The tears stream down my cheeks from my unblinking eyes. What makes me weep so? From time to time. There is nothing saddening here. Perhaps it is liquefied brain.
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Bitte beachten:
Dies ist der erste Teil einer weiterten, kleinen Trilogie über Erlebnisse während und nach einem Besuch beim Kieferchirugen. Hier findest du noch einmal Links zu allen Teilen:
- Erster Teil
- Zweiter Teil
- Dritter Teil
Aus den kratzigen Lautsprecher schmetterte Linda, die Sängerin der 4 Non Blondes, gerade ihr What’s up? durchs Wartezimmer. Ich öffnete die Tür der Praxis und ließ Tina hindurch. Fast war ich froh, dass sie nichts sagte, denn ich hatte keine Ahnung, wie ich ihr gegenüber treten sollte.
Entweder mit jenem Mitleid, das ich empfand, als sie mit ihrer aufgedunsenen Wange und den letzten Spuren von Blut auf den Lippen auf mich zu getaumelt kam, oder mit der Souveränität, die sie von sich selbst verlangte, als sie mich mürrisch anbrummte, da ich wie verrückt den kleinen Parkplatz entlang sprintete, nur um ihr die Autotür aufzuhalten. Wahrscheinlich hätte sie mir in dieser Situation die perfekte Mischung aus beidem entgegen gebracht. Eine Schulter, um mich anzulehnen und eine große, innere Stärke, um nicht sofort mit in meine Wehleidigkeit einzustimmen.
Auf der Heimfahrt sprachen wir überhaupt nicht. Die ganze Welt roch ein wenig muffig. Schwächelnd versuchte die Sonne, die zahlreichen Wolken zu vertreiben, die es episodenhaft in Streifen regnen ließen. Es war, als würde mir der rasche Wechsel zwischen hell und dunkel, den trockenen und nassen Passagen der Straßen, mein Zögern nachahmen. Allein ein paar kurz eingeworfene Fragen von mir wurden mit bloßen Gesten oder einfachen Silben quittiert. Verständlicherweise. Und immer noch haderte ich mit mir selbst.
«Tat es denn sehr weh?», versuchte ich, mich schließlich doch etwas einzubringen, als wir gerade aus dem Viertel, in dem sich so ziemlich alle Nicht-Allgemeinmediziner der Stadt angehäuft hatten, in Richtung der Stadtautobahn kamen.
Sie nickte wortlos. Ihre Wange wölbte sich langsam, aber sicher.
«Sag doch etwas?!»
Ein gequältes «Nein!» kam zurück, gefolgt von einem strengen Blick.
Alles zog sich endlos in die Länge. Selbst das Verkehrsamt schien sich gegen uns verschworen zu haben und ausgerechnet heute alle Ampeln immer auf Rot springen zu lassen, wenn wir nur in ihre Nähe kamen. Und ein wenig tröstete ich mich mit der Erinnerung an die Worte des Fernseharztes, der gesagt hatte, dass eine Krankheit auch immer das Umfeld des Kranken belaste.Sie lehnte den Kopf gegen die Scheibe und starrte nach draußen. Ganz sachte vibrierten ihre Haare im Lauf der Straße. Ich wusste nicht, ob sie auf irgendetwas Bestimmtes achtete, oder einfach nur beiläufig dem Farbschleier zusah, der an ihr vorbei hetzte, während sie darauf wartete, dass die Benommenheit endlich verschwand. Aber sie sah von einem auf den anderen Moment so leblos aus, dass man fast hätte Angst haben können, es wäre nur noch ihr Körper, der im Auto saß und nicht das Mädchen, dessen glänzende Anwesenheit allein schon beruhigend wirken konnte.
Ich parkte Peters Auto ein paar Häuser weiter zwischen mehreren Müllcontainern und erinnerte mich daran, wie ich schon einmal die Konfrontation mit der städtischen Müllabfuhr gesucht hatte und ein paar Stunden später aufgrund der Beihilfe mehrerer, pensionierter Nachbarn aus Tinas Bett geklingelt wurde, um meine Dreckskarre woanders abzustellen. Und schon an ihrer Wohnungstür angekommen wurde mir deswegen etwas mulmig. Gerade wollte ich anheben, etwas zu sagen, da nahm mir Tina das Wort:
«Es geht schon wieder.», nuschelte sie.
