The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Als ich noch ein kleiner Junge war, verabscheute ich jede Form von Gemüse in meinem Essen. Meine tiefe Abneigung gegen alles, was in der Erde wuchs, auf meinem Teller landete und nicht gerade einer Kartoffel ähnelte, war damals schier unüberbrückbar. Ich hasste es gekocht, ich hasste es roh, ich hasste es gedünstet, gebraten, gehackt, geschnitten, gewürfelt, einfach in jeder erdenklichen Zubereitungsform.
Zu Hause rührte ich die Schalen voll Erbsen, den Rotkohl und das Sauerkraut erst gar nicht an. Beim Anblick des faserigen Spargels, den sich die Anderen genüsslich quer und hochkant in die Münder quetschten, musste ich würgen und sehnte innerlich den 14. Juni, jenen Tag, an dem das Spargelstechen für jedes Jahr sein Ende nehmen würde, herbei. Meiner Meinung nach roch der Rosenkohl schon von weitem verbittert und zäh, sodass ich bei seinem Duft unweigerlich an die schweißigen, dicht und grau behaarten Achseln meines Onkels Alfons denken musste. Der Blumenkohl erinnerte mich an feindselige, außerirdische Lebensformen und an den Mathematikunterricht. Nein, ich ertrug nicht einmal dass Wissen um die gummiartige Konsistenz der Haut einer gefüllten Paprikaschote, wie sie meine Mutter mit Argusaugen ganz vorsichtig und sorgsam von ihrem weich gekochten Fruchtfleisch abzog, um sie dann wie Spaghetti in einem festen Atemzug in sich aufzusaugen. Allein beim Gedanken an schleimige Mohrrüben in Rahmsauce und Mehlschwitze, die mich seit jeher misstrauisch werden ließen, war ich schon längst wieder satt, und vom Brokkoli behauptete ich felsenfest, er sei bloss das Ergebnis eines missglückten, genetischen Experiments.
Sobald ich diesen Kleinkrieg nur an den Wochenenden und in Bezug auf die Kochkünste meiner Mutter zu führen hatte, ging ich immer als Sieger hervor. Und sobald es in Restaurants oder zu sonstigen Essen ging, hielt ich mich ganz einfach komplett von allem fern, was mir nicht ganz geheuer war. Ständig machte sich meine Großmutter Sorgen, ich sei zu mäklig, ich würde auf diese Weise nie zunehmen können, nie groß und stark werden und hielt mir vor, was für ein schlechter Esser und Suppenkasper ich sei, womit sie freilich auch noch den Trotz aufs Programm rief.
Aber meine Mutter hatte einen Trick, mit dem sie mich insgeheim doch dazu brachte, all das zu essen, was ich nie essen wollte. Ihre Geheimwaffe hieß Pürierstab. Sie zerhächselte alles, was ich in voller Größe als Anlass zum Streik genommen hätte. Zwar hatte es mich immer schon gewundert, warum die Kartoffelsuppe etwas roter als bloße Kartoffeln und die Bratensoße so sämig war, aber mein Geschmack richtete sich nach einem simplen Prinzip der schönen neuen Welt des Mittagstischs: «Was ich nicht sehe, ist auch nicht im Essen.»
Prekärer wird die Situation aber, wenn eine ganze Regierung dieses Prinzip der schleichenden Gewöhnung für sich entdeckt und versucht, die Kontrollmacht des Staates Stück für Stück zu mehren, im gleichen Atemzug die der eigenen Bürger zu verringern und sich dabei auf die fortschreitende Entwicklung der Technik, den gesetzlichen Nachholbedarf und den neuen Trend-Grund des islamistischen Terrors beruft.
