The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Schau dich mal um:

    Wo ist hier denn noch Platz für Gedanken,
    für Dinge, die nicht an Alltäglichkeit kranken,
    dem Aufoktroyierten, dem Rückprojezierten,
    dem defizil, ewiglich gleich Aufgeführten?

    Vielleicht ist es bloß gedankenverlorene Präsentationsperversion
    in StudiVZ, StudiKZ und jedem anderem Facebook-Klon…
    Da heißt es Profilpimpen, sich ein kuscheliges Domizil einrichten,
    Mit Myspace, my house und my face, die sich bei Google verdichten,
    Auf dessen Kompetenz Personaler nicht länger verzichten,
    Wenn sie mit Hilfe der Bong-Bildsuche deine Bewerbung vernichten.

    Genau!
    Die Welt dreht sich
    und man versteht sich
    heute eher platonisch und lakonisch
    werden abstruse Gespräche geführt:
    Jo, lol, fjn! Me2, hdl, peace out, Bro! –
    In Kommentarfunktion zu Tränen gerührt,
    *grins* das machen ja auch die Anderen so.

    Was wollt ihr denn aber hören?

    Wollt ihr hören, wie ich mich beschwere über hehre, verquere oder über prekäre Situationen, Stationen der inhaltsleeren Lehre unseres — Konsumverhaltens? Oder halb philosophisch, wie ich mich aufschwinge, hoch über die Dinge, die Dinge die dringlich dinglich dein und mein Leben bedienen und von oben herab lästere ich ab über die Vertracktheit der heillosen Scheinheiligtkeit. Wollt ihr, dass ich mich verbiege, euch kriechend brav zu Füßen liege und davon erzähle, wie ich mich, mehr schlecht als recht, durchs Leben quäle, oder von Feiern und reiern und Partybarbys, oder den Rebellen spiele, mich im Verprellen übe, alles aufs Korn nehme, dass ich euch anlüge und ablehne?

    Was wollt ihr denn hören?

    Wisst ihr es überhaupt?

    Denn genau wenn nicht, ist es auch egal, was ihr hören wollt,
    wenn ihr eh nur bekommt, was ihr hören sollt
    und daraus bloß ableitet, was ihr eben hören wollt,
    von mir und all den Anderen hier!
    Denn was sie wollen ist nicht prompt,
    worauf man beim Bier an der Tür mit der Kippe kommt:
    Fett altah, jo, war geil! Fett, fett, fett, fett, fett altah!

    Das ist doch Scheiße.

  • Wir sind durch die Stadt gestreift, haben uns in Erinnerung gerufen, wie es aussieht, wenn sie schläft und niemand, wirklich niemand mehr ihre Straßen säumt. Mit öligem Tagewerksgeruch in der Nase und schwitzenden Händen, in Allerweltsgeruchsamkeit, gemäßigten Schrittes und geläuterten Atems. Hier und da ein Schatten vergilbter Menschen. Post-apokalyptisches Wandern, wenn man so will.

    Und wir haben uns vorgestellt, es wäre warm, um der Kälte, die sich um unsere Waden wand, endlich wieder Herr zu werden. In weißen Segeltuchhemden den Wind auf der Haut zu spüren, mit dunkelblauen Hosen und Kordeln, die zwischen den Fingern ratschen. Etwas, das einem schwer auf der Haut liegen sollte, aber von der durchströmenden Luft getragen wird. Lebendige Luftpolster zwischen den kleinen Härchen. Wie Liebe zum Anziehen.

    Aber umso näher der Zug diesem Ort kam, desto mehr stieg unser Mitleid für ihn. Er tat uns nicht wirklich leid, aber er wirkte so heimisch, als würde er einen nicht wieder gehen lassen, hätte er erst einmal zugegriffen.

    Wir dachten, dass man hier etwas verpassen könnte. Wollten bleiben. Oder wir längst etwas verpasst hatten. Wollten weg. Kamen uns aber nicht fremd vor. Nicht fremder als sonst irgendwo. Nicht willkommener. Nicht unwillkommener. Nur ein nahtloser Übergang, der trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, irgendwie reizend war. Und blieben. Um ein andermal vielleicht wieder zu gehen.

  • Man sagt, dass man eine warme, geruhsame Nacht über seine Sorgen gießen soll, um die Schlieren der Hin- und Hergerissenheit abzuwaschen und am nächsten Morgen ein klareres Bild vor Augen zu haben.
    Man sagt, das sei das ganze Geheimnis. Das ganze Rezept. Wie Hausmannskost. Einfach, aber gut.

    Isso – Ich schrei sonst, sagen sie.

    Aber niemand erklärt einem, was zu tun ist, wenn die Schwierigkeit wie ein getreuer Freund die Nacht auf der Bettkante verbracht hat. Wenn sie einem den Kopf gestreichelt und dabei gelächelt hat. Nicht verschwunden ist. Ausgeharrt hat wie am Sterbebett eines Verwandten. Den Morgen herbei gefleht hat. Wenn die neblige Nacht ihr Versprechen gehalten und den Tag hat trübe werden lassen. Wenn sich die Sonne eingesperrt hinter den grauen Wolken findet. Wenn alles nur noch dunkel ist. Ist oder einfach geblieben ist. Wenn man sich fragen muss, ob dieser dicke Schleier nicht einfach dazugehört. Oder er so alt ist, dass beides gänzlich schon miteinander verwachsen ist.

    Denn es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass man sich der Welt näher fühlt, wenn man, wie sie, in hellen Scherben durch die Straßen schlürft. Immer und immer wieder. Es ändert sich nichts, wenn einem der Gram nachhängt wie der eigene Schatten.

    Es geht von selbst. Schmerzhaft. Aber zuverlässig.

  • There is just one night every night, you have the right to decide about your own biography. Lie to the people, tell them what you want them to believe and disappear as an unknown stranger just before daybreak.

    B. H. (, der Großartige)

  • Hier bin ich maßlos,
    hier darf ich’s sein!

    Durch Stroboskopdschungel,
    Schweiß, Nebel, Lichtklüngel,
    wildwachsend Stimmgestrüpp
    und Bass.
    Bass Bass Bass Bass Bass.
    und Bass.

    Wer braucht schon Schlaf?
    Wer braucht schon Schlaf?
    Wer braucht schon Schlaf?

    Durch Stroboskopdschungel
    treib mich,
    mich davon.

    Nebel schwanger schweißgebadet
    Licht zerfetzt kalt tot
    Stimmen längst verstummt,
    aber Bass.
    Bass Bass Bass Bass Bass.
    und Bass.

    Komm und sei mit mir heut nacht
    verloren –

    zu zweit

    in der Straßenbahn
    ein bisschen heilsame Einsamkeit tanken.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

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