The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Donnerstag, 16:30 Uhr, Feierabend.

    Am Morgen hatte mein Chef noch vor versammelter Mannschaft eine kleine Hasstirade auf den kommenden Feiertag verlauten lassen. Lang und breit hatte er erklärt, dass wir ranklotzen und der Zeit voraus arbeiten müssten, um solche Geschäftsschädigungen überhaupt im Entferntesten ausmerzen zu können. Geschäftsschädigungen. Müdes Lächeln aller und darauf folgende Stille, als klar wurde, dass diese Hirnrissigkeit tatsächlich nicht bloß ein lahmarschiger Scherz gewesen sein sollte.
    Danach war er in fünfminütiges Lamentieren über die Millionen von Aufträgen verfallen, die uns aufgrund dieses einen Freitags noch durch die Lappen gehen würden. Er wisse das nämlich. Er käme immerhin aus der Industrie! In-dus-trie!

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Wie lang soll ein Kopf denn so etwas überhaupt aushalten können? Das Klopfen, das Drehen und die immer währenden Versuche, sich die Klarheit zu verschaffen, die man zu brauchen meint? Ständig unter Spannung zu sein, als hinge er fest eingekeilt in einem Schraubstock. Immer am Puls der Zeit, mit jedem Schlag ein Stück weiter nach vorn. Agieren, agieren! Und niemals Halt machen, nie stehen bleiben, verschnaufen oder sich einfach einmal umsehen. All das von dem Gefühl begleitet, die zwölf Aufgaben des Herakles längst überboten zu haben.

    Man will sich auch zurücklehnen können. Sich anlehnen dürfen, die Augen schließen und alles über die inneren Wasserfälle ins gedankliche Nirgendwo entlassen. Nichts mehr mit irgendetwas zu tun haben. Oder nur noch etwas haben, dass sich lohnt. Für ein paar Minuten. Vielleicht für ein paar Monate. Aber trotzdem wie ein farbenblinder Stier jedem flatternden Tuch hinterher hetzend. Es wird sich wieder nicht lohnen.

    Denn vielleicht ist das auch die ganze Kunst. Aufzustehen, loszugehen, etwas zu machen. Sich zurückzulehnen, das frisch aufgelegte Parfum zu spüren, wie es die eigenen Nüstern umweht und keinerlei Unruhe mehr über sich selbst kommen zu lassen. Den ganzen vielen Helfern von nun an zu entbehren. Der sekündlichen genugtuenden Freiheit. Den Kopfketten, dem Kettenkarussell im Kopf. Wie es genau dann ist. Sich selbst zuzusehen. Und weder Furcht noch Eifer zu verspüren. Sondern bloße Zufriedenheit.

    Das Leben im Konjunktiv wäre ein großartiges.

  • Gestade, Gezeiten, so weit voneinander wieder zusammengebracht.
    Geh bei Zeiten auf den Plattitüden nach Hause.
    Oder sich mitnehmen lassen im gedanklichen Renault.
    Die Arme aus dem Fenster gestreckt und den Regen wie das warme Blut die Handgelenke hinunterlaufen lassen.
    Mit dem Schnupfen als morgendliche Bandage.

    “Soll ich? Ich mach’s nur von dir abhängig.”
    “Ja, bitte.”
    Und bei voller Fahrt vergessen den Fluxkompensator anzuschalten.
    Alles umsonst wie Freibier.

    #

    O ja! Sie versprühen Ihr Glück heute mit großlöchriger Tülle.

  • Sobald

    # die Gazetten ausschließlich nach der großen Sensation suchen, um den Bürgern das zu zeigen, was die Politiker sie glauben machen wollen,

    # sie dabei nicht einmal mehr vor der Verdrehung von Tatsachen zu Gunsten dessen, was sie ausdrücken möchten, Halt machen und der Meinungsmaschine einen neuen Dreh geben,

    # sich Staat, Polizei und einige Demonstranten sich auf ein Niveau herablassen, dass sich von bloßem Kräftemessen, reiner Lust am gewaltsamen Aufeinandertreffen nicht länger unterscheidet und an schlimmste Zeiten erinnert,

    # Deeskalation nur noch Ruhe vor dem Sturm bedeutet,

    dann ist wieder einer der großen Pfeiler der Grundrechte von beiden Seiten erfolgreich zerschlagen worden. Nur ausbaden wird es allein eine von ihnen müssen.

    An Tagen wie diesem fühlt man sich aus vielerlei Gründen wieder an bestimmte Sätze erinnert:

    «Der Mensch ist zweifelsohne ein außergewöhnliches Phänomen, aber kein Erfolg.»

    Émile M. Cioran

    Dabei bräuchte es manchmal nicht viel, um soetwas zu widerlegen.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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