The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Ennui. Man merkt es schon beim ersten Augenaufschlag, wie viel der Tag von dem, was er verspricht, zu halten in der Lage ist. Meist wenig, aber er stapelt hoch. Entweder man lässt sich dann ein auf dieses wackelige Türmchen Tag, oder man tritt es gleich wieder zusammen, dreht sich um und lässt es bleiben.
Egal. Der Club ist randvoll, der Headliner lässt sich Zeit. Heute Abend sind nur wir zwei vor Ort. Gegen Mitternacht komme ich angestiefelt. Der Film, den ich heute schiebe, heißt einfach nur „Ich und der ganze Rest“, ich und der Beat. Bin Cliffhanger und Vorführer gleichzeitig. Schotten dicht, niemand darf zusehen.
Ausbruch. Die Drinks laufen gut. Dutzende Kippen schlängeln sich ohne Probleme durch die Atemwege in die träge Lunge hinab, schicken sich an, sich schlafen zu legen, dunkle Flecken zu hinterlassen. Da ist es. Was ist es? Keiner hat je gesagt, dass es einfach ist. Aber ebenso wenig, dass es derart anstrengen muss. Die Kontrolle zu finden, nicht einfach liegen zu bleiben. Aufzustehen, loszugehen, was zu machen.
Egal. Ausbrechen, zerbrechen, fliehen, weg bleiben, nur einen lustigen Avatar schicken. Und währenddessen weiter nach der Quadratur des Kreises suchen. In aller Ruhe, weit entfernt hunderten Stroboskoplichtern zusehen, die an ein EEG gekoppelt fast durchbrennen. Stetig vulkanisieren und ausbrechen bei Bedarf.
Ennui. Der ewige Wunsch, einfach zusammenzusacken, diesen lästigen Körper zurückzulassen und in Gedanken weiterzugehen. Oder gleich daneben sitzen zu bleiben. Zuzusehen, was passiert. Es wird warm, wenn es egal ist. Und wenn es warm ist, ist es erst recht egal.
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When I’m at the pearly gates
This’ll be on my videotape
Radiohead - VideotapeMorgens liefern sich nur noch die völlig Zerschossenen kleinere Geplänkel mit ihren Beck’s-Flaschen, während sie es längst aufgegeben haben, nicht ausgenüchtert zu versuchen, nach Hause zu gelangen. Vor den Eingängen des Hauptbahnhfs postieren sich erste Polizeistaffeln. Gepanzerte Frauen und Männer, die noch schnell ein Brötchen beim Bäcker ordern, bevor es losgeht. Hier und dort Anweisungen, wo der Knüppel besonders weh tut.
Wir sind weit weg. Dort am Ufer. Und den Wiesen. Doch, natürlich! Man kann sich Radiohead fühlen.
Ein junger Kerl galoppiert geradezu grazil durch den Gang, als das es schon fast heldenhaft wirkt, wie er sich zu dieser fortgeschrittenen Stunde überhaupt noch unter Kontrolle zu haben scheint. Aber weit gefehlt. Je näher er mir kommt, desto mehr erkenne ich das Elend. Ach herrjeh. Einer der schlimmen Sorte auch noch. Und man kommt nicht umhin, sich schlecht zu fühlen, bei seinem Anblick. Irgendwann steht er schließlich vor mir. Mit einem Wäschekorb voller Bibeln in der Hand. Voll auf Christus! Scheiße, denk ich. Dass es mit der Jugend heute doch derart bergab geht. Wir hatten doch früher auch Probleme… Aber wären wir je so weit gegangen? Damals hatten wir sie noch auf die herkömmliche Weise zu vertreiben gesucht. Mit Alkohol und anderen Drogen. Aber das reicht denen heute ja nicht mehr… Stattdessen ziehen sich einen Psalm nach dem anderen rein, bilden Bibelkreise, beten alsbald schon in der Öffentlichkeit und zerren immerfort Unbeteiligte hinab in den Sumpf der Sucht nach Sühnung.
Nein, wir kommen nicht zurück. Macht doch, was ihr wollt. Wir bleiben einfach weiter Radiohead.
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Mittwochs ist Bergfest.
Das Gros der arbeitenden Bevölkerung hat mehr als die Hälfte der Werktage hinter sich. Was folgt, ist der Donnerstag. Und da denkt man die ganze Zeit über: «Na, dem Himmel sei dank, morgen ist endlich Freitag!». Der Freitag selbst, als der bekanntlich allerleichteste Tag, ist dann nur noch bloße Makulatur. Man übersteht ihn irgendwie, es fällt alles etwas leichter, man lässt den Chef vor sich hin brabbeln, schließlich steht das erlösende Wochenende vor der Tür.
Ab Mittwoch, der größten Hürde des lohnarbeitenden Zyklus’ also, werden die Leute immer leichtsinnig!
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Ich erinnere mich noch gut an diesen einen, mein Leben sondergleichen beeinflussenden, mein Bild von bemitleidenswerten Zuständen vollends revidierenden, tiefe Risse im ohnehin kargen Selbstbewusstsein zurück lassenden, tragischen Tag. Jener Tag, an dem mir der beblaumannte Hausmeister mit hämischen Grinsen im tief gefurchten Henkersgesicht die Schlüssel zu meinem Zimmer im Studentenwohnheim überreichte.
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Enttäuscht heimkehren zu den Träumen. Sie warten. Sind warm.











