The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Zum schätzungsweise hundertsten Mal hatte ich schon auf den kleinen Knopf geklickt, der neue, elektronische Post versprach, aber immer noch keine brachte. Zum schätzungsweise dreihundertsten Mal hatte ich bereits die Tastensperre meines Handys entfernt und mit Argusaugen auf der Anzeige nach einem Briefumschlag gesucht, aber keinen entdecken können. Irgendetwas, das mich davon abhalten würde, mich aus Langeweile zur feierlichen Immatrikulation zu schleppen.
Es half nichts. Niemand schien mich erretten zu wollen.
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When I’m at the pearly gates
This’ll be on my videotape
Radiohead - VideotapeMorgens liefern sich nur noch die völlig Zerschossenen kleinere Geplänkel mit ihren Beck’s-Flaschen, während sie es längst aufgegeben haben, nicht ausgenüchtert zu versuchen, nach Hause zu gelangen. Vor den Eingängen des Hauptbahnhfs postieren sich erste Polizeistaffeln. Gepanzerte Frauen und Männer, die noch schnell ein Brötchen beim Bäcker ordern, bevor es losgeht. Hier und dort Anweisungen, wo der Knüppel besonders weh tut.
Wir sind weit weg. Dort am Ufer. Und den Wiesen. Doch, natürlich! Man kann sich Radiohead fühlen.
Ein junger Kerl galoppiert geradezu grazil durch den Gang, als das es schon fast heldenhaft wirkt, wie er sich zu dieser fortgeschrittenen Stunde überhaupt noch unter Kontrolle zu haben scheint. Aber weit gefehlt. Je näher er mir kommt, desto mehr erkenne ich das Elend. Ach herrjeh. Einer der schlimmen Sorte auch noch. Und man kommt nicht umhin, sich schlecht zu fühlen, bei seinem Anblick. Irgendwann steht er schließlich vor mir. Mit einem Wäschekorb voller Bibeln in der Hand. Voll auf Christus! Scheiße, denk ich. Dass es mit der Jugend heute doch derart bergab geht. Wir hatten doch früher auch Probleme… Aber wären wir je so weit gegangen? Damals hatten wir sie noch auf die herkömmliche Weise zu vertreiben gesucht. Mit Alkohol und anderen Drogen. Aber das reicht denen heute ja nicht mehr… Stattdessen ziehen sich einen Psalm nach dem anderen rein, bilden Bibelkreise, beten alsbald schon in der Öffentlichkeit und zerren immerfort Unbeteiligte hinab in den Sumpf der Sucht nach Sühnung.
Nein, wir kommen nicht zurück. Macht doch, was ihr wollt. Wir bleiben einfach weiter Radiohead.
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Vier Stunden Straßenbahn fahren, weil es draußen einfach zu kalt ist, dafür aber auf dem Boden eine Wiese und an der Decke ein blauer Himmel gemalt sind, die über den trüben Nachmittag hinweg täuschen. Beim Aussteigen dunkel.
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Draußen ist es verdammt kalt. Nachts gibt es jetzt immer postwendend die Quittung für die milden Tage. Auf den letzten Metern bis zur Haltestelle beginnen meine Bauchmuskeln zu zittern, ich will mich nicht darauf einlassen. Dann kommen die Zähne hinzu, die ganz automatisch zu klappern beginnen. Man riecht schon den Frost.
Hoffentlich kommt die Bahn, wie sie es verspricht. Nachtzüge sind immer der Spiegel des vorangegangenen Abends. In ihnen zeigt sich alles, was die Stadt zwischen acht Uhr abends und sechs Uhr morgen anrichten kann. Niemand zahlt dafür, glaube ich. Es fällt unter städtischen Humanismus, den allabendlichen Einwohnerruin, den ich so mag, wenigstens bis vor die Haustür zu gondeln.
In einer der hinteren Ecken hockt eine Gruppe von Studenten, sichtlich geschlaucht und mittlerweile nur noch ins Bett wollend. Der Abend war gut, aber das möchte jetzt niemand mehr zeigen. Alle sind sich einig, dass man sich morgen nachmittag ja auch noch sagen könnte, dass es gut war.
Ein paar frisch gebackene Pärchen sind über alle Reihen verstreut und können ihre Haltestelle kaum noch erwarten. Immer ungeduldiger reiben sie ihre Oberschenkel aneinander.
