The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Liebes Weltall …
Ein guter Film, also einer, der über die übliche Kostentilgung, den Quatsch von der Absatzförderung und die zwanzig, dreißig obligatorischen Explosionen innerhalb von 90 bis 120 Minuten hinaus will, ist schwer zu finden. Hollywood sucht wie Deutschland Jahr um Jahr nach kleinen Juwelen. Doch wie es eben so ist, sind sie besonders rar und wertvoll zugleich.
Man muss sich wirklich bemühen oder auf gute Empfehlungen vertrauen können, um solche Werke zu finden, die ihren Zuschauern noch mehr mitteilen, sie liebkosen und in eine Welt hinein wiegen wollen, die so fantastisch, allumfassend schön wie oft auch tragisch ist, sodass man als Zuschauer gar keine Wahl hat, als dem Film alle Aufmerksamkeit zu schenken und sich einfach für eine Weile mitnehmen zu lassen.
Beinahe hätte ich schreiben wollen, dass dem deutschen Film mit Was nützt die Liebe in Gedanken von 2003 seit Lola rennt von 1998 nach langer Zeit erst wieder ein Meisterwerk geglückt sei. Aber ich hätte einigen anderen ihren Tribut missgönnt, so beispielsweise dem Pianisten, den Manns oder dem weißen Rauschen. Nichtsdestotrotz aber hat Achim von Borries hiermit einen idyllisch-tragischen Meilenstein gesetzt.
Die Geschichte setzt auf einer realen Begebenheit auf. Und genau das muss von Borries besonders wichtig gewesen sein. Er inszenierte einen historischen Ausschnitt, der heute als Steglitzer Schülertragöde bekannt ist, und der sich trotzdem mit seiner Aufmachung aus der Zeit und aus der Welt zu stehlen scheint.
Er erzählt von den beiden Protagonisten Paul Krantz, einem jungen Arbeitersohn, der sich an der Poesie versucht, und Günther Scheller, einem zügellosen und sehnsüchtigen Kind aus einer gütbürgerlichen Familie. An einem heißen Sommerwochenende in den schönen Randbezirken Berlins feiern sie gemeinsam mit Klassenkameraden ein großes Fest, dass nicht nur in Bezug auf den Alkoholexzess, sondern auch auf das Durcheinandergeraten der Gefühle, buchstäblich ausschweifend ist.
Paul verliebt sich in Hildegard, die Schwester seines Freundes Günther, die ihn jedoch an der langen Leine lässt und sich viel lieber noch mit anderen jungen Männern vergnügt. So auch mit Hans, einem Koch aus der Stadt, der gleichzeitig aber der Freund Günthers ist. Der weiß um die Querelen seiner freizügigen Schwester und missbilligt sie immer wieder. Nur Hildes Freudin Elli scheint es ehrlich mit Paul zu meinen, der diese allerdings nur als schlechten Wechsel für Hilde ansieht.
Paul und Günther verbindet eine besondere Idee vom Leben und der Liebe. Sie glauben, dass jeder Mensch nur einmal in seinem Leben wirklich glücklich sein und wirklich lieben kann. Danach wäre das Leben nur noch davon bestimmt, dass man der besten Zeit seines Lebens hinterher trauert. Und so gründen sie einen Selbstmörderclub, zu dessen Statuten sie es machen, ihr Leben genau in dem Augenblick zu beenden, da sie nicht mehr lieben können und all jene mit in den Tod zu nehmen, von denen sie ihrer Liebe beraubt worden sind.
Nach dem Fest kommt es zum Eklat, der Koch Hans und Hilde betrügen im erweiterten Sinne gleichzeitig Paul und Günther. Und beide stellen fest, dass jener Moment, dessen Ende sie schon vorherbestimmt hatten, jetzt gekommen ist.
Die Athmosphäre des Films ist atemberaubend. Man erlebt die leichte Lebensart einer neuen Generation in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, schwanger von Musik, Tanz, Kunst und des überschwalls, als wäre sie immer noch existent. Eine Generation, die wieder nach dem Sinn des eigenen Lebens fragt und ihn manchmal in fraglichen Schicksalen zu finden glaubt. Absolut wertungsfrei konzentriert sich von Borries auf die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden Protagonisten und versucht so, auch dem Zuschauer einen tieferen und verständnisvolleren Einblick in das Ende des Films zu geben. Dabei nimmt er ihn mit in eine wunderbare Umgebung, die im Traum nicht schöner sein könnte. Ein warmer Sommer, die flatternden, geöffneten, weißen Hemden, die spielerische Leichtigkeit mit Zeit, Leben und Tod werden zum Erlebnis. Es ist eine Welt, in der die normalen, weltlichen Sorgen von Geld, Arbeit und Politik nicht viel zu bedeuten haben und den stärksten der menschlichen Gefühle den ihnen gebührenden Platz einzuräumen haben. So der Liebe, der Angst, dem Glück und auch der bitteren Enttäuschung.
Ich denke, ich habe nicht übertrieben, diese Film ein Meisterwerk zu nennen, ein wahres Juwel ist er in jedem Fall. Dazu tragen natürlich besonders die Darsteller Daniel Brühl und August Diehl bei. Brühl, den man später dann in Die fetten Jahre sind vorbei einen von der Entwicklung der Welt und der Gesellschaft enttäuschten Linken spielen sehen wird, verkörpert die stille Welt der Gedanken sehr gut. Noch mehr aber sticht Diehl heraus, bei dem man nie genau weiß, inwieweit seine Mimik und vorallem seine Stimme jetzt zwischen Trauer und Wut zu schwanken scheinen. Beides großartige Schauspieler, die dem Typus des Träumers und der bedenkenlosen Lebensart erst das für die Idee des Films passende Antlitz verleihen.
Liebes Weltall,
wenn wir nicht mehr existieren, dann soll niemand uns vermissen. Niemand soll uns auch nur eine Träne hinterherweinen. Wenn irgendjemand sich an uns erinnern möchte, dann soll er es voller Freude tun. Es ist nämlich so, wir haben das einzig Richtige getan, wir haben gelebt.Was nützt die Liebe in Gedanken
Deutschland 2003
Regie: Achim von Borries
Buch: Achim von Borries, Hendrik Handloegten
Kamera: Jutta Pohlmann
Mit: Daniel Brühl, August Diehl, Anna Maria Mühe, Thure Lindhart, Jana Pallaske
X Verleih, 90 Minuten















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