The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Kindskopf! Ausgelassenes Fett. Ist jemand da? Sicher nicht. An der Pforte der eigenen Wahrnehmung auf Einlass zu warten, erfordert ein hohes Maß an Geduld.

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    Am Horizont klebt der Morgen wie eine umgestoßene Tasse dampfenden Capuccinos. Braun und milchweiß verhangen schiebt er sich empor, hievt sich gerade noch so hoch, dass es bis in den frühen Nachmittag zu genügend Licht reicht. Dabei ist es so kalt geworden, dass sich nicht einmal mehr die Müdigkeit aus den Gliedern der Leute traut. Kopfüber hängt sie in den Körpern und freut sich, ihren Winterschlag genießen zu dürfen.

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    Rauchende Kindsköpfe, auf den Straßen verstreut, rauchend wie verbrauchte Munitionshülsen. 2007 gehörte dem Rockbusiness. Wir ritten durch die Köpfe, holten weit aus und hieben fest zu. Texte wie Bomben, wortene Langstreckenraketen aufs Gemüt, unter Verssalven und Alliterationsartillerie. Wo wir waren, hinterließen wir Spuren. Zinken, wir waren da!

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    We’re just two lost souls swimming in a fish bowl, year after year, running over the same old ground. What have we found? The same old fears, wish you were here.

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    Was sagt es denn schon über Realität aus, wenn jeder Schritt falsch, jeder Atemzug gestellt und jedes Bild im Kopf künstlich anmutet? Wahr ist es immer nur so weit, wie du es zulässt, wahr zu sein. Wahr ist längst nicht wahr, nicht wahr? Und nichts wird ein gutes Ende nehmen.

  • Rollkofferinferno rollt dahin,
    ein Traumland zu zerlegen.
    Davon und hinweg.

    Er flieht,
    wie ich floh,
    nichts wird ein gutes Ende nehmen,
    wenn es ausgeht,
    wie es ausging.

    Wundbrand und
    Starrkrampf -
    Rasierklingenpisse,
    Kopfkrebs,
    Blutersäcke,
    Eiteräpfel.

    Schreibst du einen Text,
    der dich selbst verletzt,
    so stirbt mit jedem Wort,
    einer seiner Leser.

  • Als ich sechzehn wurde, meinte ich, dass es langsam an der Zeit wäre, mit dem Rauchen anzufangen. Sechzehn ist eigentlich kein Alter, um mit dem Rauchen anzufangen. Alle Rauchenden, die ich kannte, hatten mit zwölf oder spätestens vierzehn begonnen.
    Aber ich empfand den Anblick eines Vierzehnjährigen, der eine Kippe in seinem Mundwinkel balanciert und dabei versucht, möglichst verwegen auszusehen, seit jeher lächerlich. Da mussten wenigstens schon ein paar dunkle Bartstoppeln unter der Haut hervor schimmern, um wirklich rau zu wirken.

    Der Sommer kam zuverlässig und die Parties wurden wieder zahlreicher. Die wirklich relevanten Teile der Woche verteilten sich wieder auf Freitag und Samstag, der Rest wurde bloße Verpackung. Da das Geld für Clubs so gut wie nie ausreichte, blieben wir die meiste Zeit bei Bianca, einem recht hübschen Mädchen mit blondem Pferdeschwanz. Die hatte von ihren Eltern den gesamten Keller des Hauses ausgebaut bekommen und genügend Platz, um eine Horde von Trinkwut besessener Halbwüchsiger unterzubringen.

    Seit ich rauchte, scheuchte sie auch mich jedes Mal in den Hof hinaus, wenn ich drinnen ansetzte, mir eine Kippe zu drehen. So lernte ich zumindest Bärbel besser kennen.
    Bärbel war ein komischer Kerl. Faszinierend komisch und irgendwie einsam.
    Sobald wir nach einer halben Stunde zum ersten Mal geschlossen in den Hof drängten, um uns einzunebeln, blieb er meist für den Rest des ganzen Abends draußen stehen.

