The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Zuschauer. Wir sind Zuschauer, die wegschalten. Und mittendrin gibt es immer wieder Einige, die sich all das zunutze zu machen wissen. Aber wir sehen es nicht.

    Die uns gegebene Zeit steht leer vor uns. Und wir können sie füllen, wenn wir nur wollen. Wir können sie mit allem füllen, was wir wollen. Niemand kann uns etwas vorschreiben. Aber mit einer Hand streichen wir immer an dieser Mauer aus Sozialisation und gewohnter Norm entlang. Und jedes Mal, wenn wir glauben den Halt zu verlieren, an ein Ende zu kommen, war es nur der Gewohnheit gewordene Druck von außen, der langsam auch nach innen übergeht. Unser Leben, eine Suche nach der ruhebringenden Lücke.

    Morgen.

  • Alle Theorie scheint letzten Endes doch in Komplizenschaft mit der der Verzweiflung zu stehen.

    Die Gewissheit des Todes ist keineswegs deprimierend. Sie wirkt allein deprimierend, wenn man sich ihr ein Leben lang entzieht. Wenn man nicht akzeptieren kann. Wenn man glauben muss. Endlichkeit - Erlösung in zweierlei Hinsicht. Die allzu oft in menschlichen Versprechen übergangen wird.

    Tolstoi - es vergeht kein Winter, da ich nicht ständig an ihn denken muss. Das Erkennen der eigenen Zufälligkeit und Unbestimmtheit wird mit jedem Lebensjahr nur umso tragischer, aber umso süßer, wenn man seine Losgelöstheit zu wahren weiß.

  • Der Himmel sieht wie ein liederlich bemaltes Stück Papier aus. Als hätte man sich nicht besonders viel Mühe beim Mischen der dunklen Farben gegeben und viel zu viel Wasser benutzt. Dort, wo es gewellt nach vorn steht und ein weniger heller im Licht schimmert, sagt man, seien Wolken. Das Laub knistert wie frischer Rollrasen im Hochsommer. Irgendwie sieht alles unecht aus. Es passt nicht recht, wenn die Tage auf ein Minimum reduziert werden und man den Vormittag im Halbdunkeln vor sich hin dämmert.

    »Platz da! Plaaatz daaa!«, brüllt die komische, alte Frau, die schon seit einer Weile den Bahnsteig hinauf und wieder hinunter schlürft. Ihre Hosen stehen von angetrocknetem, dreckigen Wasser weit nach vorn ab, sodass ihre Beine in ihnen hin und her schlackern, dass es nur so floppt in der kühlen Luft. Die anderen Leute hier starren sie an, und ich muss mich zur Vernunft rufen, dass ich nichts Anderes tue, als ihr hinterher zu gaffen.

    Es ist dieselbe Luft wie gestern, die wir atmen. Die Nacht hat sie irgendwo im Norden verbracht, sagte die Wetterfrau vorhin. Und nun ist sie wieder da. Ausgeruhter, aber nicht völlig unverbraucht. Sie will sich nicht von den Leuten abheben, die sie atmen. Verständlich.

    Was die Tage, diese künstlich eingeteilten Abschnitte, in die man die Zeit zwängt, um sie überhaupt irgendwie fassen zu können, zusammen hält, hängt an den Handgelenken der geschäftigen Männer dort drüben. Die dicken Uhren aus Metall mit glänzenden Lederbändchen. Sie hetzen dem hinterher, was sie selbst gebaut haben. Am Wochenende traf ich den aalglatten Mann mit Glatze und grauem Anzug auf der Promenade. Er war auf dem Weg in den Zoo, um nachzusehen, ob sich die Tiere von nun an selbst in die Käfige sperrten. Ja, manchmal kann man ein wenig den Zweifel an seinem Augenlid aufblitzen sehen, wenn er darüber nachsinnt, ob es eine Unvergänglichkeit für ihn gibt.

    Keine Zeit zum Nachdenken. Ich streife zum Abschied mit den Fingern am Himmel entlang, um das raue Papier zu spüren. Der Zug kommt. Wir sehen uns morgen. Beeil dich, bitte.

  • PostSecret - Sunday Secrets*

    “Ich erwarte nichts mehr. Ich habe ein Leben gehabt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich blicke zurück und sehe, dass ich nicht nur ein Leben hatte, sondern sogar gelebt habe. Ich finde, dass dies genau das ist, was ich von allem erwarten kann.”

    Der alte Mann

    * In Anlehnung an PostSecret: Sunday Secrets

  • Ein Ennui ist immer ein Faustschlag ins Gesicht des von Religion emanzipierten Bewusstseins. Damit offenbart sich das Schicksal, wenn man es lakonisch so nennen darf, des Skeptikers und des ganzes Skeptizismusses, so wie es nietzscheanische Kinder erleben: Selbstzweck, nicht mehr. Ob es mehr braucht, oder nicht, steht unbeirrt offen.

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Neunzehnhundert, hier schreibt André Herrmann, Student, Schreiberling, Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und Teil des Team Totale Zerstörung, aufgrund manischer Veranlagung die meiste Zeit unaufhörlich Geschichten aus seinem noch jungen, aber bereits recht erfolgreich absurden Leben. Tagesmotto für heute:
Aufstehen, losgehen, was machen!

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