«Jaha!», grinste ich, «Das ist die Narkose.»
«Mag sein.»
«Ich gehe nur eben runter und stelle —»
«Ich leg mich hin. Du musst nicht bleiben. Schlafend bin ich ziemlich langweilig.», unterbrach sie mich.
Da könnte ich dich eines Besseren belehren, dachte ich und nickte, «Aber ich komme morgen vorbei.»
«Nein. Übermorgen reicht. Um sieben habe ich einen Termin.»
Ich fragte mich, ob es ein Test sein sollte und zögerte, um nicht womöglich einen schwerwiegenden Fehler zu begehen, wenn ich jetzt einfach loszöge. Aber als ich sie vor mir stehen sah, mit einer Wange, die dicker und dicker wurde und Augen, die nur nach Schlaf lechzten, wagte ich nicht länger zu zögern.
«Gut», sagte ich und zuckte zurück, als ich versucht war, ihr einen Kuss zu geben, «Halb sieben.»
Sie lächelte und entschädigte mich so schon längst wieder für alles, «Gut», sie beugte sich zu mir und gab mir einen Kuss.
Ihre Lippen schmeckten nach Desinfektionsmittel.Nur sehr widerwillig machte ich kehrt. Aber auf dem Weg durchs Treppenhaus hatte ich das Gefühl, vor Freude fast zu platzen. Ich kam mir vor wie ein verliebter Teenie, dem die potentielle Freundin nach einem gemeinsamen Nachmittag mit dem üblichen Eis und Kino an der Haustür noch heimlich einen Abschiedskuss auf die Lippen gedrückt hatte. So einen, von denen man nicht einmal den anderen Typen in der Klasse erzählt hätte.
Als die Tür ins Schloss fiel und Tina das Knarzen der Schritte im Treppenhaus verfolgte, bis sie sich im allgemeinen Getraumpel auf der Straße verloren, kehrte wieder Ruhe ein. Selbst wenn es den Anschein gehabt hatte, so hatte sie auf der Heimfahrt keineswegs nur aus dem Auto gestarrt, als würde sie ganz einfach die Zeit abwarten. Schon längst hatte sie alle möglichen Szenarien durchgespielt, von der Wirkungsdauer der Betäubung bis hin zur Organisation eines möglichst unkomplizierten, weiteren Tagesverlaufs. Unkompliziert, das hieß für sie, dem aufkeimenden Schmerzempfinden durch einen gut ausgeklügelten Wechsel zwischen Schlafen, Schmerzmitteleinnahme und der sich daraus ergebenden Möglichkeit, ein wenig zu essen und zu trinken, ein Schnippchen zu schlagen.
Tina öffnete das Fenster, kramte einige Eiswürfelformen aus dem Schrank, füllte sie mit Wasser und stellte sie ins Gefrierfach. Dann setzte sie sich an den kleinen Küchentisch. Der Regen hatte aufgehört, am Himmel hingen nur noch vereinzelte Wolkenfetzen, die wie in Rage auseinandergerissen vor der wärmenden Morgensonne umherschwebten.
Sie wusste nicht, wie spät es war, aber es konnte maximal auf die Mittagszeit zugehen. Die Luft schien noch kühl und unverbraucht, schwer vom Sauerstoff und frisch gereinigt von der Nacht. Ihre offenen Stellen im Mund spürte sie überhaupt nicht. Das Narkotikum arbeitete fast schon zu zuverlässig, denn es ließ sie ebenso alles andere vergessen. Alles, was sie sah, war der unverbrauchte Tag, den es sich nur vorzunehmen und auszufüllen galt. Stoßweise riss sie die Luft in ihre Lungen und ließ sie mit flatternden Lippen wieder hinaus. Ganz nebenbei gab sie dem Tisch ein Muster roter Tröpfchen. Als sie es bemerkte, wischte sie beinahe von sich selbst beleidigt mit dem Unterarm darüber.Dann eben nicht, dachte sie und beschloss, dass das Zeitungholen für sich genommen auch ein kleines Abenteuer war. Irgendwo musste man ja schließlich anfangen. Von der Betäubung gleichzeitig erleichtert wie unkontrolliert tänzelte sie durch den winzigen Flur und stolperte beinahe zweimal, als sie mit den Socken über die Dielen hüpfte.












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