Gegenüber sitzen drei junge Frauen, Bürofrauen in schwarz bis grauen Kostümen, mit langgezogenen, weißen Kragen und Hochsteckfrisur. Ihr abendlicher Ausbruch aus dem Freitagfeierabend hat ihnen gefallen. Nur der eingeschlafene, betrunkene Typ, der an die Dritte gelehnt seine Spucke auf ihrer Schulter zu verteilen beginnt, ist so schrecklich vulgär. Sie sehen aus, als würden sie ihn am liebsten wegheften, oder wie sie das nennen würden.
Eine der Obdachlosenzeitungen wird mir angeboten. Was denn drin stehe. „Keene Ahnung, Ick verkoof die nua.“ Auch gut. Nehm ich.
Alles ist vertreten. Nur die harten Fälle liegen auf den Bahnsteigen oder klammern sich schwerfällig an die Seitenspiegel bemalter Autos, während sie ihr versoffenes Geld in flüssiger, mit Bröckchen angereicherter Form wieder auf der Straße verteilen. Problematisch wird es, wenn es mit offenen Augen schlimmer ist, als mit geschlossenen.
Als ich aussteigen muss, obwohl ich noch stundenlang weiterfahren könnte, hält mich ein Typ mit Vollbart an, eingehüllt in ein riesiges, gelbes Tuch. Er sieht so aus, wie ich befürchte, mich am nächsten Morgen zu fühlen. Der Bahnsteig ist völlig leer. Ein vor Aufregung quietschendes Pärchen verschwindet gerade um die Ecke. Ein Versuch, Captain Crishna jetzt auszuweichen, hat überhaupt keinen Zweck. Als er mich endlich in Reichweite hat, hält er mir seine Hand hin. Und als ich ihm meine gebe, will er sie gar nicht wieder loslassen.
„Glaubst du an freie Energien?“
„Gute Frage…“
„Überall in der Luft ist freie Energie!“Er lädt mich zu einem Festival ein. In hübschen Betttüchern freie Energien aufsammeln. Jede Menge Goa und verlorene Erinnerung.
„Sag mal, wenn das stimmt, dann kann man die freien Energien doch auch nutzen, oder?“, frage ich.
„Klar. Kennste Solarzellen?“
„Sicher.“
„Meine Idee. Nur leider nie patentiert.“
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Wäre er eine S-Bahn, würde man ihn womöglich spätestens nach dem ersten Wochenende von erfahrenen Schweißern wieder in seine stählernen Einzelteile zerlegen lassen. Nach der ersten fetten Entgleisung.
Wenn er es übertreibt. Wenn er mit hundertfünfzig durch die Stadt und aus ihr heraus rasen muss. Wenn er dabei die Kontrolle verliert. Links und rechts Lack auf den Leitplanken lässt. Der Beifahrer, ohne das Ratschen zu realisieren, seelenruhig eine Kippe dreht. Bis keine Leitplanken mehr da sind. Die Vorderachse bricht. Und die Kiste nach oben wegbricht. Den Bäumen am Straßenrand entgegen fliegt. An einer dicken Eiche hängen bleibt. Auf der Straße nicht einmal Bremsspuren zurück bleiben.
Dann fühlt es sich für ihn nicht schlimm an, zu sterben. Nicht bemerkenswert. Eher ist es ein wenig enttäuschend. Keine am inneren Auge vorbeiziehenden Filme. Keine weltbewegenden Abschiedsworte. Keine dunkelhaarige Schönheit in wehendem Kleid und kein Licht. Nur bloßes Abwarten. Ein Schlussstrich. Im scheißkalten Dunkeln. Warten, dass das Sterben vorbei geht. Den bunten Bildern zuschauend. Benebelt vom Adrenalin.
Viel zu schnell, das alles. Die Broschüren lügen. Nicht einmal mit dieser Geschwindigkeit ist es die Lenksäule, die ihn umbringt, sondern der Airbag, der ihm mit säuerlichem Knacken das Genick zerbricht. Wie der Schmerz Gedanken und Körper zu trennen weiß. Wie er versucht, was er aus den ganzen Filmen gelernt hat, irgendetwas Geiles aus der Situation zu machen. Vielleicht einen Witz zu reißen. Aber. Nichts passiert. Dunkel wird es. Schluss.