    «Das ist nix für mich.», erklärte er auf meine Frage hin, warum er nicht mit reinkomme.
    Er ging auf eine andere Schule als ich, kannte kaum einen von uns und hatte wenig Ambitionen, das zu ändern. Seine schwarzen Haare hingen ihm bis in die Augen. In einem angefressenen Anzug hätte er das perfekte Bild eines Gescheiterten verkörpert.
    «Hab einfach keine Lust, kapierst du?»
    Ein oder zwei Jahre älter war er auch. Er schwitzte viel. Sein Gesicht lief immer feuerrot an, sobald er den ersten Schluck Bier genommen hatte. Dann, wenn er grinste, zog sich seine Unterlippe so hoch, dass man mindestens genau so viel Zahnfleisch wie Zähne sehen konnte. Ich nannte ihn den Zahnfleischgrinser.

    Wenn er sich unbeobachtet fühlte, dann knöpfte Bärbel sein weißes Hemd bis zum Solarplexus hinunter auf, breitete die Arme aus und ließ die heiße Abendluft an seinem Körper entlang rauschen, als könne sie etwas von ihm mit sich in den Himmel tragen.
    Er lachte die ganze Zeit über und erzählte mir aufgeregt von seinen Erlebnissen. Aber er lachte anders, als ich es gewohnt war. Ich kam einfach nicht darauf, was für eine Art Lachen es war. Wenn man ihn schwanken sah, mit aufgeknöpftem Hemd und knallrotem Gesicht, hätte alles nahe gelegen. Wenn man die in seiner Kehle verkanntet unterschwellige Verzweiflung dabei hörte, die er Wochenende für Wochenende mit ein paar Flaschen Braunem zu lockern suchte.

    «Lass ihn einfach in Ruhe!», ermahnte mich Bianca, als ich wieder einmal zu Bärbel wollte. Sie hielt mich direkt am Hemdskragen und sah mir fest in die Augen: «Geh doch nicht auch noch zum ihm hin und hör dir seine Geschichten an! Er hat’s doch auch so schon nicht leicht. Sein Vater säuft wie verrückt und die Mutter verbringt fast jede zweite Woche im Frauenhaus. Geregelt läuft da schon lang nichts mehr. Meinst du das geht so einfach an ihm vorbei? Ich denke er braucht echt niemanden, dem er das alles noch erzählen kann.»
    «Ach», rief ich, «Und wenn er alles für sich behält, dann wird’s besser, ja?», stieß sie beseite und ging die Treppen hinauf in den Hof.

    Bärbel sah noch fertiger als gewöhnlich aus. Er lehnte im schnapsgetränkten Hemd an der Mauer und lachte wieder, er war schon völlig dicht.
    «Bin schon seit Mittag hier.», sagte er.
    «Wieso das?»
    «Mein Vater wollte meine Mutter totschlagen.», und er lachte, «Mal wieder.»
    Ich ging näher an ihn heran, um ihn zu stützten und auf den Moment gefasst zu sein, in dem er zusammensacken würde.
    «Da hab ich mich vor ihn gestellt und gesagt, er solle doch lieber mich totschlagen. Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen.»
    «Und dann?»
    «Meine Mutter ist bei meiner Tante. Ich brauch noch mein Zeug. Und wenn er mich anmacht, dann knall ich ihn ab. Notwehr. Ich weiß, dass er ‘ne Knarre hat.»
    «Bist du bescheuert? Geh zu den Bullen. Jetzt gleich. Oder schlaf dich erst aus und geh dann. Kannst mit zu mir, wenn du willst.»
    Doch wo ich dachte, ein Meer aus Verzweiflung freizulegen, stieß ich längst auf eine tiefe, ausgehöhlte Grube voll Resignation.
    «Ach, ich will das heute noch geregelt haben.» Er stand wie angewurzelt da und schien nachzudenken. Er sprach nicht und war mit einem Mal sehr ernst geworden. Plötzlich kniff er die Augen zusammen, so als sei er beim Suchen auf eine besonders schmerzende Stelle gestoßen.
    Dann klopfte er mir auf die Schultern, ich hakte ihn unter und wir humpelten ins Haus, wo ich Bianca um einen ruhigen Schlafplatz für Bärbel bat.
    Der Abend endete früh.