Ganz nebenbei erlassen dann Ex-Innenminister während ihrer Legislaturperiode Gesetze, die es ermöglichen sollen, dass Sicherheitsbehörden Zugriff auf die Rechner der Bevölkerung haben, deren Nachfolger mit ihren Überwachungskatalogen einen Schärfegrad erreichen, der an Geheimdienstchefs früherer, totalitärer Staaten erinnert. Eifrig beschließt man die Einflechtung von RFID-Chips und biometrischer Daten in Reisepässen und Personalausweisen, hofft auf den breiten Einsatz von Rasterfahndung und der Bundeswehr, sowie auf die von Auswertung von Maut-Daten, um ein möglichst umfassendes, transparentes Verdächtigkeitsbild eines jeden in den eigenen Datenbanken katalogisieren zu können. Dazu überzieht man ganze Städte mit einem Netz aus Überwachungskameras, durchsucht auf fragwürdiger Rechtsbasis Wohnungen und Büros potentieller terroristischer Vereinigungen, schafft so ein Klima der Aggression und verbockt einen ebenso fragwürdigen Wirtschaftsgipfel, bei dem Rechtsmittel auf ekelhafteste Weise ausgereizt werden und der in einer medialen Farce endet, wie man sie sich anders nicht hätte wünschen und erwarten können. Bestehende, freiheitliche Grundladen werden verwässert, überzogene Aktionen werden durchgeführt und man hängt sich unschuldig den Wunderbeutel um, warum sich alle nur so aufregen. Dabei scheint es, als seien Gegenstimmen, selbst friedlicher Art, mehr und mehr unerwünscht. Das alles geschieht unter dem Dogma der Fürsorglichkeit und des Schutzes. Dabei mag man vor allem und jedem in irgendeiner Weise geschützt und sicher sein, aber keinesfalls vor demjenigen, der das Damoklesschwert über dem eigenen Kopf in Händen hält.
Wir erleben ein konstantes Verkennen der eigentlichen Probleme und Lösungsversuche durch blinde Hau-Ruck-Aktionen und pure Ignoranz. Und Stück für Stück versucht man ein Klima zu schaffen, das nach genau solchen Lösungen schreit, eine Basispanik. Wenn die Vorratsdatenspeicherung heute noch völlig überzogen erscheint, mag sie nach fünf weiteren Razzien bei potentiell Molotov-Coktails-werfenden Autonomen oder noch sechs weiteren Übergriffen durch prügelnde Neonazis für manche schon längst wie das Allheilmittel aussehen.
Sich in der eigenen Rückratlosigkeit windende Regierende helfen da freilich wenig. Denn alles, was sie tun, ist peu à peu ein wenig mehr dessen in die Suppe zu mischen, was ursprünglich niemand darin haben wollte. Allein mit dem Unterschied, dass sie sie nicht auslöffeln werden müssen. Denn das Schlimme daran ist, dass nur wenige Aufmerksame bemerken, wie es um sie herum enger wird und sich der Geschmack der Suppe langsam wandelt. Das Gros der Leute am Tisch merkt davon nichts, sondern wird erst darauf aufmerksam, wenn sie schon soviel davon intus haben, dass ihnen längst nichts Anderes mehr schmeckt.
Letztendlich brachte mich die Praxis meiner Mutter so weit, dass ich mittlerweile keinen Unterschied mehr mache, ob das Gemüse püriert oder in seinem Ganzen vor mir liegt - ich esse es in beiden Fällen. Glücklicherweise besteht zwischen Gemüse und Innenpolitik noch immer ein gewaltiger Unterschied, weswegen man spätestens hier einen Schnitt machen sollte. Denn sehr wohl bin ich sensibel genug, um zu bemerken, wenn an den Grundfesten unseres Rechtsstaates gerüttelt wird. Dann lohnt es sich sogar, das Essen, wer auch immer es zubereitet hat, einfach auszuspucken und etwas Anständiges zu fordern. Man muss nicht alles mit sich machen lassen. Schon gar nicht, wenn man locker in der Überzahl ist und das Bestehen eines Staates immer noch von den Leuten abhängig ist, die die Löffel in den Händen halten.
* Anmerkung: Ich erhebe hier keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, noch würde ich wollen, dass jemand alles, was er liest, für bare Münze nimmt. Natürlich lasse ich mich gern korrigieren und eines Besseren belehren. Dafür gibt es die Kommentarfunktion. Aber alles, was ich ausdrücken wollte, ist das Gefühl, das sich in mir aufstaut, sobald ich die Tageszeitung zu Hand nehme und die erste Seite überfliege. Es hat sich vieles verändert und dagegen wäre per se auch nichts zu sagen, würde es sich nicht in eine Richtung entwickeln, die mir mehr und mehr bedenklich und Angst erregend erscheint.












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