schreien, brachte aber keinen Ton hervor. Seine linke Schulter hing irgendwie schief, er hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Arm und versuchte sich an den Beckenrand zu strampeln, was ihm natürlich nicht gelang.

    «Der geht kaputt!», rief einer, der vom Turm aus auf den armen Kerl hinunterblickte und sprang hinterher, diesmal aber, schon in weiser Voraussicht, weiter weg von ihm. Ohne zu Zucken griff er ihn unter den Armen und zog ihn schnaufend und wie wild paddelnd an den Rand, wo ihn ein paar Andere aus dem Becken hievten.

    Ergebnis: Ein Schlüsselbein in zwei Teilen, ein gebrochener Unterarm und natürlich Rausschmiss für den Rest der Saison.
    Ein paar alte Omas applaudierten dem Rettungsschwimmer in spe, die herbeigerufenen Bullen kümmerten sich um Kalle.

    Der aber bekam seine Quittung ein paar Tage später, als er noch einmal zusammen mit Elke versuchte, eine Karte zu bekommen. Die Kassiererin erkannte ihn sofort, genau wie die Locals, die es sich auf den Tribünen nahe beim Eingang bequem gemacht hatten und die Rechnung dann auf dem Parkplatz vor dem Bad beglichen.

    Und das vorzeitige Saisonende kam ohnehin ein paar Wochen später mit einem Knall. Besser gesagt mit einem fetten Platschen. Da zerfetzte es einen besoffenen Russen in Stücke, als er vom Zehner fiel und bäuchlings aufs Wasser schlug.
    Zumindest Tim freute es unheimlich: «Wenn wir nicht, dann keiner, bitteschön!»

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