    Am nächsten Morgen machte ich mich sehr früh auf den Weg zu Bianca, um ihr beim aufräumen zu helfen, wie ich mir einzureden versuchte. Aber insgeheim wusste ich ganz genau, dass ich nur in aller Ruhe mit ihr und Bärbel über all das reden wollte, was sie mir von seinen Eltern erzählt hatte. Mir war schlecht bei dem Gedanken, was ich alles noch über sie hören könnte.
    Bianca öffnete mir, noch immer im seidenen Schlafanzug, bat mich herein. Und noch ehe ich etwas sagen konnte plapperte sie ganz klar und schnell: «Bärbel ist tot.»
    Ich registrierte im ersten Moment noch gar nichts. Für mich schlief er immer noch ein paar Räume weiter wie ein Stein, eingesunken in Kissen und Decken, umhüllt von fetten Kopfschmerzen. Diese Wahrheit ging noch tiefer als alles, was ich erwartet hätte.
    «Hat sich erschossen. Gestern. Oder heute früh. Ist wohl nur noch dazu nach Hause gegangen. Irgendwann in der Nacht.»
    Jedes einzelne Wort schlug ein wie ein Meteor.
    «Hat er dir noch etwas gesagt?», fragte ich.
    «Dass er sich gern einmal mit mir so wie mit dir unterhalten hätte. ‘Ja ja, morgen.’, hab ich gesagt. Ich dachte doch, der schläft.», sagte sie verkrampft und versuchte die auftreibenden Tränen zu unterdrücken.
    Ich nahm sie in den Arm und ließ sie erst neun Monate später wieder los. Erst dann, als sie endgültig wieder mit einem Lächeln an ihre Freundschaft mit Bärbel denken konnte.
    «Er war total in mich verschossen. Ewig her.», erklärte sie dann lachend, «Und ich wollte ihn nicht. Aber wir sind Freunde geblieben, weil er mir gezeigt hat, wie man mit den Fingern pfeift.»

    Und ich habe mich selten wieder so beschissen gefühlt. Die Bestätigung, dass ich ihm nicht den letzten Stoß gegeben hatte gegen Bärbels verdammtes, zersprengtes Gehirn unter dem Poster der Tears for Fears. Ich hasste mich dafür, dass es mein erster Gedanke gewesen war, wer dafür verantwortlich sei. Nicht einmal Trauer. Nur verdammte Leere. Zum ersten Mal fühlte ich mich wirklich hilflos und glaubte im Ansatz nachvollziehen zu können, wie für ihn die letzte Jahre gewesen sein mussten.
    Seine Mutter folgte ihm schon kurz nach der Beerdigung.

  • Fast kam ich mir wie ein Bohémien vor. Die zwei Cappuccini, mehrere Luckies, ein aufgeschlagenes Notizbuch nebst einem dunklen Stift, der den vorbeigehenden Leuten eine gewisse Tüchtigkeit vermitteln sollte. Dazu noch eine Zigarettenspitze, ein feiner, spitzer Bart, eine Jacke aus Tweet und ich hätte versucht, den Nachmittag irgendwo in Montmartre, abseits der Touristenscharen, herumzubringen.

    Und wirklich, ich hätte nichts dagegen gehabt. Für diesen Tag war es schon Vorbote genug, wieder auf der Terrasse des Cafés zu sitzen und wieder darauf zu warten, eine Idee zu haben. Aber alles, was mir unter kam, war eine schreckliche Nacht nach der anderen. Stickige, viel zu heiße und vorallem schlaflose Nächte in kleinen Zimmern mit hölzernen Fensterläden.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Es war an einem Mittwoch, so gegen halb elf. Der einzige Tag während des fünften Semesters, an dem ich mich vor 11 Uhr aus dem Haus in die Uni bequemte und auf dem Nachhauseweg der Mensa einen Besuch abstattete. Sie hatten gerade begonnen das Mittagessen anzubieten. Ich zottelte mit meinem Tablett zu einem Tisch nahe der Tür hin, um mich nicht, sobald die erste Welle der Hungrigen einfallen würde, durch die vollgestopften Reihen zwängen zu müssen.

    Auf meinem Teller hatte ich das Wahlessen Nummer 1, zwei wabbelige Spiegeleier, deren Oberfläche nur farblos schimmerte und zu zerlaufen drohte, dazu einen Hieb Bratkartoffeln und ein Stück Sülze, das ich mir hatte aufdrängen lassen. Immer mehr Leute ströhmten in den Saal, die Klangkulisse erweiterte sich mit jeder Sekunde zu einem verzerrten Gebrabbel, das alles, selbst die Gedanken untermauerte.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling, Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und Teil des Team Totale Zerstörung, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute:
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Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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