The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Wie kann man eigentlich vergessen, den Wehrdienst zu verweigern, wenn man doch nicht vor hat, diesen abzuleisten? Wieso soll die Mensa der Universität nur für Studenten da sein? Oder warum erkennt man die wirklichen Freunde gerade daran, dass sie selbst dann noch zu einem halten, wenn man ihnen vor Jahren ein paar auf die Fresse gehauen hat?
All das sind Fragen, die schon in Sven Regeners Erstlingswerk Herr Lehmann einen Platz hätten haben können. Jene Geschichte über den desillusionierten Frank Lehmann, der sich als Spezialist für die Geschichte des römischen Reiches die Nächte hinter den Thresen versiffter Kneipen um die Ohren geschlagen und sich mit seiner Affinität für die vielen kleinen Sinnlosigkeiten der Welt todernst in die Herzen der Leser debattiert hatte. Da ging es von betrunkenem Sand über den Unterschied zwischen lieben und verliebt sein bis hin zu römischen Kaisern in Schwulenbars.
Trotzdem aber schien schon nach dem ersten Buch etwas gefehlt zu haben. Wo kam dieser Lehmann her und wie vorallendingen wurde er zu diesen Fast-Bohemien, als der er in seiner Geschichte auftritt? Genau an diesem Punkt setzt Fortsetzung Neue Vahr Süd an. Während in Herr Lehmann die letzten Schritte in Richtung des dreißigsten Lebensjahrs thematisiert werden, so handelt es sich in Neue Vahr Süd um die weiter zurück liegende Vorgeschichte des zu diesem Zeitpunkt gerade zwanzig Jahre alten Frank Lehmanns.
Frank, den zu dieser Zeit noch niemand zum Spaß Herr Lehmann nennt, steht an einem Punkt in seinem Leben, an dem er prinzipiell tun und lassen könnte, was er wollte. Wäre da nur nicht der Einberufungsbescheid zur Bundeswehr. Nach seiner Ausbildung zum Speditionskaufsmann hatte es Lehmann schlichtweg nicht für nötig gehalten, jetzt noch, mit seinen zwanzig Jahren, den Dienst zu verweigern. Und so sieht er sich schon von Beginn der Geschichte an ab dem nächsten Tag eine irrwitzige Anzahl von Tagen lang bei der Bundeswehr absitzen. Seine Eltern scheint das nicht sonderlich zu stören, was Franks Wut über seine eigene Schusseligkeit nur noch stärkt, und seine Freunde, allesamt Studenten, kümmert in ihrer Welt zwischen Revolutionsvorstellungen und dem leichten Universitätsleben sowieso kaum etwas.
Die Zeit bei der Bundeswehr läuft für Frank nicht gerade gut. Durch seine vorlaute Art und dem Hang zu abstrusen Diskussionen über Formulierungen und Gesagtes macht er sich bei seinen Vorgesetzten nicht gerade beliebt. Trotzdem aber genießt er den stillen Respekt aller, insbesondere seiner gesamenten Kompanie, für die er zum Aushängeschild avanciert. Lehmann pendelt zwischen zwei verschiedenen Sphären, Bund und Wochenende, und weiß sie nicht recht miteinander zu vereinen. Das Eine ist dem Anderen so fremd wie Frank seinen Eltern, die mit einem zarten Hinweis gleich nach der ersten Woche Bundeswehr indirekt larstellen, dass es für ihn langsam Zeit wäre auszuziehen.
Das tut er dann auch gleich am nächsten Tag. Er zieht in eine WG, bestehend aus Studentenfreunden und Ex-Organisierten, wie er sie nennt, und bekommt ein Durchgangszimmer mit vier Quadratmetern. Er verbringt seine zwei Tage bundeswehrfreier Zeit pro Woche in den verschiedensten Bars und Kneipen, lernt Sibille, die hübsche, aber etwas eigensinnige Studentin kennen und sieht sich immer wieder mitten in lächerlichen Feldzügen der WG-Bewohner gegeneinander. Dabei sind die Tage der Bundeswehr zwar eine willkommene Flucht, aber doch nicht das Richtige für Frank.
Er beschließt den Wehrdienst zu verweigern, obgleich er schon längst seinen Dienst ableistet und durchläuft das volle Programm, um endlich einen Weg aus der Intitution finden zu können, die für ihn noch weniger sinnvoll ist als die Axt in einer der WG-Türen oder dem Vorhaben, achzig Zigaretten an einem Tag zu rauchen.
Mit Neue Vahr Süd kreierte Sven Regener den ersten Teil der Vorgeschichte um den ominösen Herrn Lehmann, von dem man einige Charakterzüge besser versteht, wenn man weiß, weshalb sie existieren. Ich möchte meinen, dass mit dem zweiten Teil der als Trilogie angesetzten Reihe ein noch schöneres Buch als Herr Lehmann entstanden ist, welches eben nur inhaltlich gesehen in der Vergangenheit handelt, stilistisch aber noch einen Deut besser geworden ist.
Das Schema ist nachwievor dasselbe: kleine Alltagsabsurditäten verbunden mit einem stückweisen Voranschreiten der Geschichte. Immer wieder werden bestimmte Eigenheiten der Personen in die Geschichte eingewoben, dabei auch manchmal so plump, wie es eben die Situation auch in Wirklichkeit erfordert hätte. Und dennoch verliert sich die Handlung nie im Klamauk, sodass aus vielen kleinen Lachern immer wieder eine zu bedenkende Situation entsteht, in einer solchen Frank beispielsweise lernen muss, dass eine echte Freundschaft es auch übersteht, wenn man dem Anderen vor ein paar Jahren einmal aus Leichtsinn eins auf die Fresse gegeben hat, es aber nicht von Freundschaft zeugt, sich hinterrücks gegen sogenannte Freunde zu verbünden.
Es scheint, als hätte sich Regener etwas von der filmischen Umsetzung seines ersten Romans abgeschaut und die Dialoge bewusst prägnanter gemacht, aber trotzdem immer darauf geachtet, dass ihnen Witz und Charme nicht entglitten. So schuf er einen nun mehr als doppelt so dicken Nachfolger, der nur noch mehr Lust auf den letzten Teil und die Zeit Herrn Lehmanns zwischen 1981 und 1989 macht.
Sven Regener: Neue Vahr Süd
Goldmann, 1. Auflage Juli 2006
631 Seiten
ISBN: 3442459915












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