The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Innerhalb einer Woche ist der zuvor noch grüne Rasen schon wieder verbrannt. Es knistert leicht, wenn man darüber läuft. Fast scheint es so, als hätte jeder so viel mit sich selbst zu tun, dass er gedankenverloren auf dem Bahnsteig von Zugtür zu Zugtür marschiert und nicht einmal weiß, wo er eigentlich ist. Einsteigen hier, aussteigen dort, und schimpfend auf die Bahn, was für ein Wetter sie doch zu dieser Fahrt gebucht hat.

    Etwas entfernt lungern ein paar Bahnarbeiter und zeigen mit den Fingern auf junge Mädchen, die leicht bekleidet vom Gleis 7 zum Gleis 8 hinüber hüpfen. Den ganzen Nachmittag über werden sie noch von ihnen erzählen, sie mit den Händen nachahmen und erst resignieren, wenn die Alte wieder ihr Heim regiert. Bis dahin hocken sie schwitzend im Schatten, oder fahren mit ihrem Schienen-LKW, eine Zigarette locker rechts im Mundwinkel hängen, wie in kühleren Jugendtagen die Gleise auf und ab.


    Die Bahnhofsuhr hängt schief und zeigt die falsche Uhrzeit. Ein paar Minuten, so habe ich mir erklären lassen, sind heutzutage Welten. Welten, in denen man Unmengen von Geld verdienen und verlieren kann. Man muss nur visionär sein. Wie das sein könnte, wollte ich wissen, wenn Kurzlebigkeit die langen Atempausen füllt. Ich fragte, was es heißt, wenn die Nacht zum Schlafen da ist und warum die Straßen ohne Kaffee viel chaotischer wären. Aber ich bekam keine Antwort mehr, der nächste Zug fuhr schon, Millionen von Euro wurden hier gemacht und dort verspielt. Ich hab es nicht einmal bemerkt.

    Doch dass die Zeit vergeht, weiß einer zu berichten, ist nicht die Regel hinter dem Vorhang des Lebens, sondern einzig und allein ein Irrglaube. Wem nach einem Jahr bewusst wird, dass es längst vergangen ist, der hat es nur nicht mit Erinnerungen füllen können. Beim Rasenmähen schlägt es ein, wie eine Bombe in die schwarzen Dächer der heizungsgewärmten Winterhäuser. Und mit einem Druck, den mancher sich zum leben oder sterben auf die Fahne schrieb, wabert der Gedanke über die Spielfläche vor den Augen. Zum Weiterdenken komm ich nicht, werde ich doch schon aufgeklärt. “Zur WM, da kommt es, wie im Kriech damals, noch darauf an, dat dit Hinterland hinner dene anne Front steht, wa?” Der kleine, dicke Mann, von dem diese Worte stammen, schiebt allein in seinem Vorgarten den Rasenmäher durch die Gegend, zurrt dann und wann das Kabel wieder gerade und versucht penibel jeden Halm auf eine deutsche Einheitslänge zu stutzen. “Dit heisst, ick zeich die Engländer schon heut nachmittach, dit wir och englischen, ick meine deutschen Rasen hamm.” Sein grau-blau gestreiftes Turnhemd aus vielmehr schlankeren Tagen des Wohlstandes bricht an den Achseln wie ein Damm unter tonnenschwerer Last, an den sich anstauenden, schweissigen Philosophieflecken in kleine Fäden.

    Während er sich seinem Fussball ergibt und die ARD den Fuss am Schemel unter seinen Füßen hält, wird er zittern, nicht eher erhängt zu werden, als bis das Spiel sein Ende findet. “Erst wenn der der Schiri abpfeift, is dit Spiel vorbei!” Pfiff und, den Schemel weggetreten, erdrosselt in seinem Fernsehsessel, blau angelaufen auf den durchgesessenen Federn, die Finger noch auf blank gezappten Fernbedienungstasten, das Bier erst gerade angebrochen.

    Nur unter der größten Pappel auf dem Vorplatz hockt ein verwahrloster, alter Mann. Ausgelutscht vom Kognac rechts an seinem Bein, den schäbigen Hut verwegen halb ins Gesicht gezogen, kichert er in sich hinein. Eine Flasche Kognac und Faust II, hatte er im Allerweltsladen in der großen Halle gleich am Tag seines Ausscheidens aus dem Lebensverkehr bestellt. Seither hockt er Tag für Tag an seinem Baum und memoriert die Verse still für sich, drückt manchmal eine weg, versteckt manchmal dazu sein Lächeln im dicken Bart. Selbst unter den Ausgestoßenen noch bleibt er ausgestoßen hoch auf seinen Zinnen und schaut herab auf die kleine Welt, die immerzu vor seinen Füßen in hundert Metern Entfernung ihrer Wege geht.

    Come my friends, tis not to late to seek a newer world., und leise weitersummend gehe ich davon, Richtung Westen, um die Sterne zu besuchen.

ANTWORTE / SAG DEINE MEINUNG

Name (muss sein)

Mail (nicht öffentlich) (muss sein)

Website

Return to Top