The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.

  • Ein alter Mann stolpert durch den Park, an den umgerissenen Bäumen, der ein oder anderen kaputten Statue vorbei, auf die marode Brücke zu. Wenn man so hinter ihm her läuft, erst ganz weit weg, dann immer näher dran, weil er so behebig läuft, fragt man sich immer wieder, ob er einfach nur alt ist und mit seinem Gebrechen hadert, oder ob er sein Gebrechen auch gern mit dem morgendlichen Gang zum freundlichen Spirituosenhändler an der Ecke zu bekämpfen versucht, wie es viele seiner Altersgenossen gern tun.

    Er schwankt wie ein alter Fischkutter in der Morgensonne, dessen Kapitän, ein weißbärtiger Mann, mit rauchender Pfeife zufrieden hinter dem Steuer steht und einem Tag entgegen sieht. Hin und wieder tritt man mit einem Knacken auf einen der vielen Äste, den die zufriedenen Kaminbesitzer zurückließen, nachdem sie sich über die ausgerissenen Stümpfe her gemacht hatten. Sicher zehren sie noch immer davon.

     

    Das Fell des kleinen Hundes ist struppig und grau wie die Haare des Alten. Man passiert das platt gewalzte Stückchen Ex-Wald, das nun fein säuberlich aufgeschichtet am Wegrand liegt. Ein 30-jähriger Stararchitekt hat vor ein paar Monaten ein neues Glas- und Metallverließ zwischen die Bäume visioniert. Bald wird man hier die Wochenenden verbringen, shoppen, ohne genau zu wissen, was man eigentlich will oder braucht, ob man überhaupt etwas will oder braucht. Es wird sich schon etwas finden, dass dem Geld für die Schufterei der vergangenen Woche einen kleinen Vergleichswert beschert.

    «Cindy, beiseite! Der Weg gehört dir nicht allein!», ruft der alte Mann, als man schon fast an ihm vorbei ist und zieht hektisch an der Hundeleine.

    Man fängt seinen Blick auf, diesen leeren Blick. Und man fragt sich, wie viel diese gläsernen Augen überhaupt noch zu sehen in der Lage sind. Sie liegen in den eingefallenen Höhlen eines ausgezehrten Gesichts, unbeweglich wie rostige Kugellager und starren blindlings geradeaus, sodass man sich in ihrer schwarzgrauen Bodenlosigkeit verliert, riskiert man einen tiefen Blick in sie. Wie viel sie wohl gesehen haben. Was vor allen Dingen.

    «Mach Platz, Bernd! Da will jemand vorbei!»

    «Ach …», man schustert sich tausende Schicksale für ihn zusammen, die ihn ereilt haben könnten. Tausend dunkle, feuchte, salzig schmeckende Schicksale mehr, als sie sich jeder zuständige Beamte in jedem beliebigen Amt je gemacht hat. Denn Befangenheit kostet leicht den Job in einer Welt, die so kalt ist, dass der Nordpol im Vergleich dazu ein scheiß Sonnenstaat ist.

    «Mensch, Rex! Nun brauchst du auch nicht mehr!»

    Man findet gemeinsam den Weg über die Brücke, ohne etwas zu sagen. Dort oben ist die Luft noch etwas klarer, der Wind streicht einem über die Kopf, als wolle er sagen, dass man sich nicht zu viele Gedanken machen solle.

    Unten angekommen: der Hund zieht den alten Mann viel zu nah an die Straße. Man beschließt, ihn hinüber zu begleiten, während er sich lauthals beschwert:

    «Ja! Scheiß Autofahrer! Hupt doch!», aber niemand hupt.

    Auf halber Strecke schaltet die Ampel wieder auf Rot, von weitem donnert eine Gruppe Sportwagen heran. Endlich weiß man wieder, wozu es die Räumzeit gibt.

    Junger Mann, wohin müssen Sie? Wo wohnen Sie? Da hinten? Seien Sie vorsichtig, ja? All die Großstadtrevierspiele. Und man wird sich der eigenen Hilflosigkeit gegenüber der Hilflosigkeit bewusst. Dem Gefühl, jetzt loslassen zu wollen. Nicht noch mehr sehen zu wollen. Dieses Gefühl der ganz eigenen, neuen Bodenlosigkeit.

    Vielleicht dreht man sich noch einmal um. Vielleicht. Sicher ist nur, dass man sich fragen muss, wer als nächstes vielleicht einen Dreck auf den alten Mann gibt, wenn er den Hund mit den vielen Namen durch die Stadt zieht.

ANTWORTE / SAG DEINE MEINUNG

Name (muss sein)

Mail (nicht öffentlich) (muss sein)

Website

Return to Top