The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • In eine andere Stadt zu ziehen, heißt einmal mehr die große Option zugesprochen zu bekommen, sein ganzes gesellschaftliches Leben von Grund auf neu zu gestalten. Plötzlich hat man die Chance, endlich so zu werden, wie man es immer sein wollte, endlich als das wahrgenommen zu werden, was man wirklich zu sein glaubt. Man ist ein unbeschriebenes Blatt und gleichzeitig derjenige, der es beschreiben darf. Es ist, als würde sich die soziale Weste während des Umzugs auf wundersame Weise selbst weißen. Nun liegt sie vor einem. Was man tun muss ist nichts Anderes zu tun als sie anzuziehen und vor die Tür zu gehen. Alles fällt von einem ab und schafft dabei kleine Anlegeplätze für längst verloren geglaubte Zustände wie Abenteuer oder Aufregung. Die aufkeimende Chance, sich in einem der Freundschaftsbiotope inmitten des dynamischen Kessels der anonymen Großstadt einzunisten, schmeckt süß und macht ein wenig high.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Manchmal kann man sich schon sehr niederträchtig vorkommen, noch jung zu sein. Beispielsweise wenn man an einem Dienstagmorgen auf dem Nachhauseweg von einer Party den kürzeren Weg über die innerstädtischen Märkte nimmt.
    Zuerst ist es überhaupt ein kleines Kunststück, sich einen Weg durch die dicht gedrängten Massen von Leuten zu drängen, die durchweg über sechzig Jahre alt sind. Leute, die die Wege blockieren und sich gegenseitig vorhalten, wie schlecht das Leben, wie kurz die Zeit und wie teuer der Spargel ist.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Sie müssten einfach nur aufstehen.
    Aufstehen. Losgehen. Was machen.

    Ach ja. Was machen. Und einfach
    nur aufstehen. Es ist ein warmer
    Gefühlszustand, diese Einsicht.

    Warm wie ein Rosenblütenbad
    im Winter, das man paralysiert
    dann kaum noch zu verlassen
    in der Lage ist.

    So wird schon dieses Aufstehen zur Prüfung.

    All diese
    Versprechen an sich selbst,
    die Hoffnung der Anderen,
    gleichzeitige Selbstaufgabe
    und
    Warten auf Träume mit Fallerlebnissen.

    Ja.
    Nur.

    Was machen!
    Was machen.
    Was machen …
    Was machen?

  • In der Unterführung. Ein kleiner Junge trottet lustlos hinter seiner Großmutter her, ein viel zu großes Baseball-Cap verwegen auf dem Kopf.

    DIE OMA völlig entnervt: Ja, wir haben uns das früher auch gewünscht. Gleich Rentner werden. Aber das geht eben nicht.

    TIMMY ohne Einsicht, halb fragend: Aber das müsste doch gehen …

    DIE OMA brüllt: Nein Timmy, das geht eben nicht! Erst musst du arbeiten, dann kannst du an dich denken!

    Ein Bauarbeiter schnappt diese letzte Aussage auf und wischt sich den glänzenden Schweiß vom kugelrunden Bauch.

    BAUARBEITER gröhlt zurück: Mit schechzig dann, Timmy. Halt, Siebenundsechzig! Armer Kerl!

    Die Oma und Timmy ab.

  • Flickr: Paco CT: Sun power - Discurso acalorado de dios
    Foto von Paco CT

    Vor einer guten Ewigkeit noch begannen wir unsere Sommer mit dem alljährlichen Ritual. Irgendwo zwischen den heißen Nachmittagen im wiedereröffneten Freibad, dem Herumlungern auf den Wiesen und ausgedehnten Streifzügen durch die angrenzenden Wälder beschlossen wir, dass es diese 5 Monate sein würden, die unser Leben verändern. Es sollte etwas ganz Großes werden, dass es bis dato noch nicht gegeben hatte. Wir wollten weg von den aufgeschürften Knien und Ellenbogen, den Schmerzen von brennenden und nässenden Wunden, die nur sehr langsam heilten und erst dann wieder von einer neuen Hautschicht verdeckt waren, wenn draußen schon wieder die bunten Blätter auf den Straßen turnten. Und wir lechzten nach den Geschichten von übereiferten Parties in den Sandgruben und den verbotenen Massenaufläufen mitten im Stadtzentrum, von denen es hieß, dass bei ihnen die ein oder andere Tüte kursierte und dass sie grundsätzlich erst dann zu Ende gingen, wenn die Polizei sie auflöste.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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