The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • When I’m at the pearly gates
    This’ll be on my videotape
    Radiohead - Videotape

    Morgens liefern sich nur noch die völlig Zerschossenen kleinere Geplänkel mit ihren Beck’s-Flaschen, während sie es längst aufgegeben haben, nicht ausgenüchtert zu versuchen, nach Hause zu gelangen. Vor den Eingängen des Hauptbahnhfs postieren sich erste Polizeistaffeln. Gepanzerte Frauen und Männer, die noch schnell ein Brötchen beim Bäcker ordern, bevor es losgeht. Hier und dort Anweisungen, wo der Knüppel besonders weh tut.

    Wir sind weit weg. Dort am Ufer. Und den Wiesen. Doch, natürlich! Man kann sich Radiohead fühlen.

    Ein junger Kerl galoppiert geradezu grazil durch den Gang, als das es schon fast heldenhaft wirkt, wie er sich zu dieser fortgeschrittenen Stunde überhaupt noch unter Kontrolle zu haben scheint. Aber weit gefehlt. Je näher er mir kommt, desto mehr erkenne ich das Elend. Ach herrjeh. Einer der schlimmen Sorte auch noch. Und man kommt nicht umhin, sich schlecht zu fühlen, bei seinem Anblick. Irgendwann steht er schließlich vor mir. Mit einem Wäschekorb voller Bibeln in der Hand. Voll auf Christus! Scheiße, denk ich. Dass es mit der Jugend heute doch derart bergab geht. Wir hatten doch früher auch Probleme… Aber wären wir je so weit gegangen? Damals hatten wir sie noch auf die herkömmliche Weise zu vertreiben gesucht. Mit Alkohol und anderen Drogen. Aber das reicht denen heute ja nicht mehr… Stattdessen ziehen sich einen Psalm nach dem anderen rein, bilden Bibelkreise, beten alsbald schon in der Öffentlichkeit und zerren immerfort Unbeteiligte hinab in den Sumpf der Sucht nach Sühnung.

    Nein, wir kommen nicht zurück. Macht doch, was ihr wollt. Wir bleiben einfach weiter Radiohead.

  • Momente, dahinzugehen, wie das Abendrot. Godspeed You! Black Emperor. Das Reißen der Geigen an der Seelenruhe, die ohnehin schon seit jeher nur ein allzu dünner und fest gespannter Faden ist. Alles, was dieses Rasen beschreibt, das unendliche Treiben, sich davonzustehlen und nur das Beste zurückzulassen, währenddessen man vollkommen einfriert.

    Getrieben vom Schlagzeug, den immerfort vibrierenden Snare drums, so wie es eben auch immer weitergehen wird. Mit der perfekten Vorahnung und der marternden Gewissheit ob des Vergangenen, den immer gleichen Weg zu gehen. Ihn vielleicht nur nicht allein zu beschreiten und dem Ganzen so etwas Licht abringen zu können.

    Wie der Schrecken Einzug ins Gesicht seiner Freundin hielt, als er ihr heimlich steckte, des Öfteren beim Autofahren vom Verlangen gepackt zu werden.
    „Und jetzt die Kurve einfach mal nicht nehmen!“
    All die kleinen Schatten. Längst überkommen. Wie alle lachten.

    Mit durchgedrücktem Rückrat den Abend bestreiten wie eine Vogelscheuche, aufrecht und doch längst schon wieder gebeugt. Wenn der Tag mit einer Sekunde zu Ende ist. Ein Schuss durch die Nacht und um die Welt zu sein, von allen erhöhrt. Bis sich die Füße wohlig wärmen und alles eine neue Färbung erhält. Mit einem Mal vermisst man sie alle. Du bist wieder da.

  • Manchmal kann man sich schon sehr niederträchtig vorkommen, noch jung zu sein. Beispielsweise wenn man an einem Dienstagmorgen auf dem Nachhauseweg von einer Party den kürzeren Weg über die innerstädtischen Märkte nimmt.
    Zuerst ist es überhaupt ein kleines Kunststück, sich einen Weg durch die dicht gedrängten Massen von Leuten zu drängen, die durchweg über sechzig Jahre alt sind. Leute, die die Wege blockieren und sich gegenseitig vorhalten, wie schlecht das Leben, wie kurz die Zeit und wie teuer der Spargel ist.

    I can’t go on. I’ll go on. [weiterlesen ...]

  • Der kleine Junge tappt etwas unruhig neben seiner Mutter durch die große Halle. Sie gehen die Treppe nach oben und man sieht, wie der Junge innerlich mit sich ringt. Immer wieder sieht er zu seiner Mutter auf, aber dann verlässt ihn der Mut. Als wir die Galerie entlang laufen, fasst er sich ein Herz.

    «Mama, bin ich von der Straße?»

    Sie runzelt die Stirn.

    «Aber wir wohnen doch in einem Haus!», sagt sie und rückt ihrem Kleinen beim Gehen den Stehkragen zurecht. Wichtige Termine, ganz sicher.

    Er aber findet allenfalls, dass das war keine befriedigende Antwort war. Es dauert noch eine Weile, ehe er sich traut noch einmal nachzuhaken.

    «Max sagt, er ist einer von der Straße.», wirft er ein.

    «Quatsch!», die gute Frau muss ihm auch alle Freude nehmen. Gerade eine Identifikationsfigur gefunden und schon wird sie mit einem Wort aus der potentiellen Wahrheit gefegt. Sie gehen Wortlos bis zu den sich anschließenden Korridoren und steuern auf ein paar Stühle zu, die für die Wartenden aufgestellt worden sind. Die erdrückende Stille schneidet Stück für Stück das Gebäude von der Außenwelt ab. Der alte Mann gegenüber scheint Angst zu haben, dass die Zeit ebenfalls dran glauben muss. Wartend zu sterben war noch nie sehr vorteilhaft.

    Nach einer Weile durchbricht ein Zucken des Jungen die Ruhe:

    «Wie Sido, Mama! Von der Straaaaaße, checkst du das nicht?», ruft er aufgeregt und zieht an ihrem Arm. Alle schauen sie an. Sie checkt’s echt nicht.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute: Aufstehen, losgehen, was machen!

Geschichten, Philosophisches, Politisches und Absurdes.

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