The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • «Der Satiriker ist ein gekränkelter Idealist.»
    Kurt Tucholsky

    Als hätte das vermaledeite Naturparlament nun die ganze Sache endgültig besiegelt, sieht es ebenso die Welt ein. Passend zum Herbst wechseln wir Farben und Meinungen. Mit den ersten Blättern fällt dieses bedrückende Gefühl von den Bäumen auf unsere Schultern hinab. Und mit dem ersten Schnee kommt die Resignation hinzu.

    Nur ein seltsames Phänomen kämpft noch dagegen an: Super-Angie rettet die Welt!

    Von ihr könnte selbst Chuck Norris noch etwas lernen. Ausdruckslos und blutleer entsendet sie 500 Schneekanonen in die Arktis und kurbelt nebenbei die PR-Maschinerie an, um Eisbär Knuts natürliche Heimat im Auftrag des schönen Scheins zu retten. Aller das immer Beifall klatschend in Begleitung von Wolle S., einem Badener Amateurfilmer, der die erste Kamera auf dem Nordpol installieren will. Man weiß ja nie…

    Währenddessen verweben im Heimatland fleißige Mithelfer eifrig die vor Sorge triefenden Spenden der von der bemitleidenswerten Geschichte im Herzen getroffenen Bürger in die Steinkohlesubventionen der kommenden Jahre.

    Flieg, Super-Angie! Flieg bloß weit genug weg! Und vergiss den Wolle nicht!

  • Der jeweils einunddreißigste Tag eines Monats, wenn vorhanden, existiert nicht länger!

    Zur Förderung der Gleichberechtigung aller Monate bestätigt eine signifikante Mehrheit der Bevölkerung auf Basis der Habermasschen Konsenstheorie der Wahrheit die Forderung, den, wenn vorhanden, einunddreißigsten Tag eines Monats abzuschaffen und diesen, zwecks Schaffung einer monatlichen Gleichberechtigung, an andere, benachteiligte Monate zu spenden.

    Meteorologen verwirrt. Philosophen verzweifelt. Politiker stolz. Volk extatisch. Partitipationsrecht endlich voll durchgesetzt.

    Yeay!

  • Mittwochs ist Bergfest.

    Mehr als die Hälfte der Arbeitswoche ist für den Großteil der Leute vorbei. Morgen ist schon Donnerstag. Und da denkt man den ganzen Tag: “Na, dem Himmel sei dank, morgen ist endlich Freitag!”. Der Freitag selbst, als der allerleichteste aller Tage, ist dann nur noch bloße Makulatur.

    Am Mittwoch also, da werden die Leute leichtsinnig.

    Rennen, ohne nach links oder rechts zu schauen über die Straße, weil drüben die hübsche Rothaarige winkt und werden fast von der Straßenbahn überrollt, die nur durch eine Notbremsung zum Stehen kommt. Drinnen fallen die Fahrgäste aufeinander. Ein junger Mann und eine nette Dame kommen sich näher. Bald steigen sie gemeinsam aus.

    Alte Leute frieren an der Haltestelle. Sie können es kaum abwarten, bis ihre Bahn einfährt. Darum strecken sie immerfort den Kopf nach vorn und starren in die entgegengesetzte Fahrtrichtung. Irgendwann kommt die Bahn tatsächlich. Und irgendwann müssen sich bis dahin auch die Halswirbel der alten Leute verschoben haben, die ihr Genick spannen. Sie knallen mit dem Kopf gegen die einfahrende Bahn, noch ehe sie ihren Hals wieder eingeränkt und den ungeduldigen Schädel weggezogen haben. Ein Krankenwagen kommt.

    Kleine Jungen outen sich bei der Heimfahrt von der Schule als No-Angels-Veteranen, Tokio-Hotel-Vertraute und seit kurzem auch Lafée-Anhänger. “Alter! Ich bin sogar drei Fans!” Die Freunde nicken anerkennend. Kleine Jungen, die so dick sind, dass man wirklich glauben könnte, sie seien drei in einem.

    Große Jungen outen sich bei der Heimfahrt von der Schule als Vollidioten. Reden, als würde ihnen die Krankenkasse keinen Besuch beim Logopäden finanzieren wollen. Ziehen sich an, als wären sie früher auch drei in einem gewesen. Fassen sich ständig in den Schritt und packen sich beim Aussteigen derart auf die Fresse, dass es wie Breakdance aussieht. Brechen tun sie sich jedoch nur den Oberschenkelhals.

    Komische Leute sitzen auf dem Deppeneinzelplatz direkt an der Tür. Weil es so langweilig ist und das Bier an diesem Morgen schon wieder so gut geschmeckt hat, klimpern sich aufgeregt mit den geleerten Überbleibseln und singen dazu lautstark “Das Mädchen von Seite 1″.

    Mittwochs trifft sich die ganze Faszination der Nachtbusse schon am Nachmittag in der Bahn.

  • Dass die Tage kürzer werden und der Himmel immer dunkler, ist wahrscheinlich meine Schuld. Ich habe mich explodieren lassen, mit der Wucht des Knalls die Erde in bisschen auf ihrer Umlaufbahn entlang schlittern lassen und mit dem Rauch Herbst gemacht. Die fallenden Blätter stammen vom Kohlenmonooxid in der Luft.

    Zuerst hatte ich überlegt, einmal Wetterfrosch zu werden, diesen Plan aber bald wieder verworfen bei der Aussicht, mein Leben in einem Einweckglas aus Omas Zeiten zu verbringen. Da strebte ich eine Karriere in der ARD an. Als Kachelmann. Nur war der Posten schon vergeben. Da fragt man sich, was Neil Armstrong getan hätte, wenn die NASA schon einen Neil gehabt hätte.

    Wahrscheinlich hätte er es drauf ankommen lassen. Wäre alleine zum Mond geflogen. Auf eigene Faust. Und genau deshalb habe ich auch das Wetter gemacht. Mit einer komischen Einlage als Krähn, oder wie dieses Tier heißt, Gockel oder Hahn, zuerst die Nachbarschaft kurz vor dem Zubettgehen wieder aufgeweckt, gezündet und es Herbst werden lassen.

    Dann kam die Polizei. Doch die grün-braun gekleideten Leute, von denen die besser Bezahlten mittlerweile in hübscher Hardlinermontur umherpilgern, wollten nichts von meiner Karrieremisere wissen. Ich entschuldigte mich sogar beim Staatsanwalt. Der aber sagte, dass sei schon immer so. Mit dem Herbst. Genau wie mit dem Kachelmann. Der sei ja auch schon immer da.

    Da könne ich auch nichts dran ändern. Abgekatertes Wetterspiel. Trotzdem habe ich schließlich die Nacht auf dem Revier verbringen dürfen, um die letzten Brandungen der Aussicht einer Zukunft in barer Verzweiflung zumindest in hard gelineter Gesellschaft überstehen zu können.

  • Aufzusteigen. Auferstehen.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling, Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und Teil des Team Totale Zerstörung, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute:
Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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