The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Neulich war es wieder einmal so weit. Wir saßen in einer Kneipe, tranken Bier und als die ersten drei Flascheninhalte bereits fröhlich in unseren Rümpfen randalierten, wurden die Diskussionen auch schon heftiger. Die Mathematiker bestehen auf ihrem q.e.d. und möchten am liebsten jeden Satz unter Zuhilfenahme der Logik untersuchen, für die Philosophen kann es nicht abstrakt und feuchtfröhlich genug sein und ja, wir PoWis werden mit Fragen gelöchert, wie zum Beispiel:
«Sag mal, der Präsident des Sudans, wie hieß der doch gleich?»
«Präsident des Sudans? Woher soll ich das wissen? Heiße ich Brockhaus oder Wikipedia? Bin ich zwischen Buchdeckeln eingeklemmt?»
«Du studierst doch PoWi, das musst du doch wissen!»Stopp. Halt. Ein für allemal. Jetzt. Aufgepasst:
Wenn ich alles wüsste, dann würde ich Stephen Hawking beim Blitzjeopardy vernichten und das nicht nur, weil er 5 Minuten braucht, ehe er mit seinem Spra-a-ach-com-pu-t-t-ter die Antwort in Form einer Frage zusammengepuzzlet hat.
Wenn ich alles wüsste, dann würde ich nachts bei Astro TV einen verrückten Wahrsager spielen und den Leuten absichtlich immer die falschen Dinge voraus sagen, weil sie es ganz einfach nicht anders verdient hätten, wenn sie dort anrufen. RTL2-Nachrichten schaut ja auch niemand, weil sie informativ sind, sondern deshalb, weil die Moderatorin ihren Ausschnitt direkt proportional zum Niveau der Sendung extrem tief trägt.
Besser noch, ich würde bei all den heruntergekommenen Sendern anrufen, bei denen die Rätselfeen in Großaufnahme mit ihren Sillikonpolstern hin und her wackeln, während vereinsamte Günthers, Hänse und Fränze zu Hause aufgeregt abwechselnd mal am Telefon und dann wieder an sich selbst herumfingern. Ich könnte dort anrufen und so lange alle Aufgaben lösen, bis die Sender pleite gehen, den Moderatösen vor Verzweiflung und Ehrfurcht die Implantate platzen und Phoenix oder Arte einen zweiten Sendeplatz bekommen.
Wenn ich alles wüsste, dann wüsste ich es natürlich auch besser und würde nicht immer wieder meinen Telefon- und DSL-Anschluss bei der Telekom, T-Online, T-Com oder wie der ganze T-Dreck neuerdings heißt, bestellen. Ich würde nicht zuerst 5 Wochen lang jeden Montag in der netten Servicestelle vorbeikommen müssen, um den lustigen Damen zu erklären, ich wäre schon vor einer Woche da gewesen und hätte einen Anschluss bestellt. Und sie würden mich nicht jedes Mal fragend anschauen, der Computer würde bei der Nachfrage nicht jedes Mal »Kein Eintrag vorhanden!» ausspucken, nein, ich würde endlich nach drei Monaten die nötigen Gerätschaften geschickt bekommen haben. Ebenso wenig würde ich dann aber auch wahlweise fünf bis acht Verträge stornieren müssen, die plötzlich im wunderbaren Zauberhut des T-Com-System wieder aufgetaucht sind, natürlich inklusive der passenden Monatsabrechungen.
Denn ich wäre ja schlauer. Ich würde bis zur nächsten 1 Paket kostenlos-Aktion der Post warten und René Obermann, dem Vorstandsvorsitzenden, CEO, wie es heute heißt, persönlich, ein Päckchen voller Exkremente schicken.Wenn ich alles wüsste, dann hätte ich schon längst die perfekte Gratwanderung zwischen arrogantem Arschloch und Supertyp hinter mir, die mir unendlichen Erfolg bei Frauen garantieren würde, à la: «Ich zahl dir gern den Pino Blanc, aber dafür bläst du mir gefälligst einen, ok?»
Letztens besuchte mich eine gute Freundin, die sich gerade von ihrem Liebsten getrennt hatte. Wir leerten ein Fläschchen Wein, wir vertratschten den ganzen Abend und als ich, da es schon recht spät war, anbot, auf dem Boden zu kampieren, während sie mit meinem Bett Vorlieb nehmen könne, sagte sie zu mir Folgendes:
«Ach, bei dir fühlt man sich doch gleich wieder besser.»Wem ist jetzt die Mehrdeutigkeit hierbei aufgefallen? Das ist nicht einmal weit hergeholt! Selbst mir ist dieser perverse Elendstourismus nicht gerade fremd. Wenn erst einmal wieder das dunkelste Privatfernsehzeitalter eingeleutet wird und der dämonisch dreinblickende Deppendieter sein zur allgemeinen Gemütsaufhellung im Kessel der Verblödung fermentiertes Volksvollpfostenfestival fernsehweit feil bietet, komme ich mir auch immer wie ein richtig guter Sänger vor. Dabei hatte mir meine Musiklehrerin schon damals erklärt, dass sich meine Art des Gesangs nur dahingehend von den Siechgeräuschen eines dreibeinig humpelnden Moschosochsen unterscheide, dass es mit dem Ochsen, im Gegensatz zu mir, ja wenigstens bald vorbei sei.
Wenn ich alles wüsste, dann wüsste ich aber auch, dass es ein eklatanter Nachteil ist, alles zu wissen, da es einen, basierend auf der ziemlich wahrscheinlichen Aussicht, dass das Leben letztendlich absurd und ausschließlich dazu da ist, das bisschen Zeit bis zum eigenen Tod irgendwie zu versemmeln, nur dazu verführt, rein gar nichts mehr zu tun. Das heißt: wenn ich also alles wüsste, würde ich unter Umständen einfach gar nichts mehr tun. Ich widerspräche mir also selbst. Und wenn genau dieses Nichtstun das einzige Kriterium für diesen Zustand ist, dann käme ich der Allwissenheit jetzt schon bedenklich nahe.
Man nennt das heute Chillen. Tjaja. Wenn ich alles wüsste, dann wüsste ich natürlich auch, ob ich richtig tight bei mir in der hood rumchillen, smokend den ein oder anderen weedenen spliff vernichten und es dabei nichts als real keepen oder schon dem Trend vorgreifend ganz deutsch einfach wieder rein gar nichts tun und bloß stumpf herumsitzen würde.
Jedenfalls wüsste ich, wie ich diesem Gefühl der Unwirklichkeit entrinnen könnte, das mich manchmal überfällt, mich ganz plötzlich völlig für sich einnimmt und auffrisst, innerlich rastlos werden lässt und äußerlich vollständig paralysiert. Der alltägliche Kampf würde enden und das Angehen gegen die Anstrengung, eben gegen dieselbe Alltäglichkeit, die sein Enden wieder hervorrufen würde. Vielleicht gäbe es also gar kein Ende. Ich weiß es nicht.
Ja, wenn ich alles wüsste, wenn alles so einfach wäre, wenn sich alles von einer Sekunde auf die nächste ohne Weiteres erklären ließe, dann wäre das natürlich keine schlechte Sache, doch bestimmt auch gar nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Auf jeden Fall wüsste ich natürlich, dass der Präsident des Sudans Umar Hasan Ahmad al-Baschir heißt. Tue ich aber nicht. Ich musste’s nachschlagen. Schade